Der ökologische Anspruch der Energiewende

DGS startet neue Reihe

DGS LogoDie neue Reihe „Der ökologische Anspruch der Energiewende“ im erstem SONNENENERGIE-Heft 2017 beschäftigt sich mit dem Umbau unserer Energielandschaft und den ökologischen Folgen der Energiewende. Wie Matthias Hüttmann von der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie am 03.03.2017 in DGS-Aktuell schreibt, soll gefragt werden: Was passiert, wenn wir lediglich die Art der Energieerzeugung wenden, also die fossil-atomare Energielandschaft durch Erneuerbare Energien ersetzen? Was bedeutet ein massiver Ausbau der Windkraftnutzung? Ein enormer Zubau an Photovoltaik oder die vermehrte Nutzung von Bioenergie? Ist es technisch möglich, unseren Energiehunger regenerativ zu decken, und wie kann das vor allem auch umweltverträglich geschehen?

Matthias Hüttmann, DGS - Foto © Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie e.V.

Hüttmann weiter (mit freundlicher Genehmigung): “Denn nach wie vor drückt man sich gerne vor der Frage, ob überhaupt genügend Rohstoffe vorhanden sind, um all die neuen Energieanlagen zu errichten. Plündern wir unseren Planeten über die Maßen, wenn wir lediglich Konventionelles durch Alternatives ersetzen, und erzeugt ein massiver Eingriff in die Natur am Ende vielleicht sogar ein weiteres Problem? Teil 1 der Serie trägt den Titel ‘Die Cradle-to-Cradle Energiewende’. Darin betrachten wir die Umsetzung einer möglichen deutschen Energiewende auch hinsichtlich ihres ökologischen Fußabdruckes.

Die Strategie der Bundesregierung

In der bereits 2010 verabschiedeten Deutschen Rohstoffstrategie wird angestrebt, effizienter und umweltverträglicher mit den natürlichen Ressourcen umzugehen. Man zielt darauf ab, Rohstoffe für die Wirtschaft nachhaltig und sicher verfügbar zu machen. Die sozialen, umweltbezogenen und entwicklungspolitischen Auswirkungen des Rohstoffausbaus sollen stärker berücksichtigt werden. Handlungsansätze sind unter anderem Maßnahmen für mehr Transparenz im Rohstoffhandel, die Bekämpfung von Handelshemmnissen und die Stärkung von Wiederverwendung und Recycling. Des weiteren hat das 2012 beschlossene Ressourcen-Effizienzprogramm das Ziel, die Entnahme und Nutzung natürlicher Ressourcen nachhaltiger zu gestalten und die damit verbundenen Umweltbelastungen so weit wie möglich zu reduzieren.

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) ist eine technisch-wissenschaftliche Oberbehörde im Geschäftsbereich des BMWi. Die Deutsche Rohstoffagentur (DERA) wiederum ein Bestandteil der BGR. In dem Kurzbericht „Mineralische Rohstoffe für die Energiewende“ hat die DERA Fakten zum spezifischen Rohstoffbedarf für Erneuerbare-Energietechnologien sowie die damit verbundenen Herausforderungen auf den internationalen Rohstoffmärkten zusammengestellt. Dort wird festgestellt, dass für die Bereitstellung dieser Technologien, wie z.B. Windkraftanlagen oder Photovoltaik, mineralische Rohstoffe von großer Bedeutung sind. So könne nur eine sichere und nachhaltige Versorgung mit diesen Rohstoffen zum Gelingen der Energiewende beitragen. Der prognostizierte erhöhte Bedarf von spezifischen Rohstoffen und die hohe Angebotskonzentration auf wenige Produktionsländer können bei vielen dieser Rohstoffe allerdings zu erhöhten Lieferrisiken führen. Der Ausbau der EE-Technologien kann insbesondere die Situation bei Rohstoffen mit kleinen Märkten, wie z.B. Indium, Gallium, Tellur und schwere Seltenen Erden stärker beeinflussen. Ein solcher Nachfrageimpuls würde zu einem erhöhten Bedarf an zusätzlichen Produktionskapazitäten, mit kurz- bis mittelfristigen Folgen auch für die Preisentwicklung, führen.

Wichtige Elemente der Rohstoffstrategie sind der nachhaltige und der effiziente Einsatz von Rohstoffen, z.B. durch Material einsparende Prozesse, Materialsubstitution und Recycling. In Deutschland stieg die Rohstoffproduktivität von 1994 bis 2014 um fast 50 %. Allerdings wächst der globale Rohstoffbedarf aufgrund steigender Lebensstandards vor allem in Schwellenländern und durch den Ausbau von Schlüssel- und Zukunftstechnologien weiter an. Zu diesem Ergebnis kommt der neue „Wachstumsraten-Monitor – Entwicklung von Angebot und Nachfrage ausgewählter mineralischer Rohstoffe“ der DERA. Er stellt die relative Änderung von Produktion und Einsatz von 64 mineralischen Rohstoffen zum Vorjahr sowie für ausgewählte zurückliegende Zeitabschnitte bis etwa 1960 dar und leistet als Teil des DERA-Rohstoffmonitorings einen Beitrag zu mehr Transparenz auf den Rohstoffmärkten.

Folgt: Entropie ist unumkehrbar