Zukunft könnte Vergangenheit beeinflussen

Eine Spekulation aus der Quantentheorie

Einer der merkwürdigeren Aspekte der Quantenmechanik könnte durch eine ebenso merkwürdige Idee erklärt werden – dass ein Kausalzusammenhang in der Zeit sowohl rückwärts als auch vorwärts verlaufen kann, schreibt Mike McRae am 17.06.2018 im Portal Science alert.

Was Einstein einst “gruselige Fernwirkung” nannte, könnte theoretisch ein Beweis für Retrokausalität sein, so wie wenn man etwa dank des morgigen schlechten Mittagessens heute schon Magenschmerzen bekommen würde. Zwei Physiker aus den USA und Kanada haben sich einige Grundannahmen der Quantentheorie genauer angesehen und festgestellt, dass, wenn wir die Zeit nicht unbedingt in eine Richtung laufen lassen, Messungen an Teilchen zeitlich sowohl rückwärts als auch vorwärts ablaufen könnten.

Wir wissen, dass Quantenmechanik seltsam ist. Und ein Teil dieser Verrücktheit liegt darin begründet, dass Teilchen auf einer fundamentalen Ebene nicht wie feste Billardkugeln wirken, die einen Tisch hinunter rollen, sondern wie eine verschwommene Wolke von Möglichkeiten, die sich im Raum bewegen. Diese verschwommene Wolke wird dann schärfer, wenn wir versuchen, Partikel zu messen, was bedeutet, dass wir immer nur eine weiße Kugel sehen können, die eine schwarze in eine Ecktasche stößt, und nie unzählige weiße Kugeln, die schwarze Kugeln in alle Taschen stoßen.

Es gibt einen Streit unter Physikern darüber, ob diese Wolke von Möglichkeiten etwas Reales darstellt, oder ob sie lediglich eine bequeme Vorstellung ist. Der Philosoph Huw Price behauptete 2012, wenn die seltsamen Wahrscheinlichkeiten hinter Quantenzuständen etwas Reales widerspiegeln, und wenn nichts die Zeit auf eine einzige Richtung beschränkt, könnte die schwarze Kugel in dieser Wolke von Möglichkeiten theoretisch wieder aus der Tasche herausrollen und die weiße Kugel anstoßen.

“Kritiker behaupten, dass es in der klassischen Physik eine vollständige Zeitsymmetrie gibt, aber keine erkennbare Retrokausalität. Warum sollte die Quantenwelt anders sein?” schrieb Price und paraphrasierte die Gedanken der meisten Physiker. Matthew S. Leifer von der Chapman University in Kalifornien und Matthew F. Pusey vom Perimeter Institute for Theoretical Physics in Ontario fragten sich ebenfalls, ob die Quantenwelt anders sein könnte, wenn es um die Zeit geht.

Folgt: Bellsche Ungleichung