Einblicke in Geschichte der Sternentstehung im Universum

Erster Nachweis von CH+-Molekülen in fernen Starburst-Galaxien: ALMA findet gigantische versteckte Vorräte an turbulentem Gas in entfernten Galaxien

Einem Wissenschaftlerteam aus ESA-Astronomen und dem Max-Planck-Institut für Astronomie unter Leitung von Edith Falgarone von der École Normale Supérieure und Observatoire de Paris ist es mithilfe des ALMA (Atacama Large Millimeter/submillimeter Array) gelungen, Spuren von Kohlenstoffhydrid-Molekülen CH in fernen Starburst-Galaxien nachzuweisen².

[note Das Atacama Large Millimeter/submillimeter Array (ALMA) ist mit 66 Antennen, die teils 7, teils 12 m Durchmesser haben, das größte Radioteleskop der Welt. Es wurde am 13.03.2013 offiziell in Betrieb genommen, wissenschaftliche Beobachtungen fanden jedoch schon seit Oktober 2011 statt. (nach Wikipedia)]

Die Forscher identifizierten deutliche Signale von CH+ in fünf von sechs der untersuchten Galaxien einschließlich jener, denen die Astronomen den Namen “Kosmische Wimper” gegeben haben (eso1012)³. Dies liefert neue Informationen, mit deren Hilfe Astronomen das Wachstum von Galaxien verstehen sowie nachvollziehen können, wie die Umgebung einer Galaxie Rohmaterial für die Sternentstehung liefert.

[note ALMA-Bild der Kosmischen Wimper, einer ferne Starburst-Galaxie, von der wir aufgrund des Gravitationslinseneffekts zwei aufgehellte Bilder gleichzeitig sehen. Mithilfe von ALMA wurden turbulente Reservoirs kalten Gases rund um diese und andere ferne Starburst-Galaxien nachgewiesen. Der erstmalige Nachweis von CH+ im fernen Universum eröffnet neue Möglichkeiten zur Erforschung einer Schlüsselepoche der Sternentstehung. Bild © ALMA (ESO/NAOJ/NRAO)/E. Falgarone et al.]

“CH+ ist ein besonderes Molekül. Für seine Entstehung ist eine gehörige Menge an Energie vonnöten, und es ist sehr reaktionsfreudig. Daher ist seine Lebenszeit sehr kurz, und das Molekül kann nicht weit von seinem Entstehungsort weg transportiert werden. Mit CH+ lassen sich daher Energieströme in Galaxien und ihren Umgebungen nachzeichnen”, erläutert ESO-Astronom Martin Zwaan, Co-Autor des Fachartikels in Nature.

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