Speicher, künftiger Bedarf

Zentrale Einflussfaktoren für den zukünftigen Bedarf an Speichern

a) Wettbewerb mit anderen technischen Optionen
Speicher stehen naturgemäß im Wettbewerb mit anderen Flexibilitätsoptionen, etwa Lastmanagement. Nur wenn Speicher zu niedrigeren Kosten als alternative Techno-logien bereit stehen, werden sie auch in einem größeren Umfang genutzt werden. Bislang zählen Speicher allerdings häufig zu den teuersten Flexibilitätsoptionen, weshalb sie derzeit meist nicht wettbewerbsfähig sind. Deshalb sollte ein Schwer-punkt darauf gelegt werden, dass neue Speichertechnologien zu Kostensenkungen führen. Für eine kosteneffiziente Stromversorgung mit einem hohen Anteil von er-neuerbaren Energien kommt es entscheidend darauf an, dass in einem fairen Wett-bewerb die technischen Optionen gleichberechtigt auf den Märkten agieren können und einzelne Optionen aufgrund gesetzlicher bzw. regulatorischer Rahmenbedingun-gen nicht schlechter gestellt werden. Letztlich soll der Markt auf die unterschiedlichen Preissignale reagieren und den Prozess wirtschaftlich optimieren. Vor diesem Hinter-grund ist das Marktdesign so zu entwickeln, dass der marktwirtschaftliche Wettbe-werb der Flexibilisierungsoptionen gelingt.

b) Geschwindigkeit des Transformationsprozesses
Wissenschaftliche Studien zeigen, dass sich Speicher je nach Prämissen im größeren Umfang wahrscheinlich erst bei einem EE-Anteil an der Stromversorgung von 40 bis 75 Prozent wirtschaftlich rechnen und erst dann in einem Wettbewerb mit anderen Flexibilisierungsoptionen zum Zuge kommen. Demnach würde ein nennenswerter Bedarf an zusätzlichen Speicherkapazitäten frühestens in 10 Jahren bestehen, ggf. sogar erst in 30 Jahren. Es besteht somit aktuell kein Bedarf, Speicher durch breit angelegte staatliche Förderung in den Markt zu bringen. Allerdings ist jetzt schon zu prüfen, ob und welche Speicher bei hohen Anteilen erneuerbaren Stroms in system-relevantem Ausmaß benötigt werden und sind dafür die Vorkehrungen zu treffen, damit sie rechtzeitig zur Verfügung stehen. Der Schwerpunkt sollte jetzt auf Forschung und Entwicklung sowie auf Erprobung im großtechnischen Maßstab gesetzt werden, um rechtzeitig technisch ausgereifte und kostengünstige Speicheroptionen einsetzen zu können.

c) Versorgungssicherheit im europäischen Kontext (europäischer Stromverbund)
Ein gut funktionierendes europäisches Stromnetz ist bildlich gesprochen der günstigs-te Speicher, da damit über große Entfernungen Erzeugung und Verbrauch ausgeglichen und auf teure Speicher weitgehend verzichtet werden kann. Der Ausbau des inländischen und europäischen Stromnetzes mit den dazu gehörenden Grenzkuppelstellen hat deshalb hohe Priorität. Wird dagegen das Thema Versorgungssicherheit nur national buchstabiert, so führt dies zu einem größeren Bedarf an Speichern und zu höheren Kosten. Im Interesse der Versorgungssicherheit ist allerdings zu prüfen, inwieweit die europäischen Optionen zuverlässig und kostengünstig zur Verfügung stehen. Wenn die Stromnachfrage zu jedem Zeitpunkt mit hinreichender Sicherheit mit inländischen Stromerzeugungskapazitäten gedeckt werden soll, wird dies in der Regel zu höheren Kosten führen und auch den Einsatz von Flexibilitätsoptionen in einem größeren Umfang erfordern als eine Lösung im europäischem Stromverbund.

d) Zentrale oder dezentrale Bereitstellung von Systemdienstleistungen
Mit steigendem Anteil der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien haben auch die systemtechnischen Anforderungen an die EE-Anlagen und damit auf die Kosten der Stromerzeugung zugenommen. Moderne Windturbinen müssen beispielsweise heute bereits, analog zu konventionellen Kraftwerken, Systemdienstleistungen bereit-stellen, unabhängig von der räumlichen Verteilung der Erzeugungsanlagen. Es ist zu diskutieren, ob eine stärkere Zentralisierung von Systemdienstleistungen auf Netz-ebene die Kosten des Gesamtsystems (unter Berücksichtigung sinkender Kosten für EE-Anlagen und damit einhergehender EEG-Vergütungsabsenkungen) verringern könnten und ob Speicher als eine der Flexibilitätsoptionen unter diesen Bedingungen Systemdienstleistungen gesamtwirtschaftlich kostengünstiger bereitstellen können.

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