PV-Balkonmodule fast zweitausend Mal so sicher wie Kohlekraftwerke

Studie belegt Ungefährlichkeit

Eine Untersuchung des Photovoltaik-Instituts (PI) Berlin gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS), der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin und dem Unternehmen indielux zeigt, dass Stecker-Solar-Geräte bis 2,6 Ampere (ca. 630 W PV-Leistung) gefahrlos von Laien angeschlossen werden können. Die wichtigsten Ergebnisse in Kürze:

  • Keine Beeinflussung des Fehlerstromschutzschalters
  • Kein Risiko eines elektrischen Schlags am Schukostecker beim Einsatz eines Wechselrichters
  • Stecker-Solar-Geräte verlängern die Lebensdauer der Elektroinstallation
  • Keine Brandrisiko durch Überlastung von Leitungen bei Einsatz eines 2,6 A-Stecker-Solar-Geräts
  • Keine signifikante Steigerung der Brandwahrscheinlichkeit an fehlerhaft ausgeführten Elektroinstallationen und gealterten Kontaktstellen
  • Lebensbedrohliches Risiko gegen Nullö

[note Marcus Vietzke, DGS-PVplug-Koordinator, erklärt: Sollten 1,5 TWh im Jahr mit Stecker-Geräten erzeugt werden, kommt es nach 95 Jahren zu einem zusätzlichen Brandopfer.  Stellen wir die gleiche Menge Energie aus Kohle bereit, so sterben in gleichen Zeitraum 1.756 Menschen an den freigesetzten Giftstoffen. (Quelle: Philipp Preiss, Joachim Roos, Rainer Friedrich (2013): „Assessment of Health Impacts of Coal Fired Power Stations in Germany by Applying EcoSenseWeb“, Institut für Energiewirtschaft und rationelle Energieanwendung (IER) der Universität Stuttgart)]

Untersuchungsergebnisse auf breiter Basis

Untersuchungsergebnisse des SGS, eines weltweit führenden Prüf- und Zertifizierungsunternehmens, sowie des TÜV Austria (und des Fraunhofer ISE), konnten kein Gefahrenpotenzial durch elektrischen Schlag feststellen. Eine weitere umfangreiche Studie des Fraunhofer ISE zeigte zudem, dass selbst auf Netzebene keine Argumente gegen die Technologie existieren. Die Untersuchung des Photovoltaik-Instituts vervollständigt nun das Puzzle. Damit konnten auch die letzten Zweifel ausgeräumt werden.

Untersuchungsergebnisse an DKE übergeben

Die DGS hat die Untersuchung an die DKE, der Deutschen Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik, übergeben und darum gebeten, die Warnung vor Stecker-Solar-Geräten den aktuellen Erkenntnissen anzupassen. Die Untersuchung kann von allen Herstellern und Anbietern als Beleg der Sicherheit dieser Technologie genutzt werden. Sie ermöglicht es, mit wettbewerbsrechtlichen Maßnahmen gegen falsche Aussagen von Netzbetreibern vorzugehen. Auch kann die Frage, ob das Anschließen eines Stecker-Solar-Gerätes eine unsachgemäße Nutzung der Elektroinstallation eines Vermieters ist, mit dieser Untersuchung verneint werden.

300 Einsprüche bei Neufassung der Norm

Auf Antrag der DGS wurde der DKE/Arbeitskreis „373.0.4 Steckerfertige PV-Systeme“ eingerichtet. Er soll eine Norm erarbeiten, deren Anforderungsprofil durch Sicherheitsfragen und nicht durch wirtschaftliche Interessen definiert ist. Am 29. und 30. Mai werden in München über 300 Einsprüche der DIN VDE 0100-551 verhandelt, die den Anschluss von Erzeugungsanlagen regelt. Sandra Enkhardt erläutert auf pv magazine: “Die Norm regelt den Anschluss von Erzeugungsanlagen. Derzeit wird auch an einer Norm für Solar-Stecker-Geräte mit einem Anforderungsprofil für Stecker-Solar-Geräte gearbeitet. Bis diese fertiggestellt ist, will die Gesellschaft mit der Veröffentlichung von eigenen Sicherheitsregeln für die Photovoltaik-Balkonmodule zusätzlich für mehr Sicherheit in dieser Geräteklasse sorgen.”

Politische Regelungen überfällig

Spätestens wenn die Normung abgeschlossen ist wird sich auch die Politik nicht länger um klare Regeln für dezentrale Erzeuger, die keine EEG-Vergütung beziehen, drücken können. Dies ist eigentlich längst überfällig: Selbst Profis blicken bei Zehntausenden relevanter Gesetze, Verordnungen und Regeln nicht mehr durch. So fordert der Netzbetreiber „Gemeindewerke Niefern Öschelbronn“ die Erfüllung der 70% Regel bei Stecker-Solar-Geräten und glaubt diese im Energiewirtschaftsgesetz zu finden. Von den Reaktionen einiger Netzbetreiber sollte man sich deshalb nicht verunsichern lassen, so die Medienmitteilung: Nachdem das Verfahren bei der Bundesnetzagentur nun klar gezeigt hat, dass beim Einsatz von normgerechten Wechselrichtern die Zuständigkeit der Netzbetreiber am Zähler endet, ist die Entscheidung über den Austausch des Zählers die einzige verbleibende Möglichkeit zur Einflussnahme des Netzbetreibers.

Sicherheit bereits heute garantiert

Hersteller oder Anbieter können bereits heute Sicherheiten garantieren, indem sie Solar-Geräte mit Schukostecker ausliefern, da diese Stecker-Solar-Geräte auch ohne Norm vom Laien ohne Risiko eingestöpselt werden können. Um für mehr Sicherheit in dieser Geräteklasse zu sorgen, beabsichtigt die DGS zudem, eigene Sicherheitsregeln für Stecker-Solar-Geräte zu veröffentlichen.

„Vom Bürger können auch heute schon Stecker-Solar-Geräte ohne Risiko eingestöpselt werden. Seit dem ein Verfahren der Bundesnetzagentur mittlerweile klargestellt hat, dass beim Einsatz von normgerechten Wechselrichtern die Zuständigkeit der jeweiligen Netzbetreiber am Zähler endet, wird die Normung allenfalls den Brief ändern, den er von seinem Netzbetreiber bekommt. Wenn der Hersteller oder Anbieter das Solar-Gerät mit Schukostecker ausliefert, garantiert er damit die Sicherheit seines Produktes“, sagt DGS-PVplug-Koordinator Vietzke.

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