VW sattelt um auf E-Mobility (in ferner Zukunft)

Letzte Produktionsstraße soll 2026 in Betrieb gehen…

Bald nur noch CO2-neutrale Fahrzeuge will die Volkswagen AG herstellen; ihr Strategiechef Michael Jost (“willkommen im Strategie-Haus“) sagte am 04.12.2018 beim beim Handelsblatt-Autogipfel in Wolfsburg nur noch nicht, wann genau denn der letzte Verbrennungsmotor vom Band laufen soll. Der neue Ressortleiter E-Mobilität, Thomas Ulbrich, will es aber laut Handelsblatt “noch einmal schaffen, den Automarkt revolutionieren“. 2025 will VW allein in Deutschland eine Million E-Autos im Jahr herstellen – ein Fünftel der gesamten heutigen deutschen Pkw-Produktion.

2026 soll “die letzte Plattform, die nicht CO2-neutrale Fahrzeuge generieren kann”, an den Start gehen. Wie lange die produzieren und wann demnach der Verbrennungsmotor auslaufen wird, ist allerdings offen. VW will den E-Golf-Nachfolger ID Neo gänzlich ohne CO2-Belastung herzustellen. „Das Auto wird ohne Erblast übergeben“, so Jost. 15 Tonnen CO2 würden normalerweise bei der Produktion des Elektro-Kompaktwagens emittiert – die will Volkswagen einsparen, bzw. ausgleichen. Sieben weitere Tonnen entstünden laut Jost bei der Herstellung der Batteriezellen. Volkswagen wolle mit den Batterieproduzenten zusammenarbeiten und etwa auf Öko- statt auf Braunkohlestrom setzen. Man könne nicht ab dem ersten Tag, an dem 2020 der ID Neo in Zwickau vom Band laufen soll, die klimaneutrale Produktion umsetzen. Trotzdem soll schon der erste verkaufte Wagen eine klimaneutrale Bilanz vorweisen. Volkswagen wolle zum Ausgleich etwa Zertifikate für die Aufforstung von Regenwäldern erwerben.

Greenpeace-Verkehrsexperte Benjamin Stephan findet die Ankündigung zwar etwas etwas spät, aber “gut, dass Volkswagen als erster großer Hersteller die Konsequenzen aus einer schlichten Wahrheit zieht: Der Verbrennungsmotor verhindert Klimaschutz. Jetzt kann endlich darüber diskutiert werden, wie der CO2-Ausstoß auch im Verkehr sinken kann. Wenn andere Hersteller nicht im Gestern zurückbleiben wollen, müssen sie jetzt nachziehen. Wirklich zukunftsfähig aber werden Autohersteller nur, wenn sie über den Austausch des Antriebs hinausgehen.” Es gehe darum, in überfüllten Städten die Zahl der Autos zu verringern; dadurch werde Verkehr zu einer sauberen Dienstleistung, die mehr Menschen auch ohne eigenes Auto an ihr Ziel bringt. Stephan geht daher einen Schritt weiter: “Nur wenn Volkswagen sich ehrgeizige Ziele als Dienstleister für Mobilität setzt, wird der Konzern seine Position als Marktführer langfristig verteidigen.“

[note Handelsblatt: “Doch die aktuellen Zahlen bei Volkswagen zeugen weiter von ‘Elektro-Tristes’. Mit 55.000 verkauften E-Autos und Plug-In-Hybriden zwischen Januar und August 2018 reiht sich der größte Autokonzern der Welt laut EV Sales nur auf Platz sieben unter den E-Auto-Herstellern ein. An der Spitze steht Tesla mit über 115.000 E-Autos. Insgesamt läuft das Geschäft mit E-Autos in Deutschland schleppend. 50.000 Batterie-Fahrzeuge wurden in Deutschland zwischen Januar und September 2018 neu zugelassen, nach 37.000 im Vorjahreszeitraum. Damit liegt die größte Volkswirtschaft Europas kontinental nur auf Platz zwei hinter Norwegen mit 52.000 Fahrzeugen. China ist nach wie vor Marktführer mit 718.000 Neuzulassungen. Vor einem Jahr waren es dort noch 400.000.”]

330.000 E-Autos im Jahr</strong

Kürzlich hatte VW laut Handelsblatt vom 04.12.2018 bekanntgegeben, dass nicht nur in Zwickau, sondern auch in Hannover und Emden E-Autos vom Band rollen sollen. In Hannover werden zur Hälfte elektrische Fahrzeuge produziert, in Zwickau rein elektrische. Dort entsteht die größte E-Auto-Fabrik Europas, nach 2021 werden allein aus Zwickau – so hofft VW – 330.000 Elektrofahrzeuge im Jahr kommen. Die Wolfsburger wollen außerdem ein neues Werk in Nordamerika bauen, um dort Elektrofahrzeuge für den US-Markt herzustellen. Die Gespräche und Überlegungen zur Auswahl des Standortes laufen bereits. „Bis 2022 werden wir an 16 Standorten weltweit E-Autos produzieren“, so VW-Ulbrich.

[note Solarify meint: Ein Artikel in der ZEIT über dieses Thema zeitigte 466 Kommentare unterschiedlichster Art. Nur drei davon (in Ziffern “3”!) hatten das Wort “synthetische Kraftstoffe” im Text. Und wenn man die Berichterstattung über den Wolfsburger Autogipfel durchliest, sticht einem der Begriff auch eher nicht in die Augen. Dabei sind die Designer Fuels (synthetische Kraftstoffe, E-Fuels) aus Windwasserstoff und CO2 die eigentliche Zukunft für den – ja, für den Verbrennungsmotor – siehe: solarify.eu/alternative-kraftstoffe-synthetische-treibstoffe-desinger-fuels-e-fuels]

->Quellen: