Glas gilt als endlos recycelbar. Doch beim Autoglas läuft das Recycling bisher nur in eine Richtung: bergab. Der Glasaufbereiter Reiling und der Hersteller AGC Glass Europe schließen erstmalig den Kreislauf. Von der hochwertigen Glasscheibe zur hochwertigen Glasscheibe.

Eine Windschutzscheibe ist Hightech: Verbundglas, Folie, Heizdrähte, Sensoren. Foto von Hendrik Schuette
Das ist klassisches Downcycling: von der Scheibe zur Flasche, von der Flasche zur Dämmwolle. Deswegen ist es bemerkenswert, dass aus altem Autoglas wieder Autoglas wird, und zwar mit einem Rezyklatanteil von über 56 Prozent in der Produktion.
Dass das bisher nicht möglich war, liegt am Aufbau der Scheibe. Eine Windschutzscheibe besteht aus Verbundsicherheitsglas: zwei Glasscheiben, dazwischen eine zähe Folie aus Kunststoff, die im Falle eines Unfalls die Splitter zusammenhält. Hinzu kommen Beschichtungen, Heizdrähte, Antennen und immer mehr Sensoren für die Elektronik moderner Autos. Einfach einschmelzen funktioniert nicht, da die Folienreste das neue Glas verunreinigen würden. In der Anlage in Marienfeld werden Glas, Kunststoff und Metall getrennt und die Scherben so weit gereinigt, dass sie die Qualität von neuem Glas wieder erreichen.
Die eigentliche Hürde ist es, den Kreis auf gleichem Niveau zu schließen: Flachglas zu Flachglas, da die Qualität sonst mit jeder Runde sinkt. AGC gibt an, dass jede Tonne Scherben, die das Unternehmen einsetzt, rund 1,2 Tonnen Rohstoffe und bis zu 0,7 Tonnen CO2 spart. Im Jahr 2024 ersetzte der Konzern mit 730.000 Tonnen Altglas etwa 875.000 Tonnen Primärrohstoffe.
Ab 2026 wollen die Partner mehr als 300.000 Scheiben pro Jahr in den Kreislauf führen. Doch handelt es sich nicht um Recycling am Ende eines Nutzungszyklus, sondern um Produktionsabfälle: Verschnitt und Ausschuss, sauber und sortenrein, direkt aus den eigenen Werken. Auch wenn hier eine große Materialersparnis gelingt, bleiben die wirklich großen Stoffkreisläufe unberührt. Rund 1,7 Millionen Autoscheiben werden in Deutschland pro Jahr ausgetauscht, hinzu kommt das Glas aus einer halben Million verschrotteter Autos. Weil gebrauchte Scheiben verschmutzt, beschädigt und mit unterschiedlichsten Beschichtungen und Sensoren versehen sind, landen sie weiter im Downcycling.
Doch es zeigt sich: Aus Autoglas kann wieder hochwertiges Autoglas werden. Marc Foguenne, Nachhaltigkeitsmanager bei AGC, bezeichnet die Zukunft des Glases als zirkulär, die Herausforderung liege jedoch in der Wirtschaftlichkeit gegenüber konventionellem Material. Solange Neuglas billiger bleibt als aufbereitetes Altglas, entscheidet am Ende nicht die Technik, sondern der Preis.
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