Rheinmetall baut neuartige Wasserstoff-Elektroden ohne Edelmetalle

Vom Panzergetriebe zur Wasserstoff-Produktion: Der Rüstungskonzern Rheinmetall nutzt seine Fertigungsexpertise auch für die Energiewende. Wo sonst Motorkomponenten entstehen, sollen bald neu entwickelte Elektrodenplatten hergestellt werden.

©Ralf Grothe, zeit-licht.de, 2025Herausgeber Rheinmetall AG

Der Ladebordstein war Rheinmetalls Einstieg ins zivile Energiegeschäft. Jetzt folgt der nächste Schritt: Ab 2027 will die Tochter KS Gleitlager in St. Leon Rot Elektrodenplatten für große Elektrolyseure produzieren, die ohne Edelmetalle auskommen.  Foto © Ralf Grothe, Rheinmetall AG

Die Rheinmetall-Tochter KS Gleitlager wird 2027 am Standort St. Leon-Rot mit der Pilot-Produktion von neuartigen Elektroden für Elektrolyseure beginnen. Bisher produziert KS Gleitlager Teile für Verbrennungsmotoren. Etwa so groß wie eine Zimmertür sind die Platten, die bald Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff aufspalten. Besonders ist, dass die Beschichtung ohne Edelmetalle auskommt. Während andere Hersteller auf teure Legierungen setzen, die oft Nickel oder Platin enthalten, hat das Forschungsteam um Projektleiter Karsten Lange einen Ersatzstoff entwickelt. Das Projekt E2ngel, das von der Bundesregierung aus Mitteln der Nationalen Wasserstoffstrategie gefördert wurde, dauerte drei Jahre. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt testete die Elektroden über 1.000 Stunden, der französische Partner McPhy Energy weitere 1.200 Stunden im Dauerbetrieb.
Die edelmetallfreien Elektroden erreichen die doppelte Leistungsdichte herkömmlicher Systeme. Das könnte zwei Probleme lösen: sinkende Materialkosten und weniger Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen aus dem Ausland. Die zwei Meter großen Platten sind für Multi-Megawatt-Elektrolyseure ausgelegt. Mit solchen Industrieanlagen könnten ganze Stahlwerke oder Chemiefabriken mit grünem Wasserstoff versorgt werden. Für kleine Anlagen wären sie viel zu groß. Die entwickelten Geräte sind eher für richtige Wasserstoff-Werke.

Rheinmetall kündigte im November 2025 das Projekt „Giga PtX“ an: ein Netzwerk von E-Fuel-Anlagen für Streitkräfte und kritische Infrastruktur. Partner sind die deutschen Unternehmen Sunfire und Ineratec. Jede Anlage soll zwischen 5.000 und 7.000 Tonnen synthetischen Diesel oder Kerosin pro Jahr produzieren – genug, um einen Militärflughafen zu betreiben. Das Unternehmen ist für Leopard-Panzer und Munition bekannt und erschließt nun die zivile Energiewirtschaft breiter. Neben den Elektroden fertigt Rheinmetall Ladebordsteine für Elektroautos – Ladestationen, die direkt in den Bordstein eingelassen sind. Nach einem Pilotprojekt in Köln gingen sie 2025 in Serie. Konzernvorstand Klaus Pucher spricht von einem „wesentlichen Beitrag zur nachhaltigen Energiewende“.

Für die zivile Wasserstoff-Produktion könnte die Technologie ein wichtiger Baustein sein. Die alkalische Elektrolyse ist gründlich erforscht und hat sich praktisch schon bewährt. Edelmetallfreie Katalysatoren machen sie jetzt günstiger und weniger anfällig für Lieferkettenprobleme. Voraussetzung ist allerdings, dass die Produktion über den Pilotmaßstab hinauswächst und auch Abnehmer jenseits der Kaserne gefunden werden.

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