Lesehinweis: “EU muss ‘Clean Hydrogen Alliance’ ver­wirklichen”

Die internationalen Dimensionen deutscher Wasserstoffpolitik
von Kirsten Westphal, Susanne Dröge und Oliver Geden (SWP)

Wasserstoff ist ein vielfältig einsetzbarer Energieträger, der in Politik und Wirtschaft im Kontext der Energie- und Klimapolitik gesteigertes Interesse geweckt hat. Die Bundesregierung will mit einer eigenen Strategie die künftige Verwendung in verschiedenen Wirtschaftsbereichen vorantreiben. Allerdings kann eine deutsche Wasserstoffpolitik nicht getrennt von Entwicklungen auf EU-Ebene und in anderen Mitgliedstaaten konzipiert, sie muss vielmehr europäisch ausgestaltet werden. Da Deutschland heute mehr als 70 Prozent seines Energiebedarfs importiert, hat eine solche energiepolitische Neuausrichtung zwangsläufig eine internationale Dimension. Insofern gilt es, sie entsprechend zu verankern. Die EU und Deutschland sollten bilaterale Partnerschaften und die multilaterale Governance voranbringen, um schritt­weise einen Markt für Wasserstoff zu schaffen – schreiben Kirsten Westphal, Susanne Dröge und Oliver Geden in einem neuen SWP-Aktuell.

Wasserstoff (H2) wurde in den Monaten vor Ausbruch der Corona-Krise beinahe schon als Allzweckmittel gehandelt, mit dem sich die Klima- und Energieziele erreichen lie­ßen. Zwar musste die Bundesregierung die Veröffentlichung ihrer lange angekündigten nationalen Wasserstoffstrategie krisen­bedingt zurückstellen. Doch die Idee einer wasserstoffbasierten Energiezukunft ist be­reits in vielen Vorschlägen für Post-Krisen-Konjunkturpakete präsent. Angesichts hoch­fliegender Erwartungen besteht die Gefahr einer unsanften Landung. Die Erwartungen rühren daher, dass H2 in etlichen Bereichen eingesetzt werden kann und eine vielfältige Wertschöpfungskette aufweist. Deren Glie­der sollten politisch, wirtschaftlich, tech­nisch und regulatorisch über Wertschöpfungsstufen und Landesgrenzen hinweg verzahnt werden. Die Erwartungen werden sich nur erfüllen, wenn die Beteiligten einen langen Atem haben, strategische Weit­sicht beweisen und pragmatisch vorgehen. Zunächst ist es auf EU-Ebene entscheidend, die “Clean Hydrogen Alliance” zu ver­wirklichen und eine europäische Roadmap zum Auf- und Ausbau der Wasserstoff­ökonomie zu formulieren…

Dr. Kirsten Westphal, Wissenschaftlerin in der Forschungsgruppe Globale Fragen, leitet das Projekt “Energiewende und Geopolitik”.

Dr. Susanne Dröge ist Senior Fellow in der Forschungsgruppe Globale Fragen.

Dr. Oliver Geden ist Leiter der Forschungsgruppe EU / Europa.

->Quelle und weiterlesen: swp-berlin.org/die-internationalen-dimensionen-deutscher-wasserstoffpolitik