US-Wissenschaftler appellieren an Donald Trump

Offener Brief der US-Physiker und Astronomen

DGS LogoDie Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie e.V. veröffentlichte am 27.01.2017 den offenen Brief vom 17.01.2017, in dem sich aus Sorge um die Zukunft unseres Planeten mehr als 700 US-Physiker und Astronomen an Donald Trump gewandt haben:

[note Sehr geehrter gewählter Herr Präsident Trump,

während Sie sich im Januar auf Ihr Amt vorbereiten, werden Sie viele Herausforderungen entdecken. Eine der gravierendsten ist die sehr reale Bedrohung durch die globale Erwärmung. Als Dozenten und Forscher aus der Abteilung für Physik und Astronomie in den Vereinigten Staaten fordern wir, dieses Problem mit der dringendsten Priorität zu behandeln.

Unser Appell an Sie ruht auf drei zentralen Punkten: Erstens, Klimaforscher haben zweifelsfrei festgestellt, dass unser Planet heute wärmer ist, als er seit 1850, dem Zeitpunkt des Beginns verlässlicher Aufzeichnungen, je gewesen ist. Die Atmosphäre und die Ozeane sind wärmer, die Schneedecke hat sich verringert, Gletscher haben sich zurückgezogen, das polare Eis verliert an Masse, das arktische Meereis schwindet und der Meeresspiegel steigt.

Zweitens ist sich die wissenschaftliche Gemeinschaft dahingehend einig, dass die menschliche Nutzung fossiler Brennstoffe der dominante Treiber dieser Erwärmung ist. Durch das Verbrennen von fossilen Brennstoffen wird Kohlenstoffdioxid frei, die weltweit steigenden Kohlenstoffdioxid-Werte fördern die globale Erwärmung. So sind die Kohlenstoffdioxidniveaus heute höher als zu irgendeinem Zeitpunkt in den letzten 800.000 Jahren.

Nur der Anstieg des Kohlenstoffdioxids und anderen Treibhausgasen kann die beobachtete Erwärmung erklären. Natürliche Variabilität im Klimasystem, Veränderungen in der Sonnenintensität, Vulkanausbrüche und viele andere mögliche Mechanismen wurden untersucht und konnten als primäre Ursache für die Erwärmung ausgeschlossen werden. Diese Aussagen sind unter den Klimawissenschaftlern Konsens. Es gibt hier keinen wirklichen Dissens.

Schließlich ist der Klimawandel eine wirtschaftliche und existenzielle Bedrohung für unser Land und für das menschliche und tierische Leben auf unserem Planeten. Wenn wir unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen nicht durch nachhaltige alternative Entscheidungen ersetzen, wird sich die Erwärmung fortsetzen und sich im In- und Ausland die Risiken erhöhen, dass es zu schweren und irreversible Ereignissen kommt.

Der Anstieg des Meeresspiegels bedroht bereits heute US-Städte und beeinflusst zudem die Erträge der globalen Landwirtschaft negativ. Überflutungen von Küstenstädten werden zu Zwangsumsiedlungen führen, wodurch sich das Risiko gewaltsamer Konflikte erhöht, sowohl innerhalb der Vereinigten Staaten wie auch in der ganzen Welt. All diese Effekte haben enorme gesellschaftliche Konsequenzen mit schwersten Auswirkungen auf die ärmsten Bürger.

Amerika ist nicht zuletzt wegen unserer fleißigen und kreativen Bürger, wie auch aufgrund unserer Beherrschung der Wissenschaft und Technik eine große Nation. Die kurzfristigen, dem Klimawandel zuzuschreibenden, Kosten bieten jedoch die Möglichkeiten für neue Investitionen, neue Arbeitsplätze und neue Chancen für die globale Führung, Dinge, die Amerikaner im ganzen Land begrüßen.

Sehr geehrter gewählter Herr Präsident Trump, wir bitten Sie sofort die Bedrohung durch den Klimawandel zu begegnen. Dabei haben Sie die einmalige Gelegenheit, Amerika zu einem noch größeren Land zu machen und eine bessere Zukunft für alle Kinder der Welt zu sichern.

Mit freundlichen Grüßen,
Physiker und Astronomen aus Hochschulen und Universitäten USA]

Der offene Brief im Original

[nextpage] Klimaschutz ist kein nationales Projekt

Matthias Hüttmann, DGS - Foto © DGSMatthias Hüttmann, Vizepräsident der DGS, nimmt zum Appell der amerikanischen Wissenschaftler Stellung und empfiehlt, den kritischen Blick auf den Fortgang der einheimische Energiewende nicht zu vernachlässigen:

“Wir sollten aufpassen, vor lauter Trump-Bashing die ungenügende Klimaschutzpolitik der eigenen Regierung nicht aus den Augen zu verlieren. Denn trotz umtriebigen Aktionismus kommt man auf der Baustelle Energiewende nicht voran. Da nutzt es auch wenig, wenn das deutsche Wort Energiewende mittlerweile ins Englische entlehnt wurde. Vielmehr könnte man in Abwandlung eines bekannten Zitats schnippisch formulieren: Niemand hat die Absicht, eine Energiewende zu machen.

Die Kritik der Bürgerenergiebewegung am scheidenden Energieminister unterstrich erst kürzlich ein Bericht des Bundesgerichtshofs. In ihm wird die Energiepolitik des Bundeswirtschaftsministers recht vernichtend kritisiert. Gabriels Ministerium, ist dort zu lesen, füllt seine Rolle als Gesamtkoordinator der Energiewende nicht aus. Denn weder hausintern, ressortübergreifend, noch mit den Ländern, fänden koordinierte Absprachen statt. Die Behörde habe keinen Überblick über die finanziellen Auswirkungen der Energiewende. Aber auch die Bundesregierung selbst wird nicht verschont. So sei es ihr nicht gelungen, eine Balance zwischen hohen Klimaschutzzielen und effizienten Förderprogrammen zu finden.

Jedoch kann das aktuelle Zeitgeschehen jenseits des Atlantiks, noch ganz andere Fakten schaffen, die global relevant sind, auch wenn das nicht sofort zu erkennen ist. So war vor kurzem zu lesen, dass die Mitarbeiter der US-Amerikanischen Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) damit begonnen haben, größere Datensätze ihrer Klimaforschung auf andere Server zu kopieren.

Man kann davon ausgehen, dass die Klimaforscher nicht paranoid sind. Vielmehr hatte sich wohl schon länger angedeutet, dass die Unterseiten der EPA mit Informationen zum Klimawandel abgeschaltet werden sollen. Würde dies passieren, könnten zahlreiche Daten unwiderruflich verloren sein. Da Klimaschutz in seiner Struktur nur bilateral bzw. international angepackt werden und nicht national funktionieren kann, ist hier ein immenser Schaden zu befürchten. Auch wenn die Lage momentan ein wenig gespenstisch ist, muss es ja nicht so weit kommen und Alexis de Tocqueville recht haben, als er vor mehr als 180 Jahren schrieb: “Sollte die Freiheit in Amerika jemals untergehen, so wird man dafür die Allmacht der Mehrheit verantwortlich machen müssen.”

Noch gibt es eine Mehrheit unabhängig von Wahlergebnissen, die sich nicht auf alternative Fakten stützt. Erst am 17. Januar haben sich aus Sorge um die Zukunft mehr als 700 US-Physiker in einem offenen Brief an Donald Trump gewandt. Den Brief haben wir frei übersetzt. Der Inhalt, das sollte man betonen, ist nicht nur für die US-Politik relevant, auch die deutsche Klimapolitik kann sich angesprechen fühlen. Und auch an uns, denn sollten wir unseren Blick zu sehr auf die Steinzeitpolitik des gewählten US-Präsidenten richten, übersehen wir womöglich die Defizite der bundesdeutschen Klimapolitik. Matthias Hüttmann

->Quelle: Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie e.V.