Erste Solarstraße der Welt geht in Frankreich ans Netz

Ähnliche Entwicklungen in USA, den Niederlanden und Deutschland

Entwickelt wurde die Solarstraße vom französischen Unternehmen Colas, das auf Straßen- und Schienenbau spezialisiert ist, gemeinsam mit dem französischen Solarinstitut INES (Institut national de l’énergie solaire) und unterstützt durch die französische Agentur für Umwelt und Energie (ADEME). Die sieben Millimeter dicken Wattway genannten Solarpanels können direkt auf der Fahrbahn angebracht werden, Glasplatten wie bei anderen Entwicklungen sind nicht nötig.

Die besonders stabilen Solarpanels sollen auf einer Fläche von 2.800 Quadratmetern ausreichend Strom für die Straßenbeleuchtung einer Gemeinde mit 5.000 Einwohnern produzieren. Royal kündigte an, den Bau 1.000 Kilometer Solarstraßen sollen in den nächsten fünf Jahren in Frankreich gebaut werden und genug Strom erzeugen, um Straßenbeleuchtung für Millionen Franzosen zu garantieren. Bereits im Frühjahr sollen die Tests dafür beginnen, verkündete Royal.

Niederlande vorn

Bereits 2014 ist in Krommenie nördlich von Amsterdam ein 70 Meter langer Fahrradweg mit Solarzellen eingeweiht worden. Das Unternehmen  SolaRoad hatte die erste Solarstraße der Welt gebaut. Inzwischen erzeugt SolaRoad mehr Strom als erwartet. Der weltweit einmalige Fahrradweg hat 3.000 kWh Solarstrom produziert.

Mit dieser Strommenge kann laut SolaRoad ein durchschnittlicher Einpersonenhaushalt in den Niederlanden ein Jahr lang mit Strom versorgt werden oder ein Elektroroller 2,5 Mal um die Erde fahren. Firmeneigenen Hochrechnungen zufolge könnte der Ertrag auf 70 kWh/a pro Quadratmeter Solarstraße steigen. Der erzeugte Strom wird direkt ins Netz eingespeist und könnte zum Beispiel zur Straßenbeleuchtung oder Ampeln dienen. Später wäre wäre auch das (in)direkte Aufladen von Elektroautos denkbar.

„Wenn wir das aktuelle Ergebnis auf die Jahresausbeute hochrechnen, erwarten wir mehr als die 70 kWh pro Quadratmeter, die wir im Laborstadium als Obergrenze geschätzt haben“, so SolaRoad-Sprecher Sten de Wit von der Forschungsorganisation TNO, die das Konzept entwickelt hat. „Das könnte ein Durchbruch im Bereich der nachhaltigen Energieversorgung sein, vor allem, wenn ein System entwickelt werden kann, den erzeugten Strom den Fahrzeugen auf der Straße direkt zuzuleiten. Man stelle sich vor, dass die Energie an der Stelle entsteht, wo sie gebraucht wird. Das wäre dann ein großer Schritt hin zu einem energie-neutralen Mobilitätssystem.

Im nächsten Schritt wollen die Niederländer eine Autostraße aus Solarmodulen bauen. Erhielten zehn bis 20 Prozent der 140.000 Kilometer niederländischer Straßen eine Solarschicht, könnte ihre Stromproduktion ein Drittel aller Autos elektrisch antreiben.

Deutschland: demnächst Teststraße bei Köln

In Deutschland will das oberbayrische StartUp Solmove 2017 eine 150 Meter lange Teststraße bei Köln eröffnen. Bis dann soll eine öffentliche Straße mit Solarzellen gepflastert werden. In Deutschland kämen 650.000 Kilometer Straßen mit einer horizontalen Fläche von rund 1.400 km2 für liegende Module in Frage – sagt Donald Müller-Judex aus Herrsching am Ammersee. Würden diese Flächen genutzt, ist Solmove-Gründer überzeugt, könnten damit 20 Millionen Autos mit Strom fahren und die Klimaziele erreicht werden. “Wir wollen Straßen in Solarkraftwerke verwandeln”, sagt der Ingenieur, “und damit der Photovoltaik ganz neue Flächen erschließen”. (Siehe: solarify.eu/strassen-als-kraftwerke)

USA: Solarstraße stockt

Auch in den USA gibt es solche Projekte: Die Ingenieure Julie und Scott Brusaw, Gründer von Solar Roadways, hatten einen neuen Straßenbelag aus Solarzellen erfunden. Das riesige Flächenpotenzial der Straßen nicht nur der USA brachte die beiden auf die Idee, diese mit Solarzellen zu bepflastern. Brusaw entwickelte daraufhin in Idaho zusammen mit seiner Frau und einem Team einen Straßenbelag aus Glasplatten mit eingebauten LEDs samt Solarzellen. Im Frühjahr 2014 hatten sie dafür per Crowdfunding mehr als zwei Millionen Dollar für den Bau der weltweit ersten Solarstraße eingesammelt. Die Kampagne wird auf der Webseite indiegogo.com fortgesetzt, stockt aber wegen des großen Kapitalbedarfs.

Kritik

Wenn wundert’s: Solarstraßen stoßen deshalb auf Kritik, weil sie weniger Strom produzieren und (noch) deutlich teurer als herkömmliche Solaranlagen sind. Nach Angaben des französischen Interessenverbandes für Erneuerbare Energien (SER) ist aus Solarstraßen gewonnener Strom nämlich rund 13 Mal so teuer als herkömmlicher Solarstrom. Außerdem liegen die Module flach auf dem Boden und nicht schräg wie auf Hausdächern. Kritiker bemängeln zudem, die teuren Solarstraßen seien überflüssig, denn in Frankreich gebe es ausreichend freie Flächen auf den Dächern von Häusern, öffentlichen Gebäuden und Industrieanlagen.

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