“Deutschland ist weit davon entfernt, ein fahrrad-freundliches Land zu sein. Unser Denken und politisches Handeln ist auf ungesunde Weise immer noch vom Autofahren dominiert. Radfahrer werden auf minimalistische Restflächen oder an den Rand der Fahrbahn gedrängt. So lockt man keine Menschen aus dem Auto auf das Rad, so wird die Verkehrswende nicht funktionieren.”
ADFC-Bundesvorsitzender Ulrich Syberg anlässlich des 1. UN-Weltfahradtages am 03.06.2018

Gegen den Plastikhorror

Wir sind Weltmeister: Ja, im Fußball (noch, mal sehen), aber hier ist jetzt der Plastikmüll gemeint. Kein EU-Land schmeißt so viel Verpackungsmüll weg wie Deutschland. Als der zuständige EU-Vizepräsident Frans Timmermans am 28.05.2018 den Plan zur Plastikmüll-Verminderung in Europa vorstellte, fiel sein Blick auf eine kleine Plastikflasche Mineralwasser die – wie üblich – vor ihm auf dem Rednerpult stand. Er hielt sie kurz hoch und kommentierte trocken:„Ich glaube, dass wir noch einiges zu tun haben“.
26 Mio. t Plastikmüll produzieren die Europäer im Jahr, Deutschland mit 37,4 Kilo pro Kopf 6 kg mehr als der EU-Durchschnittsbürger. Davon wird weniger als als ein Drittel recycelt. 500.000 t landen jährlich im Meer. Dort kreisen bereits 140 Mio. t Plastik. 1,6 Mio. km² (andere Schätzungen nennen gar 15 Mio) soll der Nordpazifische Müllstrudel (Great Pacific Garbage Patch) bereits messen. Damit könnte allein dieser eine Unratkreisel größer als Europa sein. Und das Plastik verschwindet nicht. Statt das es verrottet, sich in seine ursprünglichen Bestandteile auflöst, zerbröselt es in immer kleinere Stückchen – Mikroplastik. Das findet sich nicht nur im Wasser, sondern auch im Boden, zum Beispiel als Überreste von – oft zu Unrecht für “biologisch abbaubar” erklärten – Plastiktüten im Kompost. Auf dem Weg über die Nahrungskette gelangt der Plastik-Feinstaub in den menschlichen Organismus, oft mit allen möglichen Schadstoffen kontaminiert – hier ist Raum für weitere Forschungen: noch wissen wir zu wenig darüber.
Noch ist auch zur Euphorie (wie sie vielfach spontan zu hören war) kein Anlass, denn bis zur endgültigen Einigung zwischen Kommission, Parlament und Mitgliedstaaten werden Jahre vergehen, dann folgt die zeitraubende Umsetzung der Direktive in nationales Recht – inklusive Klagen für die Säumigen vor dem EuGH. Das dauert. weiterlesen…

“Das geht gar nicht: Kohlestrom verstopft die Netze, Atomstrom darf obendrein in Netzengpassgebiete übertragen werden – und Bundeswirtschaftsminister Altmaier erwägt nun, den Grundpfeiler der Energiewende, den Einspeisevorrang für Erneuerbare, zu kippen.”
Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock

Anfang ohne Zauber

Dem jüngsten ZDF-Politbarometer (13.04.2018) zufolge hat die neue Bundesregierung einen super-miesen Start hingelegt. Insgesamt 77 Prozent glauben das, nur 17 scheinen Berufsoptimisten zu sein – der Vorgänger-Koalition attestierten 2014 noch 29 Prozent einen guten und 62 Prozent einen schlechten Auftakt. Dabei spielt seit einem halben Jahr eines der wichtigsten Probleme im Polit-Diskurs überhaupt keine Rolle mehr: das Klima und der nach ihm benannte Wandel. Würden die Mannheimer Umfrager dies einbeziehen, wäre das Ergebnis noch desatröser.
Völlig unbemerkt ging so vor zwei Wochen ein wichtiger Stichtag vorüber: Am 28. März hatte Deutschland sein CO2-Jahres-Budget aufgebraucht, eine Woche früher als 2017. CO2-Budget? Das Pariser Klimaabkommen 2015 will die Erderwärmung auf “gut” unter zwei Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter begrenzen. Deshalb dürf(t)en weltweit nicht mehr als 890 Milliarden Tonnen CO2 in die Atmosphäre abgegeben werden. Aus dieser Höchstmenge lassen sich nationale CO2-Budgets errechnen: Demnach hätte Deutschland dieses Jahr 217 Millionen Tonnen CO2 in die Luft blasen dürfen – 2017 wurden aber mehr als 900 Mio. t emittiert – das Vierfache des Erlaubten.
Das Schwierige an diesem Thema ist ähnlich wie bei der atomaren Strahlung: Wir sehen CO2 weder, noch riechen oder schmecken wir es; wir sehen nur die Folgen, und die meist nur im Fernsehen, weit weg. Bei uns vielleicht ein bisschen Starkregen mit ein paar umgefallenen Bäumen samt Überschwemmungen – aber: Ob das wirklich Klimawandelfolgen sind? Wer weiß das schon. Mehr noch: Allzu gerne verwechseln wir Wetter mit Klima.
Und dennoch: Längst gibt es keinen Zweifel mehr am menschengemachten Klimawandel – der sich selbst beschleunigenden Erderwärmung. Im Gegenteil: Die Indizien (nicht Beweise! Das wäre unwissenschaftlich…) sind erdrückend… weiterlesen…

“Wir berechnen die Energieversorgung von morgen mit den Modellen von gestern. Dabei besteht die Energiewende nicht darin, dass wir viele Einzelfall-Lösungen suchen, sondern das Gesamtsystem ändern. Eines der Instrumente dahin ist die CO2-Bepreisung kombiniert mit einer Absenkung der auf Strom erhobenen Steuern und Abgaben – dieses System muss komplett überdacht werden. Dabei müssen die Kosten nicht steigen.”
Peter Röttgen, Geschäftsführer Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE)

Diesels Ende

Da haben deutsche Bundesregierungen seit jeher die Autokäufer mit Milliarden-Subventionen zugunsten des Diesel-Treibstoffs dazu bewogen sich einen Selbstzünder zuzulegen (der war zwar immer etwas teurer – Vielfahrer hatten den Mehrpreis bald wieder hereingespart), da macht ein deutsches Bundesgericht Nägel mit Köpfen. Es war hohe Zeit: die Politik – gleichgültig welcher Farbe – hatte zu lange im Tiefschlaf verharrt; die Dauerschlaflieder dazu hatte mit wachsender Ausdauer Deutschlands beschäftigungs-intensive (will sagen: wählerstimmen-starke) und daher heilige Wachstumsbranche gesungen, ein bisschen gespendet haben sie auch (bescheidenes Beispiel: Der Daimler-Konzern spendete CDU und SPD im April vergangenen Jahres jeweils 100.000 Euro, nachzulesen auf der Spendenliste des Bundestages – ein Schuft, wer…) Und ihr Verband flötete dazu noch lange nachdem der verabredete Betrug in einem Megaskandal in die Luft geflogen war (und selbst vor den weißblauen Boliden trotz gegenteiliger Behauptungen ihres Bosses nicht Halt machte), die Melodie von der Unmöglichkeit der Hardware-Nachrüstungen (“zeitraubend”, „zu wenig effizient“, „kein Platz im Motorraum“).
Der Ausdauer und Unerschrockenheit der von immer noch nicht aufgewachten Verbänden und Auspuff-Enthusiasten dauer-verleumdeten und existenz-bedrohten Deutschen Umwelthilfe und ihrem Waffenbruder BUND ist es zu danken, dass jetzt Schluss ist – es sind inzwischen zu viele Menschenleben zu beklagen – nach dem letzten Bericht der Europäischen Umweltagentur mehr als 700.000 verlorene Lebensjahre (“years of life lost” – YLL) – fast 11.000 vorzeitige Todesfälle. weiterlesen…

Zitat der Woche

Robert Habeck, neuer Vorsitzender B90/Grüne im Tagesspiegel, 19.02.2018

Diesels Ende

Da haben deutsche Bundesregierungen seit jeher die Autokäufer mit Milliarden-Subventionen zugunsten des Diesel-Treibstoffs dazu bewogen sich einen Selbstzünder zuzulegen (der war zwar immer etwas teurer – Vielfahrer hatten den Mehrpreis bald wieder hereingespart), da macht ein deutsches Bundesgericht Nägel mit Köpfen. Es war hohe Zeit: die Politik – gleichgültig welcher Farbe – hatte zu lange im Tiefschlaf verharrt; die Dauerschlaflieder dazu hatte mit wachsender Ausdauer Deutschlands beschäftigungs-intensive (will sagen: wählerstimmen-starke) und daher heilige Wachstumsbranche gesungen, ein bisschen gespendet haben sie auch (bescheidenes Beispiel: Der Daimler-Konzern spendete CDU und SPD im April vergangenen Jahres jeweils 100.000 Euro, nachzulesen auf der Spendenliste des Bundestages – ein Schuft, wer…) Und ihr Verband flötete dazu noch lange nachdem der verabredete Betrug in einem Megaskandal in die Luft geflogen war (und selbst vor den weißblauen Boliden trotz gegenteiliger Behauptungen ihres Bosses nicht Halt machte), die Melodie von der Unmöglichkeit der Hardware-Nachrüstungen (“zeitraubend”, „zu wenig effizient“, „kein Platz im Motorraum“).
Der Ausdauer und Unerschrockenheit der von immer noch nicht aufgewachten Verbänden und Auspuff-Enthusiasten dauer-verleumdeten und existenz-bedrohten Deutschen Umwelthilfe und ihrem Waffenbruder BUND ist es zu danken, dass jetzt Schluss ist – es sind inzwischen zu viele Menschenleben zu beklagen – nach dem letzten Bericht der Europäischen Umweltagentur mehr als 700.000 verlorene Lebensjahre (“years of life lost” – YLL) – fast 11.000 vorzeitige Todesfälle. Die verantwortlichen Minister sind nur deswegen nicht gerichtlich wegen Bruchs ihres Amtseids und tausendfacher fahrlässiger Körperverletzung mit Todesfolge zu belangen, weil ihnen juristisch wasserfest kein einziger konkreter Fall nachzuweisen war – sie müssen mit ihrer Schuld leben. weiterlesen…

Kohle schlägt Klima


Sondierungs-Durchstecherei

Warum werden vertrauliche Dokumente durchgestochen? Den Durchstechenden können verschiedene Motive bewegen: Den künftigen Koalitions-Gegner schon mal ein bisschen An-Ärgern vielleicht, oder, besser: Schon mal eine rote Linie ziehen, die andere Seite festlegen, damit sie nicht mehr dahinter zurück kann. Oder die Öffentlichkeit gegen eine Übereinkunft aufbringen, um sie zu verhindern. Welches Motiv immer es war – laut ZDF stach ein Unionsmitglied das Papier durch – mit großen Geistesgaben war dasselbe jedenfalls nicht zwingend versehen.
Es sei denn, der Durchstechende jonglierte wirklich eine Gleichung mit mehreren Unbekannten: Einerseits den bisherigen/künftigen Koalitionspartner auf die (katastrophale, den fossilen Konzernen kurzfristig in die Kasse spielenden) Klimaschutzverschiebung festlegen, andererseits die eigene Parteichefin endgültig als Wahlversprechensbrecherin denunzieren und ihren baldigen Abgang katalytisch befeuern – oder aber, abenteuerlich auf Neuwahlen spekulierend, die ganze Sondierung samt ihrer Aussicht auf eine regierungsfähige Übereinkunft in den Graben reiten. Oder, ganz absurd, einen erneuten Jamaika-Aufguss provozieren. Nichts ist unmöglich.
Unmöglich sind allerdings die Konsequenzen für die Rolle Deutschlands in der Welt: Der Absturz der noch nicht einmal im Amt befindlichen Regierung von der Klima-Prima zur Versagerin, zur verlachten, schändlichen Klimasünderin, zur entlarvten Angeberin. Helmut Kohl berichtete den Korrespondenten auf seinen Reisen gerne von der hämischen Freude Margret Thatchers, wenn der Klassenprimus Deutschland patzte.
Und noch etwas: Diese – künftige – Regierung gefährdet (weil alle nur offenbar kurzfristig denken können) gleich mehrere zukunftsträchtige Industriezweige – ohnehin hat schon die bisherige bereits verschiedene Weltmarktführerschaften verschleudert, ohne sich dessen gewahr zu werden.
Apropos kurzfristig: Wir erlauben es – kurzfristig denkend – lieber einem großen geld- und umsatzgierigen EVU, den Immenrather Dom abzureißen – zugunsten eines Braunkohletagebaus, den kein Mensch braucht, der dem Weltklima schaden und die Anrainer der Kraftwerke (Quecksilber!) krank machen wird. Es zeichnet sich eine Koalition der Vergangenen und der Vergangenheit ab. Wir brauchen aber Zukunft. -Gerhard Hofmann- weiterlesen…

Solarify wünscht ein gutes neues Jahr 2018


Klimaschutz Fehlanzeige


Selbstlob der Bundesregierung zum Internationalen Tag der Migranten

Der Internationale Tag der Migranten am 18. Dezember war der Bundesregierung immerhin eine Medienmitteilung wert: “Dieser Tag ist aktueller denn je. Noch nie waren so viele Menschen wegen anhaltender Krisen und Konflikte oder Armut auf der Flucht. Die Bundesregierung engagiert sich auf vielen Ebenen, Fluchtursachen und illegale Migration zu verhindern.” Das Wort Klima kommt kein einziges Mal vor.
Im Dezember 2000 riefen die Vereinten Nationen den 18. Dezember zum Internationalen Tag der Migranten aus. Grundlage war die (schon!) am 18.12.1990 von der UN-Vollversammlung angenommene Internationale Konvention zum Schutz der Rechte aller Migranten und ihrer Familienangehörigen. Die ist zwar der primäre internationale Standard, an dem Regierungen ihre nationalen gesetzlichen Schutzmechanismen messen sollten – aber sie ist noch nicht in Kraft getreten, weil von den 20 dazu nötigen Ratifizierungen bis jetzt erst 17 zustande gekommen sind – von 185 Ländern in 27 Jahren!
Die weltweite Flüchtlings- und Migrationsbewegung bleibe “eine der größten globalen Herausforderungen”, so die Bundesregierung weiter. Deshalb unterstütze man “seit Jahren – insbesondere seit der Flüchtlingskrise – den Kampf gegen Fluchtursachen und illegale Migration” und fördere die Integration von Migranten in Deutschland. Auch auf europäischer Ebene leiste die Regierung “umfangreiche finanzielle und personelle Unterstützung für betroffene Länder, damit sie die Herausforderungen vor Ort besser bewältigen können”.
Die Zusammenarbeit mit der Türkei, Lybien und Afrika als Ganzes habe “dazu geführt, dass das Sterben in der Ägäis und das illegale Schlepperwesen inzwischen deutlich zurückgegangen sind. Auch die Europäische Grenz- und Küstenwache (Frontex) trägt inzwischen dazu bei, die EU-Außengrenzen zu sichern und Sicherheitsbedrohungen schnell abzuwehren.” Man merke: Es geht um “Außengrenzen sichern” und “Sicherheitsbedrohungen abwehren”.
Warum aber verliert der regierungsamtliche Selbstlob-Autor kein Wort über Klimamigration? 25 Millionen sind schon auf der Flucht vor Folgen der Erderwärmung… weiterlesen…

Klima-Musterknabe patzt


Andere steigen aus der Kohle aus – wir nicht

Aufsehenerregendes Randereignis der gerade zu Ende gegangenen Bonner Weltklimakonferenz COP23: Zum ersten Mal blieb Deutschland bei einer Klimainitiative außen vor, als 25 Staaten (bis zur nächsten COP in Kattowitz 2018 sollen es bereits rund 50 sein) den Ausstieg aus Kohle und Kohleverstromung ankündigten. Klima-Musterknabe Deutschland patzt und muss nachsitzen. Wir verbrennen (noch) in viel zu vielen Kohlekraftwerke viel zu viel Kohle und stoßen viel zu viel CO2 aus – und wir exportieren viel zu viel schmutzigen Strom. Krisensymptome: Deutschland verfehlt peinlicherweise das 2020er Klimaschutzziel, kann weder richtig Klimaschutz noch ordentlich Regierung bilden. Klimaschutz und Regierung bleiben kommissarisch, provisorisch.
Zwar hat auch sich auf dem deutschen (und nicht nur am deutschen) Kapitalmarkt inzwischen unter Anlegern herumgesprochen, dass die Treibhausgasemissionen radikal gesenkt werden müssen – als Katalysator wirkte sicher die Meldung, dass 2017 der weltweite CO2-Ausstoß mit 37 Mrd. Tonnen 2 % höher als 2016 liegen wird. Also kommen Unternehmen, die viel emittieren, auf virtuelle schwarze Listen. Alles voran die Kohlebranche. In vielen Ländern wird die Ausweisung von Klimarisiken gefordert, wird ein von institutionellen Investoren ein Kohlenstoff-Fußabdruck verlangt (Frankreich), sollen Pensionsfonds am Übergang in eine kohlenstoffneutrale Gesellschaft mitwirken (Niederlande), werden Investoren danach gefragt, ob sie Klima- und Umweltkriterien beachten (EU-Kommission ), hat der größte private norwegische Pensionsfonds Storebrand erklärt, dass man nicht mehr in kohlenahe Unternehmen investiere, davon betroffen auch RWE und Uniper, deren Kurse gerieten unter Druck (alles nach Börsenzeitung).
Selbst in Trumps USA wartet die Kohle weiterhin auf ihre Wiederbelebung – niemand will Geld in Stranded Assets stecken.
Die Allianz, Munich Re, und weitere europäische Versicherer, auch der norwegische Staatsfonds mit 1. Billion Euro – sie alle kehren der Kohle den Rücken. Na also, möchte man sagen, geht doch! Nur die deutschen Bundes- und Länderregierungen nicht aus Angst vor ein paar Wählerstimmen und vor der Kohlelobby? Wider besseres Wissen die falsche Entscheidung zu treffen ist schlicht verantwortunglos, weil die Zukunft unserer Kinder auf Spiel setzend. Die Klimafakten liegen auf dem Tisch – nur Zyniker zweifeln noch.
-Gerhard Hofmann- weiterlesen…

Amtseid?


Wahlentscheidung

Alle Regierungsmitglieder in Bund und Ländern haben in Ihrem Amtseid vor Bundestag und Landtagen geschworen: „Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.“ Mal mit, mal ohne Gottesbezug. (Die Kursiv-Hervorhebung stammt von Solarify.) Immer mehr Institutionen auf nationaler und europäischer Ebene prangern aber inzwischen an, dass Schaden entsteht: Durch die schmutzigen Diesel. Wahrheitswidrig behaupten Politik und Automobilindustrie zwar unisono und gebetsmühlenartig, dass der Diesel noch lange gebraucht werde, weil er klimafreundlicher sei als Benziner. Das trifft aber nicht zu – Diesel emittieren genauso viel CO2 wie Benziner – und es spricht viel dafür, dass alle Beteiligten das wissen. Ebenso konnten sie wiederholt nachlesen, dass Tausende von Menschen in Europa – in Deutschland ist von 10.900 die Rede – vorzeitig sterben, als Folge der von den Selbstzündern teils um das Zigfache überschrittenen Stickoxid-Grenzwerte. Dabei wäre gar nicht schwer, den Diesel sauberer zu machen, es wäre gar nicht schwer, mehr Elektromobilität (und dafür mehr Erneuerbare Energien) zu produzieren, es wäre gar nicht schwer, mehr in die Entwicklung von nahezu klimaunschädlichen Designer Fuels zu stecken – Verbrennungsmotoren könnten im Prinzip erhalten bleiben.. Aber: all das kam im Wahlkampf nicht oder kaum vor. Es muss nicht, könnte aber ein Kriterium der Wahlentscheidung sein, eines von vielen für die vielen noch Unentschlossenen. Damit die künftigen Amtseide wieder ernst genommen werden.
-Gerhard Hofmann- weiterlesen…

Statt verbieten: entwickeln


Neue Kraftstoffe

Mal über die Skandale hinausdenken: Angesichts sehr beunruhigender Nachrichten über den Klimaschutz werden Forderungen lauter, Verbrennungsmotoren bald zu verbieten. Alternative: Elektromobilität und Wasserstoff. Beide setzen aber ein wesentlich schnelleres Ausbautempo der Erneuerbaren Energien als gegenwärtig voraus. Denn noch kommt viel zu viel Strom aus den (Braun-)Kohlekraftwerken. Der CO2-Ausstoß sinkt deshalb so langsam, dass wir die Pariser Vorgaben (nahezu sicher) deutlich verfehlen werden – unsinnigerweise und klimaschädlich wird deutscher Kohlestrom sogar immer noch exportiert, auch wenn die Erneuerbaren Energien auf dem Vormarsch sind und trotz politischer Bremsen weiter ausgebaut wurden. Denn ungeachtet dieses Vormarsches ist die CO2-Intensität des Primärenergieverbrauchs in den G20-Staaten zumindest bis 2014 gestiegen, weil die meisten ihren steigenden Energieverbrauch nach wie vor überwiegend mit Kohle abdecken. Doch keine Frage: Am meisten hinkt der Verkehr beim Schadstoffausstoß hinterher. Aber Elektromobilität ist erst dann klimadienlich, wenn erstens die Batterieproduktion und -entsorgung weniger umweltbelastend sind, und zweitens, wenn der Strom zu 100 Prozent aus Erneuerbaren Energieträgern stammt, das gleiche gilt für Wasserstoff. Aber das wird noch lange dauern. Bis dahin darf deshalb eine wichtige Option nicht vergessen werden: Die Entwicklung schadstofffreier sogenannter Designer-Fuels. Motoren wurden zwar extrem optimiert, aber Treibstoffe blieben seit Carl Benz und Rudolf Diesel nahezu unverändert. Bei den synthetischen Kraftstoffen sind Oxymethylenether die meistversprechenden – Verbindungen aus Kohlenstoff, Sauerstoff und Wasserstoff, die effizient und nahezu emissionsfrei verbrennen – klimaneutral auch deshalb, weil zu ihrer Herstellung CO2 verwendet und durch ihren Einsatz gleich viel fossile Energie eingespart wird. Entsprechende Forschungsprojekte – Kopernikus P2X und Carbon2Chem – sollen unterschiedliche Möglichkeiten testen, wie man „E-Fuels“ aus CO2, Wasser und Erneuerbarem Strom herstellen kann oder wie sie aus Hüttengasen gewonnen werden können. Fest steht aber, auch wenn es eine Binsenweisheit ist: Die Erneuerbaren müssen wesentlich schneller ausgebaut werden als bisher.
-Gerhard Hofmann- weiterlesen…

Donald allein zu Haus


Trump schadet den USA

Noch nie habe ein US-Präsident so mit sich umspringen lassen müssen, bemerkte jüngst ein Kommentator, und es mutet grotesk an, dass die laut Umfragen meistgewählte Titulierung des US-Präsidenten “Idiot” sei; das wäre nicht so schlimm, wenn er nicht genau so handelte. Denn der Immobilienmilliardär fügt nicht nur seinem Land Schaden zu (Amerika wird Experten zufolge nicht “great” werden, eher das Gegenteil), sondern der ganzen Welt, wenn auch der amerikanische “Beitrag” zur Klimaerwärmung ganze 0,3 Grad ausmacht. Denn es geht nicht nur ums Klima, sondern um die komplette internationale Umwelt- und Entwicklungs-Zusammenarbeit, um die 17 Nachhaltigkeitsziele (SDGs) etwa, um den Kampf gegen Hunger, Armut und Krankheiten, gegen den Verlust der Böden und der Regenwälder – oder gegen die Plastiktüten-Überflutung der Weltmeere.
Die Klimaskepsis vieler Amerikaner ist in Europa oft unterschätzt worden, ebenso wie der antidarwinistische Kreationismus (Trumps Vize Pence glaubt, dass Gott in sieben Tagen die Welt erschaffen hat und lehnt die Evolution ab). Viele Amerikaner glauben fest daran, sie seien auserwählt (ein Viertel ist überzeugt, einmal ein Erleuchtungserlebnis gehabt zu haben), das bedeutet für sie, wir könnten uns sorglos die Erde “untertan” machen, denn der liebe Gott habe sie so erschaffen, dass wir sie gar nicht kaputt machen könnten.
Der lediglich von einem Viertel der Amerikaner gewählte Trump will verhindern, dass die Welt über Amerika lacht. Das ist ihm gelungen – allerdings lacht die Welt über ihn – wenn auch ein eher irres Lachen (Franz Alt: “moralisch bankrott”). Die ständig zitierte Floskel “Entscheidung der USA” ist unzutreffend: Es war und müsste heißen “die Entscheidung Trumps”. Die hat ihn allerdings einsam gemacht. Damit ihm das nicht bewusst wird, halten seine Speichellecker ihm Augen und Ohren zu – seine Aufnahmefähigkeit gilt ohnehin als stark begrenzt. Falls Prozesshansel Trump (er war laut USA Today in 30 Jahren in 3.500 Prozesse verwickelt) sich in seiner Dreier-Koalition (mit Syrien und Nicaragua, letzterem ging COP21 nicht weit genug) einmal umschaut, ist sein Amerika lediglich im Vergleich mit den anderen beiden Zwergen “great again”… weiterlesen…