Kritische Rohstoffe: Neue Recycling-Anlage in Hamburg gewinnt Kupfer aus schwierigem Schrott

Wo Kupfer, Blei und Schwefel zusammen im Schrott stecken, endete die Kreislaufwirtschaft bisher. Jetzt steht in Hamburg die erste Anlage, die das Gemisch trennt.

(V.l.n.r.): Tim Kurth (Produktionsvorstand Aurubis) und Stefan Rouenhoff (Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Wirtschaft und Energie)

Tim Kurth (Produktionsvorstand Aurubis) und Stefan Rouenhoff (Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Wirtschaft und Energie) weihen die neue Spezial-Anlage ein. Foto: Aurubis AG

Kupfer wird überarall gebraucht: In Stromnetzen, Windkraftanlagen, Wärmepumpen und Elektroautos kommt es zum Einsatz. Der Preis hat dieses Jahr auch neue Rekorde erreicht, aktuell rund 13.300 US-Dollar, nahe dem Allzeithoch vom Jahresbeginn. Deswegen ist es bemerkenswert, dass in Hamburg jetzt eine Anlage eingeweiht wird, die Kupfer auch aus Material zurückgewinnt, das bisher kaum verwertbar war. Der Hamburger Konzern Aurubis hat Anfang Juli eine Anlage mit dem Namen „Complex Recycling Hamburg” eingeweiht. Die Anlage hat 190 Millionen Euro gekostet und ist laut dem Hamburger Konzern weltweit die erste Anlage ihrer Art.
Das von ihr gelöste Problem ist chemischer Natur. Viele Reststoffe aus dem Recycling und Zwischenprodukte enthalten Kupfer, Blei und Schwefel zugleich. Eine Kombination, die klassische Kupferhütten nicht verarbeiten können. Solche Materialien mussten bisher extern aufbereitet werden oder verließen den europäischen Stoffkreislauf vollständig. Das Herzstück der neuen Anlage ist ein eigens entwickelter Konverter, ein rotierendes Schmelzgefäß, das Chargen von rund 45 Tonnen bei bis zu 1 400 °C zerlegt. Am Ende stehen Rohkupfer, Bleioxid und Schwefeldioxid, aus dem Schwefelsäure für die Industrie entsteht. Alles bleibt im Kreislauf und wird weiterverarbeitet.

Mehr als 30.000 Tonnen zusätzliches Recyclingmaterial sollen so jährlich durch die Anlage laufen. Knackpunkt war tatsächlich der Luftfilter: Rund ein Drittel der Investition floss in die Luftreinhaltung, denn die hochautomatisierte Anlage steht mitten im Hamburger Stadtgebiet. Die Europäische Investitionsbank unterstützte das Projekt mit einem Darlehen extra für strategisch relevante Rohstoff-Projekte. „Wir brauchen besseren Zugang zu Recyclingmaterialien und mehr Innovationen”, sagte Aurubis-Vorstand Tim Kurth bei der Eröffnung. Der EU-Staatssekretär Stefan Rouenhoff sieht in solchen Projekten einen Beitrag zu Deutschlands Versorgungssicherheit. Die Anlage zeigt, dass sich selbst komplizierteste Reststoffe im Kreislauf verwerten lassen. Vor diesem Hintergrund gilt es daran zu Arbeiten, dass zehn der 26 strategischen Rohstoffe in der EU bisher gar nicht recycelt werden.

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