Das Wirtschaftsministerium ist gesetzlich verpflichtet, 215 Gigawatt Solarkapazität bis 2030 zu sichern, und plant gleichzeitig, die Förderung zu streichen, die das erreichbar macht.

Zieht ein Unwetter auf? Eine unrealistische EEG-Reform könnte den deutschen Solarmarkt erschüttern. Foto: Eduardo Salvatierra
Laut einem geleakten Entwurf plant das Bundeswirtschaftsministerium, die feste Einspeisevergütung für Dachanlagen mit einer Leistung von unter 25 Kilowatt ab Januar 2027 zu streichen. Betreiber müssten ihren überschüssigen Strom dann selbst an der Börse vermarkten. Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) spricht von einem „Frontalangriff auf die Energiewende“. Ministerin Reiche argumentiert, dass kleine Solaranlagen heute auch ohne Förderung wirtschaftlich seien, da sich der Eigenverbrauch rechne. Diese Rechnung stimmt. Jedoch nur, solange der Strom im eigenen Haus verbraucht wird. Für die Einspeisung ins Netz gilt das nicht. Der aktuelle Vergütungssatz liegt bei 7,78 Cent pro Kilowattstunde und sinkt weiter. Ohne diese Absicherung verlängert sich die Amortisationszeit einer typischen Kleinanlage von rund zehn auf mindestens 19 Jahre.
Die Alternative, die Direktvermarktung, setzt Smart Meter voraus, die bislang nicht flächendeckend verfügbar sind. Kapazitäten für den notwendigen Stromzähler sind stark begrenzt. Es gibt aktuell wenig verfügbare zertifizierte Geräte und Installateure. Ohne Smart Meter rentiert sich die Direktvermarktung für Kleinanlagen nur bei einem um mindestens 15 Prozent höheren Eigenverbrauch gegenüber dem EEG-Modell – ein Wert, den die meisten Haushalte nicht erreichen.
Bis 2025 hat Deutschland insgesamt 17,5 Gigawatt Photovoltaik zugebaut, weniger als die 22 Gigawatt im Ausbaupfad. Die installierte Gesamtleistung liegt bei 117 Gigawatt. Um das Ziel von 215 Gigawatt bis 2030 zu erreichen, müssten jährlich 19,6 Gigawatt hinzukommen. Das Wohngebäude-Segment, das von der Förderkürzung betroffen wäre, ist bereits rückläufig. BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig warnt: „Bei Wegfall der Vergütung könnte der Zubau in diesem Segment von 5 auf unter 2 Gigawatt einbrechen.“ Die historischen Parallelen gibt es schon: Im Jahr 2012 kürzte die damalige Bundesregierung die Einspeisevergütung abrupt um bis zu 30 Prozent. Der PV-Zubau brach im Folgejahr von 7,6 Gigawatt auf 3,3 Gigawatt ein, also um die Hälfte. Die Erholung dauerte bis 2020.
Der Kabinettsbeschluss steht noch aus. Doch selbst wenn der Entwurf sich noch ändert – die Lücke bleibt: Direktvermarktung setzt Smart Meter, Marktkenntnis und aktives Management voraus. Dass das bis 2027 für Millionen Hauseigentümer funktioniert, ist nach aktuellem Stand der Infrastruktur nicht realistisch.
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