Missbrauchte Skepsis

Der Tollhauseffekt

Skepsis ist ein Grundkriterium jeder wissenschaftlichen Aktivität. Klimawandel-Leugnern ist es aber gelungen, diesen Begriff auf ihre Weise zu besetzen: “Leider wurde der Begriff ‘Skeptiker’ gerade im Zuge der Klimadebatte verschleppt, um etwas ganz anderes zu auszusagen. Er wird benutzt, um Beweisen auszuweichen, die man einfach nicht mag.” Das schreibt der Klimaforscher Michael E. Mann, einer der Hauptautoren des dritten IPCC-Sachstandsberichts und Verfasser des Buches “Der Tollhauseffekt” („The Madhouse Effect“) – Untertitel: “Wie die Leugnung des Klimawandels unseren Planeten bedroht, unsere Politik zerstört und uns in den Wahnsinn treibt”.

Mit einem Vorwort des deutschen Klimaforschers Stefan Rahmstorf handelt Der Tollhauseffekt vom Spannungsfeld zwischen Politik und Wissenschaft, vor allem der Klimaforschung. Das Buch beschäftigt sich mit den Manipulationen der – meist als seriöse Wissenschaftler getarnten – selbsternannten Klimaskeptiker, deren Pseudo– und Antiwissenschaft, die anerkannte Erkenntnisse und physikalische Tatsachen leugnet und zu untergraben versucht. Michael E. Mann, verantwortlich für die Texte im Buch, erläutert wie wissenschaftliche Methodik funktioniert und offenbart dadurch gleichzeitig die Tragik der politischen Debatte. ” Das Buch analysiert, deckt auf, gibt aber auch Hoffnung”, so der Klappentext.

In seiner ursprünglichen gebundenen Version wurde  „The Madhouse Effect“ im September 2016 veröffentlicht, noch vor der Wahl Donald Trumps. Mittlerweile hat sich jedoch einiges getan, vor allem im Land der Autoren. Dies hat sie dazu veranlasst, die neue (Taschenbuch-)Ausgabe um ein aktuelles „Post-election“-Kapitel (Original: “Return to the Madhouse: Climate Denial in the Age of Trump”) zu ergänzen.

Mann ist im dritten IPCC-Sachstandsbericht verantwortlich für den Abschnitt über erdgeschichtliche Klimaänderungen. Durch sein “Hockeyschläger-Diagramm“ wurde er auch außerhalb der Fachkreise bekannt. Mann gilt als profilierter Warner vor der Erwärmung der Erdatmosphäre und publiziert regelmäßig zum Thema.

Besondere Qualität erhält das Buch durch die zahlreichen bissigen Zeichnungen des Cartoonisten Tom Toles. Der politische Karikaturist hat unter anderem schon den Pulitzer-Preis für „editorial cartooning“ erhalten. Toles zeichnet momentan vor allem für die Washington Post. Auch der größte US-Präsident aller Zeiten ist im „Madhouse Effect“ mehrfach verewigt. Die Autoren haben die meiste Zeit ihrer Karriere an vorderster Front gegen den Klimawandel gekämpft. Sie haben die Manipulation der Medien durch wirtschaftliche und politische Interessen und das skrupellose Spiel mit der Parteilichkeit bei Themen, die das Wohlergehen von Millionen Menschen betreffen, miterlebt. Die Lektionen, die sie dabei gelernt haben, boten die Inspiration für dieses brillante Werk.

Der Tollhauseffekt ist die deutsche Ausgabe der Ende Juni 2018 in den USA erschienenen Taschenbuch-Ausgabe von „The Madhouse Effect“, einem Gemeinschaftswerk von Michael E. Mann und dem Karikaturisten Tom Toles. Die deutsche Übersetzung kommt von Matthias Hüttmann und Herbert Eppel. Herausgeber ist der Landesverband Franken der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS-Franken), das Buch erscheint im Erlanger Verlag Solare Zukunft.

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