Erstmals belegen Satellitendaten wissenschaftlich, dass Elektroautos die Luftqualität in Städten messbar verbessern. Eine Studie zeigt einen direkten Zusammenhang zwischen E-Auto-Anteil und sinkender Stickoxidbelastung.

Satellitendaten bestätigen erstmals wissenschaftlich, dass der Einsatz von Elektroautos die Luftqualität in Städten messbar verbessert und die Stickoxidbelastung senkt. Foto: Benjamin Marder
Die Studie, veröffentlicht am 23. Januar 2026 im Fachjournal The Lancet Planetary Health, analysierte 1.692 Nachbarschaften in Kalifornien über einen Zeitraum von 2019 bis 2023. Ein Team der University of Southern California verknüpfte Zulassungsdaten des California Department of Motor Vehicles mit täglichen Satellitenmessungen. Das europäische TROPOMI-Instrument der ESA erfasst NO2-Konzentrationen flächendeckend aus dem All. Damit gelang eine räumliche Messung, die bisherige Studien mit einzelnen Bodenmessstationen nicht erreichten. Finanziert wurde die Untersuchung von den National Institutes of Health und der NASA. Im Untersuchungszeitraum stieg der Anteil von Elektrofahrzeugen an den Neuzulassungen leichter Fahrzeuge in Kalifornien von zwei auf fünf Prozent. Die gemessene NO2-Reduktion trat sofort ein und skalierte kontinuierlich mit dem Bestand. Pro 200 zusätzlichen Elektroautos in einem Gebiet sank die NO2-Belastung um 1,1 Prozent. Das ist für die Bewertung von Fördermaßnahmen relevant: Der Luftqualitätseffekt setzt früh ein, nicht erst, wenn ein Schwellenwert überschritten wird. Pandemiebedingte Verkehrsveränderungen wurden in der Auswertung kontrolliert, um verfälschende Effekte auszuschließen.
Stickstoffdioxid entsteht bei Verbrennungsprozessen im Motor. Bei hohen Temperaturen reagiert der Stickstoff aus der Luft mit Sauerstoff. Das Gas stammt also nicht aus dem Kraftstoff selbst. Beim Einatmen dringt das Stickstoffdioxid tief in die Atemwege ein und reizt dort die Schleimhäute. Es löst Entzündungsreaktionen aus und schwächt die Abwehrfunktion der Lunge. Langfristige Belastung erhöht laut WHO das Risiko für Asthma, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfall. Die EU hat einen Jahresgrenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter festgelegt. Messungen des Umweltbundesamtes zeigen jedoch, dass dieser Wert in zahlreichen deutschen Städten nach wie vor überschritten wird.
Besonders vulnerable Gruppen wie Kinder, deren Lungen sich noch in der Entwicklung befinden, sowie Senioren mit chronischen Vorerkrankungen profitieren unmittelbar von dieser Reduktion. Jede Verringerung der Stickoxid-Konzentration in der direkten Wohnumgebung senkt laut den Forschern die Wahrscheinlichkeit für asthmatische Notfälle und Krankenhausaufenthalte
Die Studie zeigt deutlich: Auch moderate Anstiege im E-Auto-Bestand könnten lokal messbare Effekte erzeugen. Deutschland zählt derzeit rund 1,5 Millionen zugelassene Batteriefahrzeuge. Vergleichbare Satellitenstudien für europäische Städte fehlen bislang. Sie könnten klären, ob der kalifornische Befund auch unter hiesigen Bedingungen gilt.
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