Bis zu 50 Prozent Rückgang beim Mais kann Massenflucht bewirken

Die Ernten in Afrika südlich der Sahara werden in den kommenden Jahrzehnten wegen des Klimawandels in einigen Ländern um mehr als 20 Prozent sinken, sagen Forscher des Massachusetts Institute of Technology (MIT) in der Zeitschrift Earth’s Future voraus. In Afrika südlich der Sahara sind mehr als 300 Millionen Menschen auf Getreide oder Mais als ihre Hauptnahrungsmittelquelle angewiesen – fast 25 Prozent der unterernährten Bevölkerung der Welt leben hier.

Mais ist das am häufigsten geerntete Agrarprodukt in Afrika und wird von Kleinbauern angebaut, die sich eher auf Regenwasser als auf Bewässerung verlassen. Die Ernte ist daher äußerst empfindlich gegenüber Dürre, und seit 2015 ist ihre Produktion infolge der Rekord-Dürre-Bedingungen in Süd- und Ostafrika dramatisch gesunken. Ernteausfälle aufgrund von Trockenheit können noch mehr Menschen zur Flucht veranlassen.

Heute an morgen denken

Nun haben die MIT-Wissenschaftler festgestellt, dass der Klimawandel die Dürrebedingungen in Teilen des Kontinents wahrscheinlich weiter verschlechtern wird, mit der Folge, dass sich die Produktion von Mais in ganz Afrika südlich der Sahara dramatisch verändert, wenn die globalen Temperaturen im Verlauf der kommenden hundert Jahre steigen werden.

  Die Forscher Amy Dale, Postdoc im Department of Earth, Atmospheric and Planetary Sciences (EAPS) des MIT und Kenneth Strzepek, Forscher im gemeinsamen UN-Programm „Wissenschaft und Politik des globalen Wandels“, berichten, dass die durchschnittlichen Temperaturen der Welt bis zum Jahr 2100 um 4 Grad Celsius steigen, ein Großteil des südlichen Afrikas und der Sahel-Region südlich der Wüste Sahara – Regionen, die einen bedeutenden Teil zur Maisproduktion Afrikas beitragen – erhöhter Trockenheit ausgesetzt sein werden, was wiederum in einigen Ländern die Ernteerträge voraussichtlich um mehr als 20 Prozent senken wird.

Mais sei eine relativ dürreempfindliche Feldfrucht in einer vornehmlich vom Regen abhängigen Region, sagt Leitautorin Dale: „Wenn der Klimawandel Temperatur- und Niederschlagsveränderungen verursacht, ist dies wohl eines der schlimmsten Gebiete der Welt, wo wir wirklich negative Auswirkungen auf die Pflanzenproduktion und die unterernährte Bevölkerung erleben werden.“ Und laut Co-Autor Strzepek liefern „die Ergebnisse der Studie eine Karte dafür, wie sich die landwirtschaftlichen Bedingungen im nächsten Jahrhundert verändern werden, aber auch dafür, wo die Auswirkungen des Klimawandels noch weniger klar sind.“

Für diese Karte hätten die MIT-Forscher Afrika in Zellen von 200 Quadratkilometern zerlegt. In jeder dieser Zellen seien Klimawandel- und Wachstumssimulationen für Mais durchgeführt worden. Es seien Informationen über die Güte der Böden, die bebaute Fläche und andere örtlich relevante Daten eingeflossen. Um die Auswirkungen des Klimawandels auf die Maisproduktion zu bewerten, seien die Forscher einem multimodalen Ansatz gefolgt, der Kombinationen von globalen Klimamodellvorhersagen zu einem die Ernteerträge über aufeinanderfolgende Wachstumsperioden simulierenden Open-Source-Ernte-Modell zusammengefasst habe. Das Team simulierte die Ernteerträge für die Jahre 2030, 2050 und 2090 jeweils unter zwei Randbedingungen: Klimaerwärmung um zwei und vier Grad bis zum Ende des Jahrtausends. Dann ließ das Team 122 zukünftige Klimaszenarien oder Projektionen von Temperatur und Niederschlag simulieren.  Mittelwert-Projektionen wurden für jedes der fünf Klimamodell-„Ensembles“ berechnet – Sätze von Simulationsläufen, die entweder Kombinationen von verschiedenen Klimamodellen oder ein einziges Modell mehrfach darstellten. Diese Szenarien sind im fünften IPPC-Sachstandsbericht als “Representative Concentration Pathway 4.5 and 8.5.” beschrieben.

„All diese Informationen“, so sagt Strzepek, „sind für Regierungsplaner unerlässlich, die darauf abzielen, die Wirtschaft und die Infrastruktur Afrikas aufzubauen. Sie stehen vor einem großen Problem, wie man Entwicklungspolitik unter dem Risiko des Klimawandels entwickelt“, sagt Strzepek. „Regierungen wollen kühn sein und Infrastrukturen in bestimmten Regionen aufbauen – aber können wir es uns leisten, diese Strukturen in 30 Jahren scheitern zu sehen? Die Ergebnisse dieser Studie sind wertvoll, wie die Entwicklung sich weiter bewegt. „

Positive Folgen für Äthiopien

Der schlimmste Fall, nämlich ein  Anstieg der Durchschnittstemperatur um vier Grad, hätte katastrophale Ernteausfälle in der bereits heute von Dürren geplagten Sahelzone, aber auch in südlicheren Ländern zur Folge. Einige Staaten müssten gar mit einem Minus von 50 Prozent rechnen.

Allerdings gibt es wenige positive Ergebnisse der Studie: Im äthiopischen Hochland würden die Ernten besser ausfallen. Und im von tropischen Regenwäldern beherrschten Zentralafrika werde es weiter genügend Regen geben – dort seien keine Veränderungen zu befürchten.

Ein Team aus Forschern der Technischen Universität München, des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung und des Stockholm Resilience Centre  ist weniger optimistisch. Der Klimawandel werde auch in Regenwaldgebieten für geringere Niederschläge sorgen. Das werde dafür sorgen, dass Bäume sterben. Die Folge: Noch mehr Bäume verschwinden, ein fataler Dominoeffekt.

 

->Quellen: