Zur Diskussion um Energiewendekosten und EE-Umlage

FÖS logoIm Gegensatz zu den Behauptungen der INSM-Studie sind die erneuerbaren Energien nicht die „Preistreiber“ der Stromversorgung, sondern sie ersetzen Energieträger mit viel höheren Folgekosten für Steuerzahler und Gesellschaft: Stromkunden müssten nämlich einer Untersuchung des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) zufolge 2017 auf jede verbrauchte Kilowattstunde bis 10,8 Ct „Konventionelle-Energien-Umlage“ zahlen, wenn die versteckten greenpeace-energy logoKosten für Kohle, Atom und Gas in den Strompreis eingerechnet würden. Die Studie entstand im Auftrag des Ökoenergieanbieters Greenpeace Energy.

Eineinhalb mal mehr Subventionen für Fossile wie Erneuerbare

Laut der Kurzanalyse des FÖS summieren sich nämlich staatliche Subventionen und gesellschaftliche Folgekosten für fossile Energieträger wie Kohle und Atom im kommenden Jahr voraussichtlich auf etwa 38 Milliarden Euro. Diese Mehrkosten konventioneller Energiequellen liegen damit etwa anderthalb mal so hoch wie die Förderung für erneuerbare Energien, die auf der Stromrechnung als EEG-Umlage transparent ausgewiesen wird. Marcel Keiffenheim, Greenpeace-Energy - Foto © Gerhard Hofmann, Agentur Zukunft 20150115„Obwohl der Anteil von Kohle und Atom im bundesdeutschen Strom-Mix schrumpft, sind die Kosten für diese schmutzigen und riskanten Energiequellen noch immer deutlich höher als die für den Ökostrom-Ausbau“, sagt Marcel Keiffenheim, Leiter Politik und Kommunikation bei Greenpeace Energy. Er fordert deshalb: „Wir brauchen eine ehrliche und faire Debatte darüber, was unser Strom wirklich kostet und wer diese Kosten in welchem Maße verursacht.“

Externalisierte Kosten auf Allgemeinheit abgewälzt

AKW Neckarwestheim - Foto © Gerhard Hofmann, Agentur Zukunft 20150505So profitieren Kohle- und Atomindustrie beispielsweise von staatlichen Finanzhilfen, Förderungen und Steuervergünstigungen, die aus dem Bundeshaushalt finanziert werden. Weil etwa die Kernbrennstoffsteuer Ende 2016 ausläuft, erhalten die Betreiber von Atomkraftwerken im kommenden Jahr allein dadurch eine Steuervergünstigung in Höhe von rund einer Milliarde Euro. Außerdem müssen die Energiekonzerne für einen Großteil der externalisierten Kosten der konventionellen Stromerzeugung und deren Folgen nicht aufkommen. Dazu gehören finanzielle Belastungen durch den Klimawandel sowie durch Umwelt- oder Gesundheitsschäden. Diese Kosten übernehmen Stromproduzenten nur teilweise – über Energiesteuern oder durch Verpflichtungen im Rahmen des Emissionshandels. Der größte Teil dieser Folgekosten wird auf die Allgemeinheit abgewälzt.

Intransparent

Für Stromkunden bleiben diese Belastungen intransparent, weil die Kosten – anders als die EEG-Umlage – nicht im Strompreis enthalten sind. „Würden die Subventions- und Umweltkosten der Swantje Fiedler - Foto © FOESkonventionellen Energien nach EEG-Methode in die Stromrechnungen eingepreist, müssten private Haushalte rechnerisch statt durchschnittlich etwa 29 Cent dann rund 39 Cent für eine Kilowattstunde Strom bezahlen“, sagt Studienleiterin Swantje Fiedler vom FÖS.

„Selbst unter Annahme eines erheblichen Anstiegs stellt die EEG-Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien eine deutlich geringere Belastung dar als die versteckten Kosten für Kohle und Atom“, so das Fazit von Swantje Fiedler. Die Wissenschaftler des FÖS gehen in ihrer Studie davon aus, dass die Bruttostromerzeugung aus konventionellen Energien 2017 bei rund 400 Terawattstunden (TWh) liegt, was rund zwei Drittel der gesamten Stromerzeugung in Deutschland ausmacht. „Ein funktionierender Erneuerbaren-Ausbau ist das wirksamste Instrument, um die sehr viel höheren Folgekosten der schmutzigen und gefährlichen konventionellen Energieträger in Zukunft zu verringern“, so Keiffenheim.

Die deutsche Bundesregierung erteilte politischen Forderungen, wonach externe Folgekosten der konventionellen Energieträger stärker von den Verursachern getragen werden müssten, bislang Absagen. Laut FÖS könnten sich die versteckten Kosten für konventionelle Energien in der Zukunft sogar noch erhöhen – zum Beispiel, wenn die Atommüllendlagerung oder die Renaturierung von Braunkohletagebauen in Zukunft stärker als geplant vom Staat mitfinanziert werden.

Fazit: Die EEG-Umlage zur Förderung Erneuerbarer Energien (6,88 Ct/kWh) stellt für die Gestaltung einer klima- und umweltfreundlicheren, zukunftsfähigen Energieversorgung eine deutlich geringere Kostenbelastung dar, selbst unter der Annahme eines erheblicheren Anstiegs der Umlage. Denn vor allem Fremdkosten, wie die gefallenen Großhandelspreise an der Strombörse und die Befreiung vieler Industrieunternehmen von der Umlage treiben die Kosten nach oben.

Solarify logoSolarify meint: Wer jetzt noch an die INSM-DICE-Haucap-„Studie“ (siehe: solarify.eu/insm-studie-zum-eeg-und-den-energiewendekosten-falk-unserioes) glaubt, dürfte auch den Weihnachtsmann für real und/oder die Erde für eine Scheibe halten.

->Quellen: