TPEC: EEG-Faktencheck

Exportieren wir EEG-Strom zu Spottpreisen? – Fakten zur Versachlichung der Diskussion aus dem IASS

In den vergangenen Monaten wurden wiederholt Rekord-Meldungen beim deutschen Stromexport veröffentlicht. Von Januar bis Mai wurden 2013 mehr als 31 TWh exportiert, 46 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum1.

Bei günstigen Witterungsbedingungen deckt Deutschland inzwischen einen Großteil seines Strombedarfs mit erneuerbaren Energien. Der Preis an der Strombörse erreicht neue Tiefststände.2 In diesem Zusammenhang wird häufig kritisiert, dass die Stromproduktion aus erneuerbarer Energie in Deutschland zunächst mit hohem finanziellem Aufwand gefördert wird, um den Strom anschließend zu geringen Preisen ins Ausland zu exportieren. Doch trifft diese Kritik auch zu?

Der Stromexport ist von einer Vielzahl von Faktoren abhängig. Fluktuierende Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien, die sich durch starke Schwankungen ihrer Verfügbarkeit auszeichnet, ist lediglich einer. Zu den weiteren Einflussfaktoren zählen neben internationalen Preisunterschieden u.a. die jeweilige Nachfragesituation, die verfügbaren Kapazitäten von Grenzkuppelstellen, auftretende Prognosefehler bei fluktuierender Stromerzeugung erneuerbarer Energien oder bei der Nachfrage sowie die Flexibilität von am Netz befindlichen konventionellen Kraftwerken. Die genannten Faktoren bedingen hierbei jeweils nicht nur den deutschen Außenhandel, sondern auch den des entsprechenden Handelspartners und kommen in Abhängigkeit von Witterungsbedingungen unterschiedlich zum Tragen.

Analyse der Plattform Energiewende (TPEC) am IASS

Eine Analyse der Stromexporte in den Sommermonaten durch die Plattform Energiewende (TPEC) am IASS kommt zu dem Ergebnis:

  1. Exporte und Importe von Strom werden vorrangig durch nationale Preisunterschiede an den Strombörsen angereizt. Deutsche Exporte können derzeit maßgeblich durch die Kombination zweier Effekte erklärt werden: ein hoher Merit-Order-Effekt sowie ein niedriger CO2-Preis.
  2. Deutschland profitiert ebenfalls von preisgünstigen Stromimporten aus dem Ausland.
  3. Internationaler Stromhandel ist eine notwendige Flexibilitätsoption für die effektive Integration fluktuierender erneuerbarer Energien.
  4. Es gibt keine pauschale Kausalität zwischen PV-Einspeisung und Stromexporten.

TPEC-Leiterin Dr. Kathrin Goldammer erklärt: „Mit der Marktkopplung erfolgen Stromexporte und -importe, wir befinden uns damit auf dem von der Europäischen Union angestrebten Weg. Die Europäische Kommission und die Bundesregierung unterstützen das Ziel eines gemeinsamen europäischen Binnenmarktes. Dies gilt insbesondere für den Strommarkt aufgrund seiner essentiellen Bedeutung für Wirtschaft und Gesellschaft. Ab 2014 soll es hier einen integrierten europäischen Binnenmarkt geben, wovon man sich erhöhten Wettbewerb, bessere Versorgungssicherheit und niedrigere Preise erwartet.“

1http://www.iwr.de/news.php?id=24157; Stand: 7.8.2013
2 Im Juli 2013 kostete eine kWh Strom durchschnittlichen 3,64 cent. Dies entspricht einem Rückgang von 11,2 Prozent gegegnüber dem Vorjahreswert. Quelle: http://www.iwr.de/news.php?id=24211; Stand: 24.8.2013.
->Quelle(n): iass-potsdam.de; iass-potsdam.pdf  iass-potsdam.de1;