Erderwärmung? – Und trotzdem so viel Schnee?

Forscher uneins über Verantwortung des Menschen für Klimawandel

Diese Falschbehauptung ist ein “Erfolg” der “Merchants of Doubt” (laut dem Buch von Naomi Oreskes und Erik M. Conway – siehe solarify.eu/die-machiavellis-der-wissenschaft): Schon seit Jahren beschäftigen die fossilen Weltkonzerne Dutzende selbst erfundene und finanzierte Thinktanks, die Zweifel an der wissenschaftlichen Erkenntnis säen sollen – mit dem Ergebnis, dass inzwischen die Hälfte der Amerikaner Trumps völlig unbewiesener Behauptung zuneigen, es gebe keinen Klimawandel, er sei vielmehr ein Erfindung der Chinesen, um die US-Wirtschaft zu schwächen. Doch auch Trump scheitert an der im Wahlkampf versprochenen und dann versuchten Wiederbelebung der US-Kohleindustrie – sie rentiert sich einfach nicht mehr (siehe solarify.eu/keine-kohle-mehr-peabody-pleite). Und auch die großen Investoren der Welt ziehen sich nicht aus purem Altruismus aus den fossilen Energieträgern zurück (Divestment). Dass die erwartete Rendite, bzw. der geschätzte Wert von fossilen Bodenschätzen wie Öl und Kohle zurückgeht, hat damit zu tun, dass 97 Prozent der einschlägigen Literatur den Klimawandel “anthropogen” nennt – menschengemacht. Das hat eine umfassende australische Metastudie (von 4.000 Arbeiten) zweifelsfrei ergeben (solarify.eu/einig-ueber-anthropogenen-klimawandel).

Ohne USA weltweiter Klimaschutz unmöglich

Dass die Abkehr der USA vom Pariser Abkommen dem Klimaschutzgedanken abträglich ist, steht außer Frage. Offen ist aber noch, wen sie im Gegenteil alles motiviert, mehr zu tun als bisher – so wie viele amerikanische Bundesstaaten (Kalifornien), Universitäten, Städte, Kreise und Gemeinden: In den USA gründeten 17 US-Staaten, die zum Klimaabkommen stehen und über 40 Prozent der Bevölkerung repräsentieren, die “Climate Alliance”. Hunderte US-Unternehmen bekennen sich zum Abkommen. Zudem dürfen die USA laut Vertrag erst am 04.11.2020 aussteigen – dem Tag nach der nächsten Präsidenten-Wahl. Deutschland, China und viele andere Länder unterstrichen in Katowice ausdrücklich, sie ständen weiterhin zu COP21 und 24.

Weltklimarat übertreibt, ist alarmistisch

Das Gegenteil stimmt: Das IPCC ist sogar eher vorsichtig, auch wenn er schreibt: “Der Einfluss des Menschen auf das Klimasystem ist klar”.  Lediglich einige der Forscher, die sich gar nicht mit dem Klima beschäftigen, zweifeln eher an dieser Aussage. Ebenso haben sich manche Politiker und andere Menschen, die den menschengemachten Klimawandel lautstark bezweifeln, nie beruflich mit Klimaforschung beschäftigt. Der Weltklimarat hat seine seit 1990 erstellten fünf Berichte nachträglich aufwändig mit dem Ergebnis analysiert, die Erderwärmung verlaufe ebenso wie der Meeresspiegelanstieg innerhalb der IPCC-Vorhersagen. Den Rückgang des Meereises in der Arktis hat der IPCC sogar deutlich unterschätzt. Es wurde dünner und schrumpfte daher schneller. Dagegen nahm das Treibhausgas Methan weniger stark zu als angenommen. Klimaforscher können keine exakten Vorhersagen für kurze Zeiträume machen , was ihnen Zweifler immer vorhalten, nach dem Motto: “Beweisen Sie mir den Klimawandel doch!”*). Das ändert überhaupt nichts an der generellen Tendenz. “Jedes der vergangenen drei Jahrzehnte war an der Erdoberfläche sukzessive wärmer als alle vorangegangenen Jahrzehnte seit 1850”, schrieb das IPCC 2014.

*) Es ist (außerhalb der mathematischen Logik) nicht wissenschaftlich, etwas beweisen zu wollen: Die Wissenschaft hat, frei nach Popper, vielmehr (Hypo)-Thesen aufzustellen, und zu versuchen, dieselben zu widerlegen. Beim Klimawandel ist das bis heute nicht gelungen: Die Gegenargumente der Zweifler (etwa: “Die Klimaforscher wollen unseren Pflanzen das CO2 wegnehmen!”) erreichten sämtlich kein wissenschaftlich-seriöses Niveau.

Deutschlands Klimabeitrag ist zu vernachlässigen

Wenn es eine der reichsten und hochindustrialisierten Länder der Welt nicht schafft, seien Treibhausgasausstoß in den Griff zu bekommen – wer dann? Wir stoßen mit rund einem Prozent der Weltbevölkerung etwa zwei Prozent der weltweiten CO2-Menge aus. Pro Kopf 10 Tonnen – erlaubt wären zwei Tonnen (!). Deutschland steht mit seinem gesamten CO2-Ausstoß auf Platz 6 in der Liste des Forschungsverbunds Global Carbon Project mit mehr als 200 Ländern. Wer meint, auf Deutschland komme es nicht an, müsste dies zumindest auch den über 190 Ländern ab Listenplatz 7 zugestehen, die gleiche Menge zu emittieren. Zudem geht es um das Beispiel. Deutschland verdient außerdem gewaltig am Export umweltfreundlicher Technologien wie etwa Rauchgas-Entschwefelungsanlagen oder Fahrzeugkatalysatoren.

Der stern (dem Teile der vorangegangenen Argumentation entnommen sind) schließt seinen “Faktencheck” mit den Formulierungen: “Mensch, Natur und Landwirtschaft sind auf ein Klima angewiesen, das keine zu großen Sprünge macht. Etwa 7,7 Milliarden Menschen auf der Erde müssen versorgt werden. Diese möchten ihre Heimat erhalten und nicht fliehen müssen.”

Gerhard Hofmann