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Veröffentlicht am24. Dezember 202010. Februar 2021Autorgh

Das Solarify-Team wünscht frohe Weihnachten und ein besseres neues Jahr als es 2020 in Bezug auf das Virus war!

KategorienKolumnen

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– Energie für die Zukunft –

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Verwandte Themen

  • Bauplatten aus Papierschlamm: Was fürs Papier zu kurz ist, wird zur Wand

    Wo 2023 eine Papierfabrik wegen der Energiepreise aufgab, sollen nun Bauplatten aus Papierschlamm entstehen. Statt Leim halten Enzyme die Fasern zusammen. Am 20. Oktober übergibt Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD) in Kriebstein (Mittelsachsen) einen Förderbescheid über 9,85 Millionen Euro. Empfänger ist Honext × Wepa, ein Gemeinschaftsunternehmen des Start-ups Honext aus Barcelona und der Wepa-Gruppe aus Arnsberg, die in Kriebstein vor allem Taschentücher herstellt. Neben diesem Werk sollen Bauplatten aus Papierresten entstehen, ohne Leim und ohne frisches Holz. Die Idee: Mit jedem Recycling werden Papierfasern kürzer. Was zu kurz geworden ist, sortieren die Fabriken aus. Es landet im Papierschlamm, der bisher meist verbrannt wird. Honext mischt diese Reste mit Wasser und Enzymen. Die Enzyme verbinden die oft nur wenige Millimeter langen Fasern so fest, dass eine stabile Bauplatte entsteht, ganz ohne Kunstharz als Kleber. Die nasse Masse wird gepresst und in einem Tunnel getrocknet. Am Ende ihrer Nutzung sollen die Platten zurück in die Produktion gehen. Einen Teil der Fasern liefert das Wepa-Werk selbst. Wegen hoher Energiekosten musste die Papierfabrik Kübler & Niethammer im März 2023 nach 167 Jahren in Kriebstein die Produktion einstellen. Die Kosten hatten sich seit 2021 vervielfacht, zudem war die Nachfrage nach Druck- und Verpackungspapier schwach. Wepa übernahm die Faseraufbereitung der Fabrik mit Gebäuden, Kraftwerk und 40 Beschäftigten. Der Zuschuss stammt aus der Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur, die Bund und Länder gemeinsam finanzieren. Die EIB gibt 22,5 Millionen Euro als eigenkapitalähnlichen Kredit, der über das EU-Programm InvestEU abgesichert ist. Die Gesamtkosten für die beiden Produktionslinien beziffert die EIB auf rund 59 Millionen Euro. Laut Ministerium ist dies die erste Fabrik dieser Art in Europa. Die Platten können als Trennwände, Wandverkleidungen und Akustikpaneele genutzt werden. Sie konkurrieren dort mit Material aus frischem Holz und Kunstharz sowie mit Gipskarton, dessen wichtigster Rohstoff knapper wird. wa die Hälfte des in Deutschland verwendeten Gipses stammt laut Bundesverband der Gipsindustrie aus der Abgasreinigung von Kohlekraftwerken. Eine Studie des RWI erwartet, dass diese Menge von 2,9 Millionen Tonnen im Jahr 2030 auf 0,2 Millionen Tonnen im Jahr 2045 sinkt. Laut Verband könnte Recycling höchstens 300.000 bis 400.000 Tonnen beisteuern. Quellen: dezeen: Honext develops recyclable construction material made of cellulose fibres from waste paper Oiger: Bauplatten aus Papierabfall: Sachsen schießt Millionen für neue Fabrik in Kriebstein zu Ostdeutsche Allgemeine: 9,85 Millionen Euro für ein einzigartiges Projekt in Kriebstein Europäische Investitionsbank: TECHEU VD HXW CIRCULAR BUILDING MATERIALS (GT2) Birkner’s PaperWorld: Kübler & Niethammer Papierfabrik Kriebstein ceases operations igeniuer.de: Kohleausstieg trifft den Trockenbau: Woher kommt künftig der Gips?



  • Aluminium aus Altautos: Ein Laser trennt die Sorten

    In einem Auto stecken 26 verschiedene Sorten Aluminium. Fürs Recycling ist das ein Problem. In Aalen werden sie jetzt Teil für Teil per Laser getrennt. Der Metallrecycler OSR aus Aalen hat inzwischen mehr als 20.000 Tonnen Aluminiumschrott aus Altfahrzeugen per Laser sortiert. Das Verfahren bestimmt Teil für Teil die Legierung und trennt den Schrott so sauber, dass dieser Primäraluminium ersetzen kann. Laut einer unabhängigen Ökobilanz der Eura AG verursacht eine Tonne des sortierten Metalls lediglich 229 Kilogramm CO2-Äquivalent, was 97 bis 98 Prozent weniger ist als bei neu erzeugtem Aluminium. Bei Getränkedosen funktioniert der Kreislauf bereits seit Längerem. Anfang Oktober hat Speira im Rheinwerk Neuss einen Ofen für rund 60.000 Tonnen Dosenschrott im Jahr in Betrieb genommen. Der Ofen steht in den Hallen der früheren Aluminiumhütte, die das Unternehmen 2023 wegen der Strompreise stillgelegt hat. Dosenschrott ist einheitlich genug, um wieder zu Dosen und Autoteilen zu werden. Ein Auto enthielt dagegen im Jahr 2019 im EU-Durchschnitt 26 verschiedene Aluminiumlegierungen, wie aus einer Untersuchung der Montanuniversität Leoben hervorgeht. Schmilzt man diese Legierungen einfach zusammen, entsteht eine Mischung, die keiner genormten Legierung mehr entspricht. Deshalb führt der übliche Weg in den Schredder: Der Schrott wird mit neuem Primäraluminium verdünnt oder zu Gusslegierungen verarbeitet, die vor allem für Motorblöcke verwendet werden. Forschende aus Leoben erwarten, dass dieser Abnehmer mit der Elektromobilität an Bedeutung verliert. Modellrechnungen aus Norwegen warnten bereits 2014 vor einem möglichen Überschuss an Mischschrott, den die Gießereien nicht mehr aufnehmen können. Die Anlage hat Cleansort gebaut, die Deutsche Bundesstiftung Umwelt hat Entwicklung und Erprobung über mehrere Jahre gefördert. Herzstück ist ein Laser: Ein erster Puls trägt Schmutz und Beschichtung von der Oberfläche ab, ein zweiter verdampft eine winzige Menge Metall zu Plasma. Dessen Licht verrät binnen Millisekunden, welche Elemente in welchen Anteilen im Teil stecken, etwa Magnesium, Silizium oder Kupfer. Danach wird jedes Stück automatisch einsortiert. So bleibt das Aluminium sauber genug, um zum Beispiel wieder zu Karosserieblech zu werden.   Quellen: EUWID: Metallrecycler OSR und Cleansort ziehen positive Bilanz zu LIBS-Sortierung Recycling-Portal: Neuer Recyclingofen für Getränkedosen eingeweiht Resources, Conservation and Recycling: Recycling aluminum alloys for the automotive industry: Breaking the source-sink paradigm Montanuniversität Leoben: Development of sustainable aluminum alloys from mixed automotive scrap



  • Plastiksteuer: Gewogen wird das Plastik, nicht der Kreislauf

    Ab Juli 2027 soll jedes Kilo Kunststoff in Verpackungen 55 Cent Steuer kosten. Ob sich die Verpackung recyceln lässt, spielt für den Betrag keine Rolle. Ab dem 1. Juli 2027 sollen Hersteller und Importeure für jede Tonne Kunststoff in Verpackungen 550 Euro Steuer zahlen. So sieht es der neue Gesetzentwurf vor. Die Koalitionsfraktionen von Union und SPD wollen ihn als Änderungsantrag in das Haushaltsbegleitgesetz 2027 einbringen. Auf einen Joghurtbecher entfallen dann gut ein Viertel Cent und auf eine große PET-Flasche knapp zwei Cent. Ab 2028 rechnet der Entwurf mit Einnahmen von knapp 1,5 Milliarden Euro pro Jahr. Brüssel berechnet einen Teil von Deutschlands EU-Beitrag nach dem Verpackungsplastik, das nicht recycelt wird. Das sind rund 1,4 Milliarden Euro pro Jahr, die bisher aus dem Bundeshaushalt bezahlt werden. Die neue Steuer soll laut Entwurf dauerhaft einen Betrag in dieser Höhe einspielen, besteuert dafür aber jedes Kilo Kunststoff, das in Verkehr gebracht wird. Eine gut recycelbare Flasche aus reinem Polyethylen zahlt pro Kilo ebenso viel wie eine Mehrschichtfolie, die meist verbrannt wird. Auch Mehrwegverpackungen sind nicht ausgenommen. Sie werden aber nur einmal besteuert, nicht bei jeder neuen Befüllung. Eine Mehrwegkiste ist schwerer und kostet einmalig mehr Steuer als eine Einwegverpackung, auf viele Umläufe verteilt aber weniger. Anders behandelt der Entwurf Kunststoff, der schon einmal recycelt wurde: Für ihn soll die Steuer auf Antrag entfallen. Das Verfahren will die Bundesregierung aber erst später per Verordnung regeln, einen Termin nennt der Entwurf nicht. Solange die Verordnung fehlt, wird recycelter Kunststoff genauso besteuert wie neuer. Dabei ist neuer Kunststoff ohnehin billiger, und die Ausnahme würde diesen Preisnachteil verringern. Davon würden Europas Kunststoffrecycler profitieren. Der Kreislaufwirtschaftsexperte Henning Wilts vom Wuppertal Institut spricht von einer nie dagewesenen Insolvenzwelle in der Branche. Verbundverpackungen aus Papier oder Karton unterliegen der Steuer erst ab einem Kunststoffanteil von fünf Prozent. Wilts erwartet deshalb, dass Hersteller auf Papier und Karton ausweichen. Das sei jedoch nicht unbedingt ökologisch besser. Er würde stattdessen danach unterscheiden, ob sich eine Verpackung recyceln lässt: „Ein System, das grundsätzlich recycelfähige Verpackungen ökonomisch belohnt, wäre aus meiner Sicht deutlich sinnvoller“, sagte er dem Spiegel. Italien und Frankreich machen das bereits: Dort zahlen Hersteller niedrigere Entsorgungsgebühren, wenn ihre Verpackungen gut recycelbar sind. Die Deutsche Umwelthilfe begrüßt die Steuer, schlägt aber vor, sie auf Einwegverpackungen zu beschränken und auf Papier und Metall auszuweiten. Acht Wirtschaftsverbände kritisieren vor allem das Verfahren. Sie haben das Kanzleramt aufgefordert, die Steuer nicht im Schnellverfahren über den Haushalt zu beschließen, ohne dass es einen Kabinettsbeschluss zum Gesetzestext gibt. Der Haushaltsausschuss berät am 12. November abschließend, am 27. November soll der Bundestag den Haushalt verabschieden.   Quellen:  Deutscher Bundestag: Der Weg zum Bundeshaushalt 2027 vom Entwurf zum Beschluss ZDF heute: Bundesregierung plant neue Plastiksteuer EUWID: Plastiksteuer: 550 € je Tonne – auch Mehrweg wäre betroffen neue verpackung: Plastiksteuer: 550 Euro je t – Verbraucher sollen mitzahlen DER SPIEGEL: »Ich wundere mich, warum nur Kunststoff besteuert wird« PlastXnow: Mehr Recycling, mehr Geld – geht es wirklich so einfach?



  • Kreislauffähig gebaut: Ein Supermarkt zum Zerlegen

    Ein Supermarkt steht meist nur rund 20 Jahre, dann kommt der Bagger. Bei Dachau entsteht ein Markt, dessen Baustoffe danach in neue Gebäude wandern sollen. In Haimhausen im Landkreis Dachau entsteht ein Edeka-Markt, der sich laut dem Regensburger Projektentwickler Ratisbona zu 98 Prozent demontieren lässt. „Nichts ist geschossen, nichts zusammenbetoniert“, sagt Ratisbona-Sprecher Frank Schlieder. Selbst die Fundamente sind verschraubt und die Bauteile sind gesteckt statt verklebt. Der Markt soll noch dieses Jahr öffnen. Dach und Boden des Holzständerbaus sind mit Schaumglas-Schotter gedämmt, einem aufgeschäumten Altglas, das sich mehrfach recyceln lässt. In andere Hohlräume wurden Zelluloseflocken geblasen. „Die kann man dann einfach wieder absaugen und anderswo verwenden“, sagt Bernhard Holler, der bei Ratisbona für die technische Entwicklung zuständig ist. Einige Hersteller erproben dafür inzwischen Pappe statt Zeitungspapier, da es immer weniger Zeitungen, aber immer mehr Pakete gibt. Die Holzwände kommen ohne Leim aus und sind mit Lehm verputzt. Ein Gebäudepass hält für jedes verbaute Material fest, woher es stammt, ob es gesundheitlich unbedenklich ist, wie es sich trennen lässt und welchen CO2-Fußabdruck es hat. Dem Zement mischte Ratisbona recyceltes Material und Pflanzenkohle bei, also verkohlte Biomasse, die Kohlenstoff speichert. Geplant war mehr Pflanzenkohle, doch sie war nicht in der nötigen Menge lieferbar. Laut Schlieder kommen viele der neuen Baustoffe von kleinen Firmen, die schnell an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. Zudem taten sich Betonwerke mit dem dunkler gefärbten Zement schwer. Was der Markt genau gekostet hat, sagt das Unternehmen nicht, nur, dass er teurer war. Die Mehrkosten legt es nach eigenen Angaben nicht auf die Miete von Edeka um. Für seine Standardbauweise nennt Ratisbona dagegen eine Zahl: 15 bis 20 Märkte errichtet das Unternehmen jährlich in Holzständerbauweise. Laut eigenen Angaben ist diese fünf bis sieben Prozent günstiger als die Bauweise mit Ziegeln und Beton. Die Erkenntnisse aus Haimhausen sollen in eine „wiederholbare und wirtschaftliche Marktreife“ übersetzt werden, so das Unternehmen selbst. In den Niederlanden ist die Umweltlast von Baustoffen gesetzlich begrenzt: Wer dort Wohnungen oder Büros neu baut, muss sie für die Baugenehmigung über den gesamten Lebenszyklus berechnen und einen Grenzwert einhalten. Seit Juli 2026 gilt das erstmals auch für Läden, Schulen und Hallen. In Deutschland gibt es keinen solchen Grenzwert. Die EU verlangt ab 2028 zunächst nur, die Treibhausgasbilanz großer Neubauten zu berechnen und im Energieausweis anzugeben. Die vollständigen Daten seines Gebäudepasses will Ratisbona zur Eröffnung freiwillig veröffentlichen. Quellen: DREES & Sommer: Thought through from Start to Finish: the Circular LOOP Supermarket in Haimhausen RATISBONA: Die Grundsteinlegung des ersten LOOP Markts ist erfolgt RATISBONA: LOOP Vision – Neue Kultur des Bauens OVAM: Flanders, the Netherlands, and North Rhine-Westphalia Strengthen Cooperation on Circular Economy



  • OP-Werkzeug: Einweg soll zurück in die Produktion

    Einweg-Werkzeug aus dem OP besteht aus Edelstahl und hochwertigen Kunststoffen. Nach einer einzigen Operation landet es trotzdem im Ofen. Jetzt sammeln 16 Kliniken es für den Kreislauf. Seit Oktober sammeln 16 Kliniken in Deutschland ihre benutzten Einweginstrumente. Skalpelle, Pinzetten und Klemmen werden nicht mehr zusammen mit dem übrigen Klinikabfall verbrannt, sondern kommen in eigene Behälter. Diese werden von Remondis Medison, dem Spezialisten für medizinische Abfälle, abgeholt und in eine spezielle Anlage im sächsischen Zwönitz gebracht. Das Projekt wird erstmals von mehreren Herstellern gemeinsam finanziert: Zehn Medizinproduktehersteller, darunter B. Braun, Johnson & Johnson Medtech, Medtronic, Olympus und Paul Hartmann, tragen die Kosten. Beteiligt ist außerdem eine Einkaufsgemeinschaft der Kliniken. Die Leitung hat das Bonner Unternehmen Circularmed, das auf Abfallmanagement in Krankenhäusern spezialisiert ist. Einweginstrumente bestehen aus Edelstahl und hochwertigen Kunststoffen, aufwendigere Geräte enthalten zusätzlich Elektronik und Akkus. Nach einer einzigen Operation sind sie bisher Abfall. Rund 8.000 Tonnen fallen nach gängiger Schätzung jedes Jahr in deutschen Kliniken an. Die Initiative „Der Weiße Punkt“, unter deren Dach das Projekt läuft, geht davon aus, dass bis zu 80 Prozent der nicht infektiösen Einwegabfälle aus Kliniken verbrannt werden. Bereits im Jahr 2020 startete das Asklepios Klinikum Harburg gemeinsam mit dem Hersteller Ethicon ein Rücknahmesystem. Die OP-Teams desinfizierten die Instrumente nach dem Eingriff selbst und sammelten sie in verschlossenen Behältern. Laut der Klinik wurden die Metallteile vollständig recycelt, während die kleinen Kunststoffteile aus Hygienegründen weiter verbrannt wurden. Recycelt wurden bei diesem Pilotprojekt bisher nur Geräte von einem Hersteller, obwohl im OP Produkte vieler verschiedener Hersteller nebeneinander liegen. Deshalb setzt Circularmed-Projektleiterin Luise Billen auf einen gemeinsamen Ansatz statt auf Insellösungen einzelner Akteure. Das gemeinschaftliche Recycling solle „der neue normale Prozess in Deutschland werden“, sagt Daniel Unger, Nachhaltigkeitsmanager bei Ethicon. In der Anlage in Zwönitz werden die Instrumente im Autoklaven dekontaminiert und anschließend in Metalle, Kunststoffe und Elektronik getrennt. Metalle und Kunststoffe gelangen als Rohstoffe zurück in die Produktion. Das Projekt ist als Lernvorhaben angelegt. Es soll klären, welche Materialien sich für ein hochwertiges Recycling eignen und ob sich das System auf weitere Kliniken und andere Abfallströme im Gesundheitswesen übertragen lässt. Die Regeln für die Entsorgung von Klinikabfällen zielen vor allem auf Arbeits- und Infektionsschutz ab. Der Medizintechnikverband BVMed fordert deshalb eine Überarbeitung: Das Recycling hygienisch unbedenklicher Klinikabfälle soll ohne Sonder- oder Ausnahmegenehmigungen bundesweit möglich werden. Nach dem Vorschlag dürften Abfälle auch erst beim Entsorger dekontaminiert werden und nicht nur in der Klinik. Im Pilotprojekt übernimmt dies bereits die Anlage in Zwönitz. Im OP hat Einweg gute Gründe, allen voran die Sterilität. Aber auch Einmalprodukte dürfen in Deutschland unter strengen Auflagen aufbereitet und erneut eingesetzt werden. Einweg muss also nicht Verbrennung heißen: Was sich nicht aufbereiten lässt, kann als Metall und Kunststoff zurück in die Produktion gehen.   Quellen: ZUKE Green / Circularmed: Initiative „Der Weiße Punkt“ startet erstmals herstellerübergreifendes Pilotprojekt Fraunhofer IWKS: Hochwertiges Recycling medizinischer Einweginstrumente Zuke Green: Der Weiße Punkt – Zur Circular Economy MGB Medizin: Recycling im OP? – Projekt verwertet bald OP-Einweginstrumente Haufe: Kreislaufwirtschaft im OP Umwelt Wirtschaft: Recycling auf Rezept  



  • Reverion: Kraftwerk und Wasserstofffabrik im Container

    Reverion ist für den Deutschen Zukunftspreis nominiert, weil sein Kraftwerk „die letzten Lücken der Energiewende“ schließen soll. Die Investoren setzen ihre 150 Millionen Euro auf etwas anderes: Strom rund um die Uhr. Reverion aus Eresing bei München baut kleine Kraftwerke im Container, die mit Brennstoffzellen aus Gas Strom erzeugen. Für den Ausbau der Fertigung hat das Unternehmen rund 150 Millionen Euro eingeworben, unter anderem von der Allianz und KfW Capital. Die neue Fabrik soll zehnmal so viele Kraftwerke bauen wie heute und bis zu 800 Arbeitsplätze schaffen. Begründet wird die Finanzierung mit der neuen Kundschaft: Rechenzentren. Die ersten Anlagen stehen auf dem Land, als Container neben Biogasanlagen. Dort treibt das Gas aus Gülle und Pflanzenresten meist einen Motor an, der weniger als die Hälfte der Energie zu Strom macht. Reverion ersetzt ihn durch Brennstoffzellen: In heißer Keramik reagiert das Gas ohne Flamme mit dem Sauerstoff der Luft. So werden knapp drei Viertel der Energie zu Strom, nach Firmenangaben Weltrekord für Kraftwerke dieser Art. Weil Gas und Luft in der Zelle getrennt bleiben, fällt das CO2 nicht verdünnt im Abgas an, sondern fast rein. Es lässt sich verflüssigen und zum Beispiel tief im Gestein einlagern. Stammt es aus Biogas, holt die Anlage so unter dem Strich CO2 aus der Atmosphäre. Außerdem kann die Zelle auch „rückwärts“ laufen: Bei zu viel Wind- und Solarstrom macht sie aus Strom Wasserstoff oder Methan, die sich für später speichern lassen. Dafür ist das Team um Gründer Stephan Herrmann für den Deutschen Zukunftspreis nominiert, als Kraftwerk, das „die letzten Lücken der Energiewende“ schließt. Nach Firmenangaben kommt die Nachfrage zunehmend von Rechenzentren. An Standorten wie Frankfurt warten sie laut der Denkfabrik Ember oft sieben bis zehn Jahre auf einen Netzanschluss. Reverions Container liefern den Strom stattdessen direkt neben den Servern, gespeist aus dem örtlichen Gasnetz. Durch die Gasleitung fließt fast nur Erdgas. Der Strom bleibt dann fossil, nur effizienter erzeugt. Das CO2 fällt zwar auch hier fast rein an. Gespeichert wird es aber nur, wenn jemand Transport und Lager bezahlt, sonst entweicht es wie bei jedem Gaskraftwerk. Und wer den Container aufstellt, weil der Netzanschluss fehlt, braucht seinen Strom ununterbrochen. Dann kann die Anlage nicht rückwärts laufen, wenn im Netz Wind- und Solarstrom übrig ist. Die Fähigkeit, Überschussstrom zu speichern, bliebe im Rechenzentrum deshalb wohl weitgehend ungenutzt. Herrmann nennt seine Anlage „die steuerbare, CO2-negative Maschine“. Das gilt allerdings nur mit Biogas und einem Lager für das CO2, und beides hängt am Standort, nicht an der Zelle. Was die neue Fabrik tatsächlich liefert, entscheidet deshalb die Nutzung. Auf dem Biogashof können ihre Anlagen CO2 aus der Luft holen und Überschussstrom speichern. Neben dem Server sind sie vor allem effiziente Gaskraftwerke im Container. Quellen: Reverion: 175 Millionen Dollar für Reverion: Megafactory soll Produktion des effizientesten Kraftwerks der Welt verzehnfachen Deutscher Zukunftspreis: Nominiert 2026 – Dunkelflaute und Hellbrise Frontier: Reverion and Frontier advance new biogas carbon removal pathway Ember Thinktank: Grids for data centres: Ambitious grid planning can win Europe’s AI race



  • Verpackungssteuer: Eine Abgabe, die schrumpfen soll

    Potsdam hat eine Steuer eingeführt, die umso besser wirkt, je weniger sie einbringt. Ihr Ziel sind Einwegbecher. Im Streit zwischen Rathaus und Gastronomie fliegen die Zahlen hin und her. Seit dem 1. Oktober kostet jeder Einwegbecher und jede Essensschale in Potsdam 50 Cent Steuer, Einwegbesteck 20 Cent. Zahlen müssen Bäckereien, Imbisse und Cafés, die Speisen und Getränke zum Mitnehmen verkaufen. Ob sie den Betrag an ihre Kundschaft weitergeben, entscheiden sie selbst. Potsdam ist die erste Stadt in Brandenburg mit einer solchen Abgabe und nach Tübingen, Konstanz und Freiburg die vierte in Deutschland. Ab 2027 rechnet die Verwaltung mit Einnahmen von rund einer Million Euro im Jahr, die den Haushalt entlasten sollen. Die Steuer ist jedoch als Lenkungssteuer gedacht: Sie soll Einwegverpackungen so verteuern, dass sich Mehrwegverpackungen an der Theke lohnen. Je besser das gelingt, desto weniger nimmt die Stadt ein. Diesen Preisunterschied schafft das Bundesrecht bislang nicht. Seit 2023 müssen Gastronomen zwar Mehrwegangebote bereitstellen, doch kleine Betriebe sind ausgenommen. Laut der Deutschen Umwelthilfe (DUH) sind das mehr als 60 Prozent der Betriebe. Die Erfahrungen mit den Vorgängerregelungen fallen gemischt aus. In Tübingen wuchs zwar das Mehrwegangebot, doch laut einer Studie der dortigen Universität sank das Gewicht des Mülls in den städtischen Abfalleimern nicht. Konstanz maß gemeinsam mit der Universität Konstanz in den ersten neun Monaten 4,7 Prozent weniger Abfall im öffentlichen Raum, umgerechnet rund eine Million Einwegbecher. Zugleich wurden im ersten Jahr mehr als eine Million Euro eingenommen. Eine im Auftrag von DIHK, Handel und Verpackungsbranche erstellte Studie kommt zu einem anderen Ergebnis: Selbst wenn jede Kommune die Steuer erhöbe, würde der Verpackungsverbrauch bundesweit nur um 0,04 Prozent sinken, auch weil Kunden auf abgepackte Ware aus dem Supermarkt ausweichen würden. Umweltverbände werfen der Studie vor, lokale Effekte an nationalen Mengen kleinzurechnen. Beide Rechnungen sind in sich schlüssig, sie messen nur an verschiedenen Orten: die eine am Mülleimer im Park, die andere an der Verpackungsbilanz des ganzen Landes. Dass überhaupt Städte einspringen, liegt an einer Lücke des Bundes. Eine bundesweite Einwegabgabe an der Theke, wie sie von Umweltverbänden seit Jahren gefordert wird, gibt es nicht. So entsteht ein Flickenteppich und die Länder ziehen in entgegengesetzte Richtungen. Bayern hat kommunale Verpackungssteuern zum Januar 2026 per Gesetz verboten, München und Nürnberg hatten sie bereits geprüft. Der Handelsverband Berlin-Brandenburg hält den Potsdamer Start angesichts steigender Preise und sinkender Umsätze für denkbar ungünstig. Ob die Steuer wirkt, wird Potsdam an seinen Quartalserklärungen ablesen können. Sinken die Einnahmen, wirkt sie. Bleiben sie stabil, hat die Stadt vor allem eine neue Geldquelle. Quellen: Universität Tübingen: Studie zur Wirkung der Tübinger Verpackungssteuer Tageskarte: Potsdams Unternehmen lehnen Verpackungssteuer ab Deutsche Umwelthilfe: Verpackungssteuer in Konstanz wirkt GVM: Ökonomische und ökologische Bewertung der Auswirkungen kommunaler Verpackungssteuern DIHK: Lassen sich Verpackungsabfälle wegbesteuern? Deutsche Umwelthilfe: Branchenstudie unterschätzt Wirkung kommunaler Verpackungssteuern: Faktencheck der Initiative Verpackungswende zeigt Schwächen bei Daten und Bewertung Kommunal: Deckel drauf? Bayern verbietet Städten die Verpackungssteuer



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