Alles Bio – Schöne neue Welt?

Was ist eigentlich Bioökonomie?

Laut Christiane Grefe gilt die Bioökonomie heute “als jener Teil der ‘GreenEconomy’, der biogene Ressourcen nutzt”. Der Begriff schließe die gesamte Ernährungspolitik und -wirtschaft ein und entscheide “über nicht weniger als den Umgang mit unseren natürlichen Lebensgrundlagen”. So werde “Bioökonomie als Dach über sämtlichen Wirtschaftsbranchen und -sektoren beschrieben, die aus Tieren, Wald- und Ackerfrüchten, Fischen, Mikroorganismen und Algen Produkte herstellen”.

[note “Eine große Effizienzrevolution soll sie in Gang setzen, und das zugleich bei allen ‘Sechs F’: Food, Feed, Fuel, Fiber, Flowers & Fun – so schön knapp wie im Englischen kriegt man es auf Deutsch kaum hin. Alle Dinge, die uns ernähren, kleiden, fortbewegen und pflegen, aus denen wir Häuser bauen und Alltagsgegenstände herstellen, sollen zunehmend aus biologischen Quellen hergestellt und mit biologischem Wissen optimiert werden.”]

Noch fehlen laut Grefe Antworten auf komplexe Fragen, z.B. wie sich Pflanzen und Flächen für Lebensmittel, Futtermittel, Treibstoffe, Papier und Fasern, Blumen und Erholungsgebiete am besten nutzen lassen – oder könne “Biomasse” überhaupt “wundersam vermehrt werden”, indem alles ergiebiger gemacht und vielfältiger verwendet werde – das aber, so die jüngste Ausweitung der Definition, in “möglichst geschlossenen Kreisläufen”? Die Überschrift für all dies laute, “wie könnte es anders sein: Nachhaltigkeit”.

[note “Immerhin planen die Regierungen mit einiger Kühnheit etwas Richtiges: Sie wollten, so begründen sie ihre Vorstöße, die Forschungs-, Agrar-, Wirtschafts-, Verbraucher- und Entwicklungspolitik beim Thema (Bio-)Ressourcen nicht mehr neben- oder gegeneinander agieren lassen, sondern miteinander im Einklang auf Nachhaltigkeit trimmen. Das ist umso wichtiger nach dem politisch bedeutsamen Jahr 2015, indem sich die Weltgesellschaft auf Klimaschutz-Verpflichtungen und universelle nachhaltige Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals) geeinigt hat. Denn nun gewinnt die Diskussion an Fahrt: Und wie, bitte, machen wir das? Wie setzen wir diese Ziele um?”]

Christiane Grefe - Foto © privatChristiane Grefe, geboren 1957 in Lüdenscheid, besuchte die Deutsche Journalistenschule und studierte Politikwissenschaft in München. Sie war freie Journalistin bei Natur, Geo Wissen und beim Magazin der Süddeutschen Zeitung und arbeitet seit 1999 als Reporterin für die ZEIT. Zuletzt erschien gemeinsam mit Harald Schumann Der globale Countdown. Kunstmann-Verlag logo

Christiane Grefe: Global Gardening – Bioökonomie – Neuer Raubbau oder Wirtschaftsform der Zukunft? Verlag Antje Kunstmann, 320 Seiten, ISBN 978-3-95614-060-0, lieferbar ab 24.02.2016

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