Was wissen wir über den CO2-Fußabdruck von Beton, Stahl oder Dämmstoffen? Ab sofort deutlich mehr: Eine neue EU-Verordnung verpflichtet Hersteller zur Offenlegung von Klimadaten. Der digitale Produktpass macht diese Informationen erstmals standardisiert abrufbar.

Digitaler Produktpass macht CO2-Fußabdruck von Produkten im Bausektor sichtbar: Neue EU-Verordnung gilt seit 8. Januar 2026. Foto: wal_172619
Ab sofort gelten neue Regeln für Bauprodukte. Diese betreffen nicht nur technische Eigenschaften, sondern erstmals auch Umwelt- und Klimadaten. Kern der Reform ist der digitale Produktpass. Er soll für mehr Transparenz sorgen und die Kreislaufwirtschaft im Bausektor voranbringen. Bauprodukte sind alle Materialien und Bauteile, die dauerhaft in Bauwerke eingebaut werden. Dazu gehören beispielsweise Beton, Ziegel, Stahlträger, Dämmstoffe, Fenster, Türen, Befestigungssysteme oder auch Solarmodule. Kurz gesagt: alles, was Teil eines Gebäudes oder einer baulichen Anlage wird und dessen Eigenschaften beeinflusst, etwa in Bezug auf Statik, Brandschutz oder Energieeffizienz. Mit der neuen Bauprodukteverordnung schafft die EU einen einheitlichen Rahmen für den gesamten Binnenmarkt. Die Verordnung gilt bereits formal, ihre zentralen Pflichten greifen jedoch schrittweise. Neu ist vor allem der deutlich erweiterte Anwendungsbereich. Seit dem 8. Januar 2026 fallen nicht nur klassische Neuprodukte, sondern auch gebrauchte Bauprodukte, 3D-gedruckte Materialien, vor Ort montierte Komponenten sowie wesentliche Bauteile aus Rückbau und Wiederverwendung darunter. Betroffen sind somit nicht nur Hersteller und Importeure, sondern auch Online-Händler, Marktplätze, Fulfillment-Dienstleister und Rückbauunternehmen. Wer Bauprodukte in Verkehr bringt, muss die neuen Vorgaben einhalten.
Im Mittelpunkt der Reform steht die Pflicht zur Offenlegung von Umwelt- und Klimadaten. Für bestimmte Bauprodukte müssen Hersteller künftig ihren CO2-Fußabdruck nachweisen. Grundlage hierfür ist das sogenannte Global Warming Potential, das alle Treibhausgasemissionen über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts erfasst – von der Rohstoffgewinnung über die Nutzung bis hin zum Recycling. Ab 2032 soll diese Pflicht auf ein vollständiges Set von Umweltindikatoren ausgeweitet werden. Den Anfang machen Materialien mit besonders hohem ökologischem Gewicht, darunter Beton, Stahl, Dämmstoffe, Fenster und Türen. Diese Informationen werden im digitalen Produktpass gebündelt. Dieser ist über einen QR-Code, Barcode oder RFID-Tag abrufbar und enthält Informationen wie Hersteller, Hinweise und Klimadaten . Planer, Architekten, Handwerker und Bauherren erhalten damit erstmals einen zentralen, standardisierten Zugriff auf Produktinformationen. Eine Grundlage, damit Emissionen und Kreislauffähigkeit tatsächlich berechnet werden können.
Der digitale Produktpass stärkt die Kreislaufwirtschaft, denn wenn bekannt ist, aus welchen Materialien ein Bauteil besteht und wie es verbaut wurde, lässt es sich am Ende seiner Nutzungsdauer gezielt demontieren, wiederaufbereiten und in neuen Projekten einsetzen. Die EU rechnet damit, dass sich durch modulare Bauweisen und eine bessere Dokumentation der Bauabfall bereits in der Produktionsphase um 10 bis 15 Prozent reduzieren lässt. Der digitale Produktpass ist noch nicht verpflichtend. Die Gesetze dafür werden für Ende 2026 erwartet. Diese werden für Ende 2026 erwartet. Erst 18 Monate nach deren Inkrafttreten – voraussichtlich Mitte 2028 – wird der digitale Produktpass dann verbindlich. Bis dahin gilt eine Übergangsphase, in der Unternehmen ihre Prozesse, Kennzeichnungen und digitalen Dokumentationssysteme anpassen müssen.
Für viele Unternehmen bedeutet die neue Verordnung zunächst einen erheblichen Umstellungsaufwand. So müssen Konformitätserklärungen überarbeitet, Kennzeichnungssysteme angepasst und neue digitale Datenstrukturen aufgebaut werden. Die Reform dient aber der Hoffnung, dass sich Chancen für Unternehmen auftun. Transparente Umweltinformationen werden zu einem Wettbewerbsfaktor – insbesondere für Hersteller, die bereits auf nachhaltige Materialien und Produktionsprozesse setzen.
Quellen: