Statt Gier und Kurzfristigkeit: Ökonomie und Ökologie zusammen denken

Bundeskanzlerin Angela Merkel will im Zuge von Konjunkturprogrammen den Klimaschutz im Blick behalten. Das sagte sie beim 11. Petersberger Klimadialog per Video – wie, sagte sie nicht (und ob ihr die eigene Fraktion folgt, ist erst mal offen). Sie betonte die internationale Verantwortung, das Pariser Klimaabkommen umzusetzen und begrüßte eine Erhöhung des EU-Klimaziels bis 2030. Aber inzwischen droht die Erneuerbaren-Branche im innerkoalitionären Machtkampf um Abstände (Wind) und Deckel (PV) zu kollabieren – und das, obwohl Solarteure und Windmüller trotz Verluste zehntausender Jobs inzwischen immer noch mehr Arbeitsplätze auf die Waage bringen als die Kohle. Verständlicherweise erscheint es Reinhard Loske “frappierend, dass im Corona-Fall konsequent, im Klima-Fall inkonsequent gehandelt wird, obwohl die wissenschaftliche Evidenz in beiden Fällen sehr hoch ist und sich in Umfragen auch für vorsorgenden Klimaschutz ähnliche Zustimmungswerte ergeben wie für die rigorose Bekämpfung der Pandemie. Daraus kann eigentlich nur der Schluss gezogen werden, dass die Zaghaftigkeit von klimapolitischem Regierungshandeln Ergebnis von allzu viel Rücksichtnahme auf mächtige und nicht-nachhaltige Gegenwartsinteressen war und ist, vor allem auf Industrie-Interessen.” Letztere sind hauptsächlich von Gier und Kurzfristigkeit bestimmt; die Dreistigkeit des Auftretens ist oft schwerlich zu überbieten: Einerseits soll der Staat helfend einspringen, anderseits aber nicht mitreden dürfen; einerseits sollen Milliarden Steuergelder fließen, aber zum Teil in die Taschen von Boni- und Dividenden-Empfängern. Kein Wunder regt sich dagegen Widerstand – in wenigen Fällen auch aus trüben Quellen. Aber die Politik darf sich – aus Angst vor drohender Stärkung von Rechtspopulisten? – nicht irre machen lassen. Merkels Ziel: “Abkehr von fossilen Brennstoffen, Hinwendung zu Erneuerbaren Energieträgern und mehr Energieeffizienz; Ökonomie und Ökologie müssen zusammen gedacht werden”. Daran – nämlich, wie nachhaltig der Nach-Corona-Neuaufbau vonstatten geht – sollten wir unsere Politiker messen. -S_Y- weiterlesen…

Atom am Ende

“Nicht das Erreichte zählt, sondern das Erzählte reicht” – dieser Alt-Spruch scheint Leitmotiv und Handlungs-Maxime der World Nuclear Association (WNA) zu sein, sonst würde sie nicht eisern am “Narrativ eines großen Interesses vieler Länder an der Neu-Einführung von Atomkraft” festhalten. “Die Realität sieht anders aus”, sagt das DIW-Berlin. Insgesamt seien die “Ausbaupläne von Newcomer-Ländern vernachlässigbar”. Nicht einmal der (irrige) Verweis auf die angebliche CO2-Armut der Atomenergie, mit dem Klimawandel-, Atom- und Kohle-Ausstiegsgegner (und Wiedereinstiegsbefürworter) hierzulande gerne hantieren, verfängt offenbar noch. Denn ist ist zwingend einleuchtend: Rein wirtschaftlich ist Atomenergie nicht rentabel, selbst wenn man Entsorgung und Endlagerung – und das Betriebsrisiko (das wir alle tragen – würde man die AKW versichern, käme 1 kWh Atomstrom auf bis zu 60 Euro) – wenn man all das außer Acht lässt. Und von einer Sache, die nichts abwirft, lassen Energieunternehmen, die noch selten als wohltätig bekannt geworden sind, schlicht und einfach die Finger. Die DIW-Studie fördert eine interessante Erkenntnis zutage: Länder mit Kernkraft-Ambitionen verfügen in der Regel über Demokratie- und Freiheitsdefizite. Kein Wunder, herrscht inzwischen doch Klarheit darüber, dass hinter dem Ausbau der Atomenergie immer (im Sinne von ausnahmslos) militärische Interessen stecken. Interessen, die ihre Verfolger gerne verstecken, denn sie sind nicht eben übertrieben renommee-förderlich, die sie jedenfalls offen zu vertreten sich scheuen. Ein Blick in die Geschichte lehrt zwar oft, dass die Menschen nichts aus ihr gelernt haben, wie Hegel sagte, aber Tschernobyl und Fukushima sollten reichen. Doch eines lehrt die Geschichte doch: Was sich nicht rentiert, wird Auslaufmodell.
-Gerhard Hofmann- weiterlesen…

Die Klimakatastrophe wartet nicht auf unsere Trägheit

“Sputet Euch!” sagte Umweltstaatssekretär Flasbarth am 08.10.2018 bei der Präsentation des IPCC-Sonderberichts, demzufolge bei 1,5° C Erwärmung (schon bald) hohe Risiken durch die Klimafolgen bestehen – Flasbarth hatte Recht. Schon fünf Jahre zuvor hatte der Berliner Karikaturist Klaus Stuttmann einen vorausschauenden Cartoon mit dem Titel “Immer diese Panikmache!!” gezeichnet – ein klimazweifelnder Gott sitzt auf einer Wolke und bekommt, schneller als gedacht, nasse Füße. Doch es scheint ja wirklich, als hätten wir – wir alle, also die ganze Welt – seit Stuttmanns Einfall nichts dazugelernt: Die Begeisterung über COP21 (Paris, 2015) ist nach Madrid (COP25, 2019) illusionsarmer Ernüchterung gewichen. Noch immer regieren ethikfreies Gewinnstreben und kurzfristige Kapitalmaximierung, alimentiert durch den Klimawandel verharmlosenden, wenn nicht gar leugnenden und fremdenfeindlichen Rechtspopulismus fern jeder christlichen Nächstenliebe; mit der Folge, dass die meisten derer, die in der Hoffnung auf Rettung ihres Lebens oder auch nur eines besseren Auskommens den lebensgefährlichen Weg übers Mittelmeer gewagt haben, sich ratlos fragen: Wohin sind wir eigentlich geflohen? Mit der Folge, dass die Festung Europa sich vor bettelnden Mitmenschen abschotten zu müssen glaubt (denn, kein Zweifel, sie werden zu Millionen kommen). Die Zeit läuft uns davon: Extremwetter nehmen rasant zu; Waldbrände bedrohen Sidney; der Permafrost taut 70 Jahre früher, als er das den (offenbar viel zu optimistischen) Modellen der Klimaforscher zufolge dürfte. Deshalb können wir nicht warten, bis (nicht missverstehen: ansonsten völlig berechtigte, ja notwendige) langwierige demokratische Prozeduren ernsthaften Klimaschutz gebären, nachdem die ersten Kippschalter irreversibel in Richtung Katastrophe umgefallen sind. Wenn die erste (legislative) und zweite (exekutive) Gewalt versagen (wie derzeit), muss die dritte Gewalt, die Judikative eingreifen. Der Grundgesetzartikel 1 – “Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt” – verpflichtet die staatliche Gewalt ohne Wenn und Aber dazu, die – zweifelsohne vom Klimawandel direkt oder indirekt bedrohte – Würde der Menschen zu schützen. Deshalb ist das Haager Urteil historisch, das mehr Klimaschutz von der niederländischen Regierung fordert. Wenn sie einsichtig und willens ist, kann die Justiz schneller (und wirksamer) entscheiden als die beiden anderen Staatsgewalten. In diesem Sinne werden wir nicht nachlassen – und wünschen frohe, besinnliche Festtage und ein gutes Neues Jahr 2020. Die Agentur Zukunft und Solarify danken herzlich für kritisch-aufbauende Würdigung und Partnerschaft, für freundliche und freundschaftliche Begleitung und für gute Zusammenarbeit im vergangenen Jahr. – Gerhard Hofmann/Agentur Zukunft – weiterlesen…

IEA-WEO verharrt im alten Denken

Der neue World Energy Outlook (WEO) der IEA beklagt starke Verwerfungen: “Die Diskrepanz zwischen gut versorgten Ölmärkten und wachsenden geopolitischen Spannungen” – nun gut, das Öl muss über kurz oder lang sowieso im Boden bleiben. Dann: “Die Kluft zwischen den immer höheren Mengen an Treibhausgasemissionen und der Unzulänglichkeit der Politik zur Eindämmung dieser Emissionen im Einklang mit den internationalen Klimazielen.” Damit muss die IEA nicht nur die Trumps und Bolsonaros dieser Welt meinen – die wollen ja gar nicht – sondern auch die deutsche Regierung, die so tut, als wolle sie, aber in Wirklichkeit nicht kann und ihr “Klimapäckchen” gar als Durchbruch feiert. Schließlich beklagt die IEA noch “die Kluft zwischen dem Versprechen von Energie für alle und dem Mangel an Zugang zu Strom für 850 Millionen Menschen.” Doch weit mehr: Die IEA benimmt sich auf schwer erträgliche Weise scheinheilig: Sie unterschätzt in ihrem Outlook Kostensenkungen und Wachstum der Erneuerbaren Energien deutlich und leitet daraus langanhaltende Notwendigkeit für fossile Energieträger ab. Sie wischt damit das eigendynamische, weltweite Wachstum von Wind und Sonne vom Tisch, die in Verbindung mit Speicheroptionen schon längst die günstigsten Energieträger sind. Doch die IEA redet lieber über die mit den Erneuerbaren einhergehenden Risiken – nachdem sie widerwillig ihr Wachstum zur Kenntnis genommen hat: Weil Strom zunehmend im Zentrum moderner Versorgungs-Sicherheit stehe, eröffneten Erneuerbare Energien und fortschrittliche digitale Technologien “enorme Möglichkeiten für den Umbau des Energiesystems, lassen aber auch neue Risiken der Versorgungssicherheit entstehen”. In einem WEO-Szenario entfällt 2040 zwar mehr als die Hälfte der zusätzlichen Stromerzeugung auf Windkraft und PV, in einem andern fast das gesamte Wachstum. Daher fordert die IEA: “Politische Entscheidungsträger müssen schnell handeln, um mit dem Tempo des Wandels und dem wachsenden Flexibilitätsbedarf des Netzbetriebs Schritt zu halten. Speichermärkte, Schnittstellen, Datenschutz – all diese Fragen könnten die Verbraucher mit neuen Risiken konfrontieren.” Eingangs hatte der WEO genau dieser Politik “Unzulänglichkeit” attestiert…

-Gerhard Hofmann- weiterlesen…

CO2 radikal ver(s)teuern

Eine sächsische Zeitung warnte (vor der Landtagswahl): „CO2-Steuer auf Sprit: So teuer würde es für Sachsens Pendler.“ Die Kohlendioxid-Abgabe würde viele Berufspendler in Sachsen und Thüringen besonders hart treffen, barmte das bürgerliche Blatt: „Experten rechnen mit Mehrbelastungen von einigen hundert Euro pro Jahr.“ Entsprechend entschlossen rannte Sachsens Ministerpräsident dagegen an: Die Wähler sollten ihr Kreuz schließlich hinter der CDU machen, und nicht bei irgendwelchen Rechtspopulisten. Doch gegenwärtig tun praktisch alle Steuer-Gegner (wider besseres Wissen?) so, als hätten sie das Wort „sozialverträglich“ noch nie gehört, als hätten sie ebenso wenig Kenntnis von der Existenz einer im Süden an unser Land angrenzenden Eidgenossenschaft und ihrem CO2-Bepreisungssystem genommen – oder gar von den 46 Ländern weltweit, die schon eine CO2-Abgabe haben (wenn auch einige nur auf dem Papier). Die scheinheilige Verlogenheit der öffentlichen Debatte macht alle Streitgespräche darüber zurzeit schwer erträglich – eine Debatte, die fest die Augen vor der Tatsache schließt, dass, wenn wir so weitermachen, unsere gesamte Existenz als Menschheit bald weder sozial- noch sonst wie verträglich sein wird. Die fünf „Wirtschaftsweisen“ empfahlen, den CO2-Ausstoß von Heizungen und Verkehr zu verteuern. Sie halten eine CO2-Steuer auf Sprit oder Heizöl zwar für eine Zwischenlösung, aber doch für einen schnellen Weg zu den Klimazielen 2030. Die Abgabe müsse aber regelmäßig angepasst und die Einnahmen auf keinen Fall für andere Zwecke als den Klimaschutz verwendet werden, darüber hinaus solle der Staat das an die Bürger zurückgeben, was er über die CO2-Steuer einnehme, entweder pauschal oder durch eine Senkung der Stromsteuer, empfiehlt das Gremium. Auch etliche Wirtschaftsvertreter heben den Daumen zum Thema – doch die CDU verweist auf ein Gutachten des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags, das die Verfassungskonformität verneint, denn die CO2-Steuer sei keine Verbrauchssteuer: „Die CO2-Steuer ist in der Variante der direkten Besteuerung von Kohlendioxid-Ausstoß nicht als Verbrauchsteuer realisierbar, da CO2 kein verbrauchsfähiges Gut ist.“ So was. Zudem habe der Staat kein „Steuererfindungsrecht“. Dabei muss der kleinkarierte Streit schleunigst überwunden werden… -Gerhard Hofmann- weiterlesen…

Klima-Politik-Notstand

Während einer Rede von Bundestagspräsident Schäuble im Rahmen der Veranstaltung „Jugend und Parlament“ demonstrierten 20 Jugendliche am 03.06.2019 vor dem Rednerpult. Sie legten sich im Plenarsaal auf den Boden und stellten sich tot. Die Botschaft ihres Die-Ins war klar, aber wirkungslos: „Wir sehen nicht, dass diese Koalition die schwerste Krise der Menschheit ernst nimmt,“ sagte einer. Schäuble sagte lediglich: „Bleiben Sie ruhig liegen. Ich sage allerdings, morgen Mittag muss ich hier die Sitzung des Bundestags eröffnen, und bis dahin sollten Sie sich entfernt haben.“ Nicht eben extrem angemessen. Dass die drohende Klimakrise, obwohl sie längst begonnen hat, die offizielle Politik trotz des für die geschrumpften “Volksparteien” katastrophalen Ergebnisses der Europawahl nicht bewegt, ist schwer zu ertragen, deprimierend, empörend. Aber trotz der weltweiten Bewegung von Fridays-, Scientists-, Parents-, bzw. Grandparents-for-Future und schließlich “Extinction Rebellion” kommt von den meisten Politikern nur lauwarme, wohlfeile Anerkennung. Der zynischste Satz dabei lautet sinngemäß stets: “Wir müssen noch mehr für den Klimaschutz tun.” Noch mehr
Die EU hat jüngst ihren Beschluss nicht erreicht, bis 2050 klimaneutral zu werden. Beim G20-Gipfel in Osaka am 28.06.2019 spielte der Klimawandel nur eine Nebenrolle. Im deutschen Bundestag wurde am gleichen Tag eine (!) Stunde lang – über drei Gesetzentwürfe und 13 Anträge zum Klimaschutz diskutiert und abgestimmt – zu einer Zeit, als die meisten Volksvertreter eigentlich bereits auf dem Weg in die parlamentarische Sommerpause hätten sein wollen und nur durch namentliche Abstimmung zum Bleiben bewogen wurden. Gesetzentwürfe und Anträge der Grünen und der Linken zu den Themen Kohleausstieg und Klimanotstand wurden abgelehnt.
Die Bonner Vorbereitungskonferenz für COP25 in Chile war tags zuvor ohne eine Einigung über den CO2-Handel wie das Hornberger Schießen ausgegangen. Sie fand in klimatisierten Räumen statt.
-Gerhard Hofmann- weiterlesen…

Was wir brauchen und was nicht:

 

 

 

 

Wir brauchen nicht mehr

– Studien, die immer noch in der Steinzeit verharren und Jobs gegen Klimaschutz ausspielen;
– Politiker, die kaninchenartig auf die Schlange aus den letzten vier fossilen Arbeitsplätzen (Kohle und Benzin/Diesel) starren;
– Parteien, die veränderungsunfähig im Ende des vorvergangenen Jahrhunderts stehen geblieben sind;
– Bosse, die nicht einsehen wollen oder können, dass die angeblich selbstheilenden Kräfte des Marktes ein schimärenhafter Unsinn sind;
– politische Verantwortliche, die als einzigen Hebel in der Klimapolitik das Bremspedal kennen
– Leute, deren einzige Sicht im Blick auf den eigenen Geldbeutel besteht.

 

Wir brauchen mehr

– Junge Leute, die nicht nachlassen, alte Politiker vor sich her zu treiben;
– die Einsicht, dass wir nicht mehr viel Zeit haben (etwa 10-15 Jahre), wenn wir Klima, Natur und Umwelt retten wollen;
– eine einschneidende Abgabe auf die Emission von Treibhausgasen in Höhe von mindestens 1.000 Euro pro Tonne (wenn nicht mehr);
– Verteuerung aller fossilen Brennstoffe;
– anschließende Verteilung des so eingesammelten Geldes an alle ohn’ Anseh’n der Person;
– Abschied vom Markt für alle, die nicht einsehen wollen, dass fossile Geschäftsmodelle beendet werden müssen.

-Gerhard Hofmann- weiterlesen…

Lesehinweis: “Energie. Wende. Jetzt. – Eckpunkte für eine zukünftige Energieversorgung”

Robert Schlögl auf Solarify
 
 

Randnotiz

Politiker-Verschwörung gegen die Jugend

Man könnte auch sagen: “Gegen die Zukunft”. Die konzertierte Borniertheit der Politiker angesichts von Klimakatastrophe und Naturzerstörung macht fassungslos. Albrecht von Lucke (“Blätter”) fasste die teils unsäglichen O-Töne mit “Kampf um die Empörungshoheit” zusammen. Der Ober-Liberale Lindner jammerte: „Die deutsche Autoindustrie soll enthauptet werden“, man wolle „eine Schlüsselindustrie kriminalisieren“, und sekundierte damit “Andi” Scheuer (CSU), der die Schülerproteste “gut für die Demokratie“ fand, es dann aber noch besser fand, “wenn die Demonstrationen außerhalb der Schulzeiten stattfänden.“ Für den „Minister für Verkehrspolemik“ („Süddeutsche Zeitung“) ist aktiver Klimaschutz in Form von höheren Dieselsteuern und ein Tempolimit auf Autobahnen schlicht „gegen jeden Menschenverstand“. Dass der Verkehrsminister (keineswegs nur in Auspuff- und Abgasfragen) jedenfalls nicht übermäßig vor Transparenz glüht, hat sich herumgesprochen. Der Bundesautomobil-Oberlobbyist – vom Energie-Grünen Krischer “Standortrisiko” tituliert – will konsequenterweise allen NGO, die solche einfordern, die Gemeinnützigkeit aberkennen (lassen). Scheuer traf sich – sagt sein Ministerium – kein einziges Mal mit Vertretern von BUND, Nabu, Greenpeace, WWF oder DUH – war aber 15 Mal zu Gesprächen oder bei Veranstaltungen mit Vorständen deutscher Autokonzerne und Branchenverbände. Dass er, bzw. sein Haus, jetzt aber sogar das Fragerecht der Opposition, eines der vornehmsten Rechte von Fraktionen, die nicht an der Regierung beteiligt sind, einschränken will, muss nachdenklich stimmen. Oder hat es (nicht nur unter Demokratie-Gesichtspunkten) doch tiefere symbolische Bedeutung dass das Verkehrsministerium an der Berliner Invalidenstraße liegt? “Überkontrolle” hätte jedenfalls das Zeug zum “Unwort des Jahres”. Die ohnehin schwer angeschlagene Reputation des Auto-Passauers (Ulf Poschardt: „Andi Scheuer als großer deutscher Antifaschist”) erlitt eben weitere Blechschäden: Ihn entmachtend berief die Kanzlerin das Feigenblatt-Konsortium namens Verkehrskommission; eben beschloss Brüssel für Scheuer extrem harte CO2-Grenzwerte; ein Kapitalversagen in den Augen der Autoschmiede. Selbst der BDI in Person von Holger Lösch glaubt, dass man “diesen Moment der Wahrheit nicht mehr viel nach hinten verschieben” könne. “Irgendwann wird man zu der Erkenntnis kommen, dass die Ziele mit möglicherweise sehr unangenehmen Entscheidungen verbunden sind.” Während die von gestern noch tief nachdenken,wie sie Greta Thunberg infantilisieren, hat sich der Klimaprotest längst verselbständigt über ist weit über seine Urheberin hinausgewachsen. Inzwischen demonstrieren Schüler weltweit, am zahlenstärksten in Deutschland, unter dem Slogan „Fridays for Future“. Ihr implizites Grundmotiv lautet: „Warum für die Zukunft lernen, wenn wir keine Zukunft haben?“ (Lucke) Ob die Parteien irgendwann merken, dass diese jungen Leute sehr bald wählen gehen? -Gerhard Hofmann- weiterlesen…

“Der Klimawandel beschleunigt sich in der Arktis deutlich, und das hat weltweite Auswirkungen auf uns alle. Wir alle sind für diese Zukunft mitverantwortlich, aber niemand mehr als die jungen Menschen, die bald mitten in dieser Veränderung leben müssen.”

Global Linkages – UNEP 2019

Randnotiz

Klima-“Schutz”?

Der Klimaschutzbericht der Bundesregierung ist ein peinliches Dokument des Nichtstuns, des vorauseilenden Gehorsams gegenüber den Falschen und des Scheiterns internationaler Versprechungen. So gerne wäre die Regierung “Vorreiter”, Angela Merkel “Klimakanzlerin” geblieben – wer erinnert sich nicht an das schöne Foto im orange-farbenen Anorak vor arktischen Gletschern? – doch immer noch faselt die Regierung vom “Leitbild von Klimaschutz als gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Modernisierungsstrategie, die wissenschaftlich fundiert, technologieoffen und effizient gestaltet wird” – das Leitbild ist blind geworden wie ein angelaufener Spiegel, die Zusammenfassung des Klimaschutzberichts klingt unfreiwillig zynisch. Aber unerschrocken türmt das Vorwort des Klimaschutzberichts Worthülse auf Worthülse, eine leerer als die andere: “Klimaschutz ist und bleibt ein wesentlicher Baustein zum Erhalt der menschlichen Lebensgrundlagen auf der Erde.” Ja, hätte sie ‘mal danach gehandelt! “Die Begrenzung des durch den Menschen verursachten Klimawandels und die Anpassung an nicht mehr zu verhindernde Veränderungen sind gesellschaftliche Aufgaben von höchster Priorität.” Wo ist eigentlich diese Priorität geblieben? “Nicht zu handeln, bedeutet, großes Leid, immense Schäden und unwiederbringliche Verluste an Lebensräumen zu riskieren.” Hat denn die Regierung, jeder einzelne Minister, nicht einen mehr oder weniger heiligen Eid auf die Verfassung geschworen, Schaden vom Volk abzuwenden? Zumal “Klimaschutz eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe” ist. Wie immer fehlt es im Versagen nicht an guten Vorsätzen – dem Sprichwort zufolge ist gar der Weg zur Hölle mit ihnen gepflastert: “Die Bundesregierung wird weiterhin die unbedingt notwendige gemeinschaftliche Verantwortung durch Mitbestimmung und Teilhabe befördern und das Potential des Aktionsbündnisses Klimaschutz bei der Suche nach und der Entwicklung von weiteren Klimaschutzmaßnahmen nutzen.” Sicher keinen Ausweg weist die Verschiebung in die Zukunft mit gleichzeitiger Erhöhung des Ziels – das entlarvt eher alte Fehlentscheidungen. Dabei wäre es einfach: Die Bundesregierung müsste endlich aufhören, sich als Außenstelle und Befehlsempfänger der Autoschmiede und Schmutzstromer zu verstehen. -Gerhard Hofmann- weiterlesen…

“Sie sind nicht erwachsen genug, um es so zu sagen, wie es ist. Selbst diese Bürde überlassen Sie uns Kindern.”
(Greta Thunberg, 15, an die Politiker der Welt vor der COP24 am 12.12.2018)

Randnotiz

Ein Kind vor der COP24
Ich heiße Greta Thunberg, ich bin 15 Jahre alt und komme aus Schweden. Ich spreche im Namen vonClimate Justice Now.. Viele Leute sagen, dass Schweden nur ein kleines Land ist und es keine Rolle spielt, was wir tun. Aber ich habe gelernt, dass man nie zu klein ist, um etwas zu bewirken. Und wenn ein paar Kinder auf der ganzen Welt Schlagzeilen machen können, nur weil sie nicht in die Schule gehen, dann stellen Sie sich einmal vor, was wir alles erreichen könnten, wenn wir es wirklich wollten.
Aber um das zu tun, müssen wir Klartext reden, egal, wie unangenehm das sein mag. Sie reden nur deswegen vom grünen ewigen Wirtschaftswachstum, weil Sie Angst haben, sich unbeliebt zu machen. Sie sprechen immer nur davon, mit denselben schlechten Ideen weiterzumachen, die uns in diese Misere gebracht haben. Dabei wäre es das einzig Sinnvolle, die Notbremse zu ziehen. Sie sind nicht erwachsen genug, um es so zu sagen, wie es ist. Selbst diese Bürde überlassen Sie uns Kindern. Mir ist es egal, ob ich mich unbeliebt mache. Mir geht es um Klimagerechtigkeit und um einen lebenswerten Planeten. Unsere Zivilisation wird dafür geopfert, dass eine kleine Gruppe von Menschen immer mehr Geld verdienen will. Unsere Biosphäre wird geopfert, damit reiche Menschen in Ländern wie meinem in Luxus leben können. Die Leiden der Vielen bezahlen für den Luxus der Wenigen.
2078 werde ich meinen 75. Geburtstag feiern. Wenn ich Kinder habe, werden sie vielleicht diesen Tag mit mir verbringen. Vielleicht werden sie mich nach Ihnen fragen. Vielleicht werden sie mich fragen, warum Sie damals nichts unternommen haben, obwohl noch Zeit dazu war. Sie sagen, dass Sie Ihre Kinder mehr als alles andere lieben, aber gleichzeitig stehlen Sie ihnen die Zukunft direkt vor ihren Augen weg.
Bis dahin, wo Sie beginnen, sich auf das zu konzentrieren, was getan werden muss und nicht was politisch möglich ist, wird es keine Hoffnung geben. Wir können eine Krise nicht lösen, ohne sie als Krise zu behandeln. Wir müssen die fossilen Brennstoffe im Boden lassen. Wir müssen uns auf Gerechtigkeit konzentrieren. Wenn es so unmöglich ist, Lösungen im bestehenden System zu finden, sollten wir das System selbst ändern. Wir sind nicht hierhergekommen, um die führenden Politiker der Welt darum anzubetteln, dass sie das Problem ernst nehmen. Sie haben uns in der Vergangenheit ignoriert und Sie werden uns wieder ignorieren. Uns sind die Ausreden ausgegangen, und uns läuft die Zeit davon! Wir sind hierhergekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass der Wandel kommen wird, egal, ob Sie das wollen oder nicht. Die wirkliche Macht gehört den Menschen. Vielen Dank. weiterlesen…