Christopher Schrader rezensiert “Im Tollhaus”

Auch in Deutschland Mechanismen von Leugnen und Vernebeln

Man könnte sich nun fragen, was diese amerikanischen Kabalen mit Deutschland zu tun haben, und warum es deswegen einer deutschen Übersetzung des Mann-Toles-Buchs bedurfte. „Die Kräfte, die mit ihrem Geld versuchen, die Wissenschaft zu diskreditieren, die gibt es doch auch hierzulande“, antwortet Matthias Hüttmann, Initiator des Projekts und neben Herbert Eppel auch Übersetzer. Tatsächlich ist es so: Wann immer sich Leute aus dieser Szene in einer Kommentarspalte in eine Diskussion einschalten, können sie auf gutgemachte Webseiten manipulativen Inhalts verweisen. Auch die amerikanischen Veröffentlichungen der Lobbyisten sind stets nur einen Klick von der Debatte in Deutschland entfernt. Der breite Konsens in Klimafragen hierzulande, sagt Hüttmann, sei darum eine Illusion: „Wenn es wirklich daran geht, dass wir als Gesellschaft umschalten, werden wir diese Mechanismen von Leugnen und Vernebeln auch hier erleben“.

Schon heute ertragen auch deutsche Wissenschaftler wie Stefan Rahmstorf vom Institut für Klimafolgenforschung (PIK) und der Universität in Potsdam, der ein Vorwort zum „Tollhauseffekt“ geschrieben hat, massive Angriffe. „Es gibt einen kleinen, aber sehr lautstarken Sektor der Gesellschaft, der die Erkenntnisse aus der Klimaforschung aggressiv ablehnt, bis hin zu persönlichen Angriffen und physischen Drohungen“, erklärt er in einem Porträt auf der Webseite seiner Hochschule. „Man muss sich einfach ein dickes Fell zulegen.“

Weiteres Beispiel: Der scheidende PIK-Chef Hans Joachim Schellnhuber berichtet in seinem Buch „Selbstverbrennung“, wie er immer wieder von Menschen angegriffen wird, die ihm einen Aufruf zum Massenmord vorwerfen. Das ist natürlich blanker Unsinn; der mögliche Hintergrund ist seine Warnung, nach einem ungebremsten Klimawandel könne vielleicht nur noch eine Milliarde Menschen auf dem Planeten leben, die die Angreifer als Forderung missdeuten.

Auch Journalisten sind oft Ziel solcher Angriffe. Ging es beim Verfasser dieses Texts bisher eher um herablassende Zweifel an seiner Kompetenz oder Unabhängigkeit und um Versuche, ihn bei seinen Kollegen oder Vorgesetzten anzuschwärzen, so hat Matthias Hüttmann auch schon persönliche Drohungen erlebt: „Jemand hat sich die Mühe gemacht, meine Privatadresse herauszufinden und öffentlich zu posten. Nach dem Motto: Wir wissen, wo du wohnst.“

Folgt: Kategorisierung der vermeintlichen Argumente – „die Stufen der Verleugnung“