Klimaskeptiker machen auf seriös

The Guardian: Undurchsichtige Welt der Wissenschafts-Zeitschriften neues Terrain für Klimaleugner – Klimaskeptiker haben in unseriösen Wissenschafts-Journalen Plattformen gefunden, die ohne strenge Überprüfung publizieren
von Graham Readfearn

“Es gibt ein neues wissenschaftliches Journal, von dem Sie vielleicht noch nie gehört haben, das International Journal of Earth and Environmental Sciences. Es sagt, dass es ‘Wissenschaftler unterstützt, die für die wirkliche Innovation & Entdeckung schwitzen’. Wenn Ihnen das ein wenig zu verschwitzt ist, wie wäre es dann mit einer weiteren neuen Zeitschrift, die auch International Journal of Earth and Environmental Sciences genannt wird? Oder, wenn Sie ein anspruchsvoller (und verschwitzter) Wissenschaftler sind, der einen Verlag sucht, der ‘bemüht ist, ein bemerkenswertes und differenziertes Forum für die Veröffentlichung bereitzustellen’, dann ist vielleicht das International Journal of Environmental Sciences das bemerkenswerte Forum für Sie? Nein? Nur noch eins. Es gibt auch das International Journal of Environmental Sciences, das ‘qualitativ hochwertige Forschungsartikel’ erwartet, die frei von Plagiaten, aber vielleicht nicht von Tippfehlern sind.”

Diese und Hunderte mehr Zeitschriften seien meist auf dem indischen Subkontinent oder in China angesiedelt und Teil einer Online-Industrie, die es Akademikern ermögliche, ihre Arbeiten gegen eine Gebühr und eine minimale, wenn überhaupt, Qualitätskontrolle zu veröffentlichen – so Readfearn. Einige seien bereits als “räuberisch” (predatory) eingestuft worden, weil sie sich an Akademiker wenden würden, oft durch Spam-E-Mails, ohne Gebühren richtig offen zu legen oder einen Peer-Review-Service anzubieten, der ihrer Forschung die nötige Aufmerksamkeit schenken würde.

“Normale” OA-Zeitschriften verdienen ihr Geld, indem sie Wissenschaftlern oder Institutionen vor der Veröffentlichung eine Gebühr für die Begutachtung und Prüfung eingereichter wissenschaftlicher Manuskripte in Rechnung stellen. Viele seriöse Verlage arbeiten auf diese Weise. Aber diese undurchsichtige Welt habe, schreibt Readfearn, eigene “Raubtiere” – Klimaleugner, die fragwürdige Qualitätskontrollen ausnutzen, um ihre Arbeiten in den von den Verlegern als “peer-reviewed journals” ausgegebenen Zeitschriften zu veröffentlichen, was in Wirklichkeit aber nicht der Fall sei.

Laut Guardian-Autor Readfearn hat Nils-Axel Mörner, schwedischer Wünschelrutengänger, Klimawandel-Leugner und emeritierter Geologe, mindestens sechs Zeitschriften für seine “Forschungen” ins Visier genommen. Mörner behauptet darin, dass der Meeresspiegel um Fidschi und andere pazifische Inseln herum nicht ansteige – räumte aber ein, dass die Arbeit von der CO2-Coalition bezahlt wurde, einer Klimaleugnergruppe, die Verbindungen zur Trump-Regierung hat (CO2-Coalition-Mitglied Kathleen Hartnett-White leitet Trumps White House Council on Environmental Quality, und ein Direktor, Prof. Will Happer, wurde als potenzieller Chefwissenschaftler angepriesen. Laut Prof Kurt Lambeck, Geophysiker und Meeresspiegelexperte an der Australian National University, hätte keine seiner Forschungen “den Peer Review Process für seriösere Zeitschriften bestanden”. Eine von Mörner angefragte Zeitschrift war das in Bangalore ansässige International Journal of Earth & Environmental Sciences (das erste oben genannte), das seinen Auftrag wie folgt beschrieb: “Wir ermutigen Autoren, die immer viel Interesse gezeigt haben, ihre Arbeiten in den renommierten Zeitschriften zu veröffentlichen und sie der wissenschaftlichen Gemeinschaft frei zur Verfügung zu stellen”.

Folgt: Abmahnung von der FTC