Künstliche Nordseeinsel

Mega-Offshore-Windpark auf der Doggerbank geplant

Netzbetreiber planen eine künstliche Insel in der Nordsee zur Verbindung riesiger Offshore-Wind-Farmen: Neu-Doggerland auf der Doggerbank. Denn Strom aus Offshore-Wind wird zwar immer kostengünstiger, aber wenn die küstennahen Gebiete knapp werden, bleibt nur das offene Meer. Der holländische Stromnetzbetreiber Tennet TSO B.V., die dänische Energinet und TenneT TSO GmbH (Deutschland) haben dazu am 23.03.2017 in Brüssel eine trilaterale Vereinbarung zur Entwicklung eines großen europäischen Systems zu Anbindung und Verteilung Erneuerbarer Energie in der Nordsee unterzeichnet. Bis zum Jahr 2050 könnten über dieses Windenergie-Verteilkreuz 70 bis 100 Millionen Einwohner Europas an die Versorgung mit Erneuerbarer Energie angebunden werden. Dafür soll das „Atlantis der Nordsee“ – wenigstens zum Teil – wieder auferstehen und auf der Doggerbank eine oder mehrere künstliche Inseln aufgeschüttet werden.

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Satellitenaufnahme-der-Nordsee-rot-umrandet-die-Doggerbank – © Gemeinfrei-commons.wikimedia.org

Doggerland (abgeleitet von der ausgedehnten Untiefe namens Doggerbank in der Nordsee zwischen britischer Ostküste und dänischer Westküste) war bis zum Anstieg der Nordsee um 120 m nach der letzten Weichseleiszeit eine Landbrücke zwischen den Britischen Inseln und dem europäischen Festland, in der Mittelsteinzeit einige Jahrtausende lang von Jägern und Sammlern besiedelt. Doggerland hatte um 8000 v. Chr. etwa 23.000 Quadratkilometer Fläche und verband Kontinentaleuropa mit der Ostküste Großbritanniens. Vor der Weichseleiszeit mündete der Rhein nördlich der Doggerbank in den Atlantik. Während der letzten Kaltzeit war der südliche Teil der Nordsee – zwischen der Doggerbank und dem Ärmelkanal – ein Binnensee, in den die Flüsse Themse, Maas, Rhein und nordeuropäische Gletscher entwässerten. Der Ausfluss des Sees mündete in einem gemeinsamen Bett im damals trockenen Ärmelkanal in den Atlantik und bildete den größten Strom Europas. Während der Weichseleiszeit war der größte Teil Doggerlands nicht eisbedeckt. Die Britischen Inseln und das europäische Festland bildeten eine zusammenhängende Landmasse. Als es zu Beginn des Holozäns wärmer wurde, stieg der Meeresspiegel vor 10.000 Jahren bis vor 8.000 Jahren um 35 Meter, ausgelöst durch den  Zusammenbruch des nordamerikanischen Inlandeises, des damals ausgedehntesten Eisschilds auf der Nordhalbkugel. Dies trug später zu einem raschen Anstieg des Meeresspiegels um etwa 120 Meter bei. Damit ging zum einen die Überflutung weiter Küstenräume einher, und letztlich bildeten sich die heutigen Küstenlinien aus. Die rasch ansteigende Nordsee überflutete die Küsten Doggerlands, der höchstgelegene Teil wurde eine Insel. Vor etwa 8.200 Jahren wurde ein großer Teil der verbliebenen Doggerland-Insel durch vier 8 bis 9 Meter hohe Tsunamiwellen überflutet (nach Wikipedia).

Der Schritt zu einem breiten Konsortium erfolgte in Gegenwart von Maroš Šefcovic, des EU-Kommissars für die Energieunion. Mel Kroon, CEO von TenneT, und Torben Glar Nielsen, CTO von Energinet, unterzeichneten eine Vereinbarung, deren Ziel die Untersuchung der Machbarkeit einer oder mehrerer Windenergie-Verteilkreuz-Inseln ist.

Geplant ist die Schaffung eines großen Verbindungs- und Verteilpunktes für Tausende zukünftiger Windkraftanlagen auf hoher See. Ein Windenergie-Verteilkreuz im Bereich der Doggerbank in der Nordsee könnte die europäische Energiewende sowohl umsetzbar als auch für die Verbraucher bezahlbar machen.

TenneT-CEO Mel Kroon betonte: „Diese Kooperation mit Energinet.dk ist eine Einladung an die Übertragungsnetzbetreiber im Nordseeraum sowie an andere Infrastrukturunternehmen, sich der Initiative anzuschließen. Ziel ist es, eine stabile Kooperation zwischen Unternehmen aufzubauen, durch die die Energiewende in Europa machbar und bezahlbar wird. Dieses Projekt kann zu einer komplett erneuerbaren Stromproduktion in Nordwesteuropa beitragen.“

Torben Glar Nielsen, CTO von Energinet, sagte: „Der Plan, eine oder mehrere künstliche Inseln mitten in der Nordsee anzulegen, klingt nach einem Science-Fiction-Projekt. Tatsächlich könnte dies aber für die Länder im Nordseeraum eine sehr effiziente und bezahlbare Möglichkeit sein, die zukünftige Nachfrage nach mehr erneuerbarer Energie zu befriedigen“.

Folgt: Vorteile der künstlichen Insel