Der NABU verleiht seinen Negativpreis „Dinosaurier des Jahres“ an CDU-Agrarminister Peter Hauk, stellvertretend für alle CDU-Agrarminister. Begründet wurde diese Entscheidung mit der Blockade des EU-Naturschutzgesetzes.

Der NABU kritisiert die Union für ihre Blockade beim EU-Naturschutz.
Aktuelle CSU-Forderungen nach einer Rückkehr zur Atomkraft zeigen die rückwärtsgewandte Politik. Foto: NABU/Frank Griesel
Es ist ein schwerer Vorwurf: Die Unionsminister hätten sich geweigert, die EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur umzusetzen. Dieses verpflichtet die Mitgliedstaaten, geschädigte Ökosysteme wie Moore, Wälder, Flüsse und Auen in einen guten Zustand zu versetzen. Diese Lebensräume sind nicht nur für die Artenvielfalt, sondern auch für den Klimaschutz, die Bodengesundheit und den Wasserrückhalt von großer Bedeutung. Im Juni 2025 hatten die Unionsminister die Verordnung in einem offenen Brief scharf kritisiert. Ihre Argumentation: Das Gesetz bedeute unzumutbare Belastungen für die Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft. Der NABU hält dagegen und verweist auf eine Umfrage, der zufolge sich 85 Prozent der Bevölkerung mehr intakte Natur und einen stärkeren politischen Umsetzungswillen wünschen.
Parallel dazu setzte die CSU auf ihrer Winterklausur ein weiteres rückwärtsgewandtes Signal. Die Landesgruppe unter ihrem neuen Vorsitzenden Alexander Hoffmann fordert die Rückkehr zur Kernenergie, obwohl der Atomausstieg in Deutschland bereits vollzogen wurde. Die Christsozialen sprechen von einer „Kreislaufwirtschaft für Kernenergie“ und stellen Reaktoren „ohne radioaktive Abfälle“ in Aussicht. Man wolle nicht zur Kernkraft der 1970er Jahre zurückkehren, sondern auf eine neue Generation setzen: klimaneutral und sicher. Diese Argumentation wirkt jedoch widersprüchlich. Während die Union bei der Wiederherstellung von Naturflächen auf wirtschaftliche Belastungen verweist, soll bei der Atomkraft eine bislang nicht verfügbare Technologie Abhilfe schaffen. Gemeint sind sogenannte Mini-Reaktoren oder Anlagen der vierten Generation, die kein Endlagerproblem verursachen sollen. An solchen Reaktoren wird geforscht, doch existieren noch keine ansatzweise, marktreifen Anlagen.
Anstatt auf bereits verfügbare Lösungen zu setzen, wird ein Konzept aufgegriffen, das weder technisch erprobt noch wirtschaftlich abgesichert ist. Die Verknüpfung mit dem Begriff der Kreislaufwirtschaft erscheint dabei erklärungsbedürftig. Der Kontrast könnte nicht größer sein: Die Union bremst bei der Wiederherstellung von Mooren, Wäldern und Flüssen. Maßnahmen mit unmittelbarem Nutzen für Klimaschutz und Biodiversität. Stattdessen werden technologische Versprechen gemacht, deren Umsetzung Jahrzehnte dauern könnte und deren Kosten kaum kalkulierbar sind.
Ein Blick nach Großbritannien verdeutlicht die Risiken. Dort wurde massiv in Kernenergie investiert, auch in kleinere Reaktorkonzepte. Mehrere Projekte verzeichneten erhebliche Kostensteigerungen. So soll das Kernkraftwerk Hinkley Point C, das ursprünglich mit rund 18 Milliarden Pfund veranschlagt war und für 2025 geplant war, inzwischen mehr als 55 Milliarden Pfund kosten. Die Inbetriebnahme wurde mehrfach verschoben und wird derzeit frühestens für 2029, eher jedoch für 2031 erwartet – zu einem Zeitpunkt also, zu dem Strom aus erneuerbaren Energien voraussichtlich deutlich günstiger sein wird. Zwei Kernkraftprojekte mussten sogar nach massiven Investitionen eingestellt werden. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob es wirtschaftlich sinnvoll ist, in Deutschland erneut auf Kernkraft zu setzen. Deren Planung und Bau würden viele Jahre in Anspruch nehmen und hohe Investitionen für eine risikobehaftete Technologie erfordern, obwohl es verfügbare Alternativen gibt.
Für die grüne Transformation bleibt damit eine Grundsatzfrage: Welchen Stellenwert hat der Schutz bestehender Ökosysteme gegenüber technologischen Großprojekten? Die EU-Wiederherstellungsverordnung wäre eine konkrete, kurzfristig und tatsächlich umsetzbare Möglichkeit, Klimaschutz zu betreiben. Die Kernkraft der nächsten Generation hingegen bleibt bislang vor allem ein Versprechen, das schon in der Theorie funktioniert. Zu den Gästen der CSU-Winterklausur zählen unter anderem Bundeskanzler Friedrich Merz und der litauische Präsident Gitanas Nauseda. Die Energiepolitik dürfte dabei nicht das einzige kontroverse Thema gewesen sein. Der NABU-Dinosaurier hat jedenfalls seinen Platz gefunden – als Symbol für eine Naturschutzpolitik, die aus Sicht der Umweltverbände mit den aktuellen Herausforderungen nicht Schritt hält.
Quellen:
- NABU: „Dino des Jahres 2025“
- CSU-Landesgruppe-Positionspapier: „AGENDA FÜR DEN POLITIKWECHSEL“
- Euronews: „UK’s flagship nuclear plant hit by more delays as costs balloon“