Der Iran-Krieg ließ den Gaspreis von 36 auf 53 Euro je Megawattstunde springen. Anders der Strompreis. Er blieb beinahe stehen. Das spart Milliarden. Doch laut Fraunhofer ISE zahlen wir noch zu viel: Was fehlt, sind Speicher.

Obwohl der Iran-Krieg den Gaspreis um die Hälfte nach oben trieb, konnten Erneuerbare und Speicher die Preise dennoch stabil halten. Foto: Albrecht Fietz
Erneuerbare Energien deckten im ersten Halbjahr 2026 rund 62 Prozent der öffentlichen Nettostromerzeugung in Deutschland. Das ist etwas mehr als im Vorjahr. Das hat das Fraunhofer ISE gemeldet. Am Verbrauch gemessen waren es 58,5 Prozent. Ebenfalls ein Rekordwert. Die eigentliche Nachricht der Halbjahresbilanz steckt jedoch in den Preisdaten: So hat sich der Strompreis vom Gaspreis weitgehend gelöst und die Stunden mit Negativpreisen gehen zurück, obwohl mehr Solarstrom im Netz war als je zuvor.
Als der Iran-Krieg im Frühjahr die Gaspreise binnen weniger Wochen um 48 Prozent in die Höhe trieb, produzierte ein Gaskraftwerk für rund 133 Euro je Megawattstunde. Nach der bisherigen Logik der Strombörse hätte das den gesamten Markt mitziehen müssen, denn das teuerste gerade benötigte Kraftwerk setzt den Preis für alle. Doch im März kostete Strom im Durchschnitt nur 95 Euro je Megawattstunde, da an immer mehr Stunden Wind, Sonne und Speicher ausreichten und die Gaskraftwerke nicht in die Preisbildung einbezogen wurden.
„Hätten die erneuerbaren Energien nicht so stark zur Stromerzeugung beigetragen, wäre der Börsenstrompreis im April um 76 Prozent höher gewesen”, sagt Leonhard Gandhi, Projektleiter von Energy Charts am Fraunhofer ISE. Statt rund 69 Euro hätte die Megawattstunde damit gut 120 Euro gekostet.
Bemerkenswert ist auch die folgende Entwicklung: Zwischen Januar und Juni gab es rund 300 Stunden mit Negativ-Strompreis. Das ist immerhin ein Viertel weniger als im Vorjahr, und das, obwohl erneuerbare Energien so viel einspeisen wie nie zuvor. Dass die Stunden mit Negativ-Strompreiks trotz steigender Einspeisung abnehmen, liegt vor allem an den Batteriespeichern. In Deutschland wuchs die Kapazität von 25 auf 29,5 Gigawattstunden. Und auch hier stieg nicht nur die Kapazität, sondern auch die Geschwindigkeit, mit der Speicher dazugebaut werden.
Die höchsten Preise wurden während der Hitzewelle erreicht: Am Abend des 24. Juni kletterte der Preis kurzzeitig auf 66,50 Cent, da die Klimaanlagen noch liefen, die Sonne aber schon untergegangen war. Im Schnitt kostete die Kilowattstunde im Großhandel 9,87 Cent. Das ist etwas mehr als im Vorjahr, angesichts der Weltlage aber erstaunlich wenig.
Das Ergebnis einer Kurzstudie des Fraunhofer IEE zeigt, wie teuer uns die zu langsam vollzogene Energiewende zu stehen kommt: Hätten seit Anfang 2025 zusätzlich 20 Gigawatt Batteriespeicher am Netz gestanden, wären volkswirtschaftliche Kosten von 5,6 Milliarden Euro vermieden worden, und die Zahl der Negativpreis-Stunden wäre nur noch ein Bruchteil. Eine Speicherstrategie hat die Bundesregierung weiterhin nicht. Stattdessen werden neue, klimaschädliche Gaskraftwerke ausgeschrieben.
Quellen:
- Fraunhofer ISE: Solarstrom europaweit auf dem Vormarsch
- Bundesverband Solarwirtschaft: Batteriespeicher wachsen rasant – Ausbau bis 2029 dennoch unsicher
- energiezukunft.eu: Die Erneuerbaren im Stromsystem – Preise, Erzeugung, Zubau
- pv magazine: Weniger Negativpreise als 2025: Erstes Halbjahr trotz globaler Energiekrise mit nur leicht höheren Börsenstrompreisen