Deutschland führt bei Kreislaufwirtschaft-Patenten (noch)

Bei Kreislaufwirtschaft-Patenten ist Deutschland laut Bertelsmann Stiftung die Weltspitze. Doch bei der Wachstumsdynamik belegt es den letzten Platz. Wer die Technologien kontrolliert, kontrolliert künftig den Markt.

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Deutschland ist Weltspitze bei Kreislaufwirtschafts-Patenten. Aber baut diesen Vorsprung kaum aus. Während China, Südkorea und Japan massiv aufholen. Foto: Declan Sun

Wie einflussreich ein Patent wirklich ist, zeigt sich daran, wie oft spätere Erfindungen darauf aufbauen. Je häufiger es zitiert wird, desto mehr hat es die Richtung des Feldes geprägt. Bei diesem Maßstab liegt Deutschland weltweit vorn: Rund 15.000 Mal wurden deutsche Patente zur Kreislaufwirtschaft in nachfolgenden Anmeldungen aufgegriffen. Damit liegt Deutschland vor Japan (9.960), den USA (9.900) und China (1.386). Doch eine neue Studie der Prognos AG im Auftrag der Bertelsmann Stiftung zeigt auch die Kehrseite: Bei der Wachstumsdynamik belegt Deutschland den letzten Platz unter den führenden Industrienationen.
Die am 11. Februar veröffentlichte Analyse wertet knapp 62.000 Patente aus der PATSTAT-Datenbank des Europäischen Patentamts aus, angemeldet zwischen 2010 und 2024. Deutschland kommt auf 10.700 Patente und hält damit 17 Prozent des Weltmarkts – Platz zwei hinter den USA mit 14.000 Anmeldungen. Japan folgt mit 8.600, danach Frankreich, Italien, Großbritannien, China und Südkorea.

Das Wachstum erzählt eine andere Geschichte. Zwischen 2010 und 2021 hat China seine Patentanmeldungen in diesem Bereich verfünffacht, Südkorea verdreifacht, Japan verdoppelt. Deutschland steigerte die Zahl lediglich um den Faktor 1,3, die niedrigste Rate unter den führenden Nationen. Das bedeutet: Die Qualität der deutschen Forschung ist hoch, aber die Geschwindigkeit, mit der neue Innovationen entstehen, nimmt relativ ab.
Beim kreislauffähigen Bauen hält Deutschland 20 Prozent der weltweiten Patente. Im Batterierecycling ist Deutschlands Weltmarktanteil der einzige Bereich, der noch wächst. Weitere relevante Felder sind Kunststoff- und Metallrecycling sowie die biochemische Produktion aus nachwachsenden Rohstoffen. Im Batterierecycling verzeichnet Deutschland als einzigem Bereich noch wachsende globale Marktanteile. Weitere relevante Felder sind Kunststoff- und Metallrecycling sowie die biochemische Produktion aus nachwachsenden Rohstoffen.

„Die Kreislaufwirtschaft ist fundamental für dauerhafte Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit“, sagt Marc Wolinda von der Bertelsmann Stiftung. Er fordert verlässliche rechtliche und finanzielle Rahmenbedingungen, um neue Innovationsimpulse zu setzen. Dabei geht es nicht nur um akademische Leistungsnachweise. Wer die Schlüsseltechnologien der Kreislaufwirtschaft kontrolliert, bestimmt künftig, wer Recyclinganlagen baut, wer Lizenzen vergibt und wer die Abhängigkeit von Primärrohstoffen wirklich durchbrechen kann – wirtschaftlich und geopolitisch.Die Studie dokumentiert eine Spannung, die politisch brisant ist: Deutschland lebt von seinem Innovationsvorsprung, baut ihn aber kaum aus. Ob die hohe Zitationsrate auf etablierte Forschungsstrukturen zurückgeht oder auf tatsächlich überlegene Technologien, bleibt offen. Ebenso unklar ist, wie schnell Länder wie China und Südkorea die Qualitätslücke schließen können – ihre Dynamik legt nahe, dass dies eine Frage der Zeit ist. Die Forderung nach besseren Rahmenbedingungen steht im Raum. Konkrete politische Maßnahmen nennt die Studie nicht.

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