E-Lkw lädt erstmals mit über 1,1 Megawatt – Durchbruch für elektrischen Fernverkehr

Ein Elektro-Lkw mit mehr als 1,1 Megawatt laden. Genug, um in 40 Minuten einen E-LKW für fast 1000 km zu laden. Dieser Durchbruch zeigt, dass selbst schwere Lastwagen künftig in den Pausen ihrer Fahrer nachgeladen werden können. Damit eröffnen sich neue Chancen für den klimafreundlichen Fernverkehr.

© Designwerk Technologies AG

Ein E-Lkw von Designwerk am Container-Ladesystem ‚Mega Charger‘: Erstmals wurde eine Ladeleistung von über 1,1 Megawatt erreicht – genug, um in einer Fahrerpause Reichweiten von mehr als 500 Kilometern nachzuladen. Foto: © Designwerk Technologies AG

Das Schweizer Unternehmen Designwerk Technologies AG hat im Rahmen eines vom Bundesamt für Energie unterstützten Projekts den bislang höchsten Ladewert im realen Betrieb erzielt. Auf einem Werkhof in Oberbüren wurde ein Prototyp mit einer 1.000-Kilowattstunden-Batterie an das neue Megawatt Charging System (MCS) angeschlossen. Dabei flossen 625 Kilowattstunden in weniger als 45 Minuten, was einer durchschnittlichen Leistung von 906 Kilowatt und Spitzenwerten von 1.140 Kilowatt entspricht. Zum Vergleich: Marktübliche Schnellladestationen für Elektro-Lkw erreichen bisher rund 350 Kilowatt. Die Dimension wird greifbar, wenn man die Ladezeit in den Alltag überträgt. Während PKW an leistungsstarken CCS-Säulen in wenigen Minuten wieder einsatzbereit sind, mussten E-Lkw bisher mit langen Pausen rechnen. Fahrzeuge mit Batterien um 500 Kilowattstunden lassen sich mit CCS über eine Nacht hinweg laden, doch für den Fernverkehr war dies nicht ausreichend. Der getestete Prototyp von Designwerk kombiniert erstmals eine 1.000-Kilowattstunden-Batterie mit Ladezeiten, die in den gesetzlich vorgeschriebenen Fahrerpausen liegen. Damit sind eine Reichweite von über 500 Kilometern pro Ladung und Tagesstrecken von bis zu 1.000 Kilometern möglich.

Das Ladesystem selbst ist in einem Containersystem gebaut und nutzt Batteriepuffer. Diese speichern Strom aus dem Netz oder aus lokaler Erzeugung – etwa von Photovoltaikanlagen – und geben ihn bei Bedarf gebündelt ab. Laut dem Unternehmen reduziert dies Lastspitzen und erspart den Ausbau von Netzanschlüssen. Zudem können Second-Life-Batterien aus älteren E-Lkw weiterverwendet werden, was die ökologische Bilanz verbessert. Betreibern von Ladepunkten ermöglicht das Modell, Megawatt-Laden auch ohne massive Infrastrukturmaßnahmen einzuführen.

Der Stecker des ‚Mega Charger‘ im Einsatz: Für die Megawatt-Ladung von E-Lkw sind neue, besonders leistungsfähige Anschlüsse nötig. © Designwerk Technologies AG

„Ein 40-Tonner lädt dank Mega Charging so schnell wie ein Elektroauto – nur mit deutlich mehr Leistung“, sagt Niels Ross, Projektleiter Ladetechnik bei Designwerk. In den ersten fünf Minuten seien 81 Kilowattstunden in die Batterie geflossen – rechnerisch genug, um ein normales Elektroauto vollständig zu laden. Für die Branche ist der Test ein Meilenstein. Er zeigt, dass die Umstellung des Schwerlastverkehrs auf Strom technisch möglich ist, ohne die betrieblichen Abläufe grundlegend zu verändern. Entscheidend ist, dass die Ladezeiten im Rahmen der ohnehin vorgeschriebenen Ruhezeiten liegen. Damit könnten batterieelektrische Lastwagen Diesel-Lkw künftig auch auf langen Strecken ersetzen.

In den kommenden Monaten will Designwerk die Integration einer intelligenten Netzsteuerung vorantreiben und die Kleinserienproduktion ausbauen. Ob sich das Megawatt-Laden durchsetzt, hängt jedoch nicht nur von der Technik ab. Auch die Infrastruktur, die Investitionsbereitschaft der Logistikbranche und die politischen Rahmenbedingungen werden darüber entscheiden, wie rasch die Vision vom elektrischen und somit potenziell Emissionsfreien Fernverkehr Wirklichkeit wird.

 

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