Problematische Blumen

Chemische Belastung und Wasserverbrauch

Ein Problem sei die chemische Verschmutzung. Denn die Schnittblumen-Industrie lebe von Kurzzeit-Produktionsprozessen, die den umfangreichen Einsatz von Agrochemikalien erforderten. Diese wiederum schädigten Luft, Böden und Wasser. Diese Industrie unterliege kaum Kontrollen, da Blumen keine essbaren Nutzpflanzen seien. Vorschriften in Sachen Pestizidrückstände gebe es nicht, obwohl den Blumen mehr Pestiziden anhafteten als etwa auf Lebensmitteln erlaubt  sei. Ein Fünftel der Chemikalien in der Blumenzucht-Industrie soll nach Schätzungen in Entwicklungsländern eingesetzt werden.

Wasserverbrauch werde ebenfalls zum Problem: Immer mehr virtuelles Wasser wird durch den internationalen Handel aus wasserarmen Ländern exportiert. So gehen Schnittblumen zu 45 Prozent auf Kenias Wasser-Export-Konto. Eine Kontroverse schwelt um den Naivasha-See, aus dem mehr als die Hälfte des Wassers für die Blumenzucht kommt.

Dennoch sorgen Blumen für den Lebensunterhalt vieler, wird argumentiert. In Kenia beispielsweise setzt die Branche als zweitgrößter Devisenbringer jährlich 125 Mio. Euro um. Kenianische Schnittblumen haben die höchste wirtschaftliche Rentabilität pro exportierter Einheit Wasser. Zur künftigen Aufrechterhaltung des Wasserhaushalts könnte Kenia in naher Zukunft wasserintensive Erntepflanzen wie Mais importieren müssen, aber auch, um die Nahrungsmittelsicherheit zu gewährleisten, oder das Land müsste zum Ausgleich einen Preisaufschlag von den Verbrauchern erheben.

Enorme Nachfrage – Regulierung tut not

Eine Regulierung sei längst überfällig, schreibt Buckingham. In Äthiopien etwa erhoben sich schwerwiegende Umweltbedenken, denn die Gesamtfläche des mit Blumen bedeckten Landes ist bis 2008 auf mehr als 1.200 ha angestiegen – von weniger als 100 Hektar in den späten 90ern (mehr als 990 ha oder 82 Prozent für Rosenzucht ). „Die Erträge aus der Blumenzucht beliefen sich 2009 auf mehr als 116 Mio. Euro. 2016 wird der Exporterlös voraussichtlich auf 489 Mio. € steigen. Während die Regierung Leitlinien und verpflichtende Standards einführt, um Standards zu gewährleisten, folgen die Produzenten noch kaum. Standards durch Fair Trade und nachhaltig zertifizierte Blumen nehmen an Wichtigkeit zu, doch es bleibt noch viel mehr zu tun.“

Jeder Valentinstag lasse die Nachfrage nach Schnittblumen erneut ansteigen. Während die Weltbevölkerung  2050 auf 9,6 Milliarden anwachsen wird, während sich eine Lücke von rund 70 Prozent auftut zwischen den heute erzeugten pflanzlichen Kalorien und denen, die benötigt werden, um die projizierte Bevölkerung zu ernähren, ist es wichtig innezuhalten und zu fragen, ob das für die Blumenzucht Benötigte, wie Wasser, Chemikalien, Land, Flugkilometer und Carbon Footprints nicht besser an anderer Stelle eingesetzt würde. Zum Beispiel in Kenia werden mehr als 2.000 ha landwirtschaftliche Nutzfläche für die Schnittblumenzucht verwendet – und weltweit expandiert der Bereich, weil Länder wie China in der Branche investieren. Denn China will der größte Blumenexporteur Asiens werden, und weltweit der zweite nach den Niederlanden.

Auf der Erde gibt es schätzungsweise 2 Mrd. ha degradierter Böden – eine Fläche, etwa doppelt so groß wie China – die restauriert werden könnten. „Der Valentinstag sollte Anlass sein, den Wert dieser kulturell konstruierten Symbole der Liebe zu bedenken, und den Blick auf die Dornen eurer Rosen zu richten – welche Länder virtuelles Wasser, Chemikalien, Boden und Arbeit bereitstellen, um eure Liebesbeweise zu liefern“, so Buckinghams Fazit.

->Quellen: