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Start »Bibliothek»Kolumnen»

Veröffentlicht am24. Dezember 202010. Februar 2021Autorgh

Das Solarify-Team wünscht frohe Weihnachten und ein besseres neues Jahr als es 2020 in Bezug auf das Virus war!

KategorienKolumnen

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– Energie für die Zukunft –

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Verwandte Themen

  • Mineralwolle: Österreich recycelt, Deutschland deponiert

    In Deutschland landen jedes Jahr tausende Tonnen Mineralwolle auf der Deponie, recycelt wird sie fast nie. Nicht, weil es nicht ginge, sondern weil niemand muss. Österreich zeigt, dass es auch anders geht. Ab dem 1. Januar 2027 darf Mineralwolle in Österreich nicht mehr deponiert werden. Der Dämmstoffhersteller Knauf Insulation baut deshalb in Ferndorf in Kärnten die erste Recyclinganlage des Landes für Glas- und Steinwolle. Das Unternehmen investiert 30 Millionen Euro. Die Anlage soll Ende 2026 in Betrieb gehen. Das eigentlich Neue steckt in einem Wort: herstellerunabhängig. Laut Firmenangaben verarbeitet die Anlage alle Arten von Mineralwolle, auch die aus Rückbau und Sanierung, unabhängig davon, welche Marke einmal verbaut wurde. Bislang läuft das Dämmstoff-Recycling anders. Rücknahmesysteme wie Rockcycle von Rockwool oder Resulation von Knauf holen zwar Verschnitt von der Baustelle, sind aber auf das eigene, saubere Neumaterial zugeschnitten. Was beim Abriss eines jahrzehntealten Hauses anfällt, fremd und mit Putz und Kleber verklebt, bleibt außen vor. Es existieren zwar auch hier Recyclingwege, doch sie enden, wenn das Material von der falschen Marke stammt oder zu alt und verschmutzt ist. Genau diese Lücke will Knauf in Kärnten schließen, während sie im weit größeren deutschen Markt offen bleibt. Österreichs neue Deponieverordnung stuft Mineralwolle künftig als verwertbaren Abfall ein, der nicht mehr vergraben werden darf. Damit entsteht ein Materialstrom, der von einem Tag auf den anderen irgendwohin muss. Das Sammeln übernimmt der Abfalldienstleister ABCO mit einem österreichweiten Netz. Warum die Mineralwolle bisher liegenblieb, hat mit ihrer Beschaffenheit zu tun. Sie ist leicht und sperrig, beim Rückbau verklebt sie mit Baustoffresten, und ältere Ware ist ein Fall für sich. Dämmungen aus der Zeit vor der Jahrtausendwende sind gefährlicher Abfall. Ihre Fasern stehen im Verdacht, Krebs zu erregen, und müssen als Sondermüll entsorgt werden. Ein großer Teil dessen, was in den kommenden Jahren bei Sanierungen anfällt, besteht aus genau diesem Material. Bisher wird Mineralwolle allenfalls als Füllstoff verwendet und verschwindet als Ballast im Deponiekörper oder im Straßenunterbau. Eine Anlage, die aus alter Glaswolle wieder Glaswolle macht, schließt den Kreis auf dem Wertniveau, statt ihn nach unten zu öffnen. Knauf hat die geplante Kapazität bisher nicht genannt, und der Antrieb ist ein Verbot, kein Markt. Es bleibt die Frage, die über solchen Projekten steht: Entsteht der Kreislauf nur dort, wo ein Gesetz ihn erzwingt? Quellen: IV Kärnten: Knauf Insulation baut erste Recyclinganlage für Mineralwolle Knauf Insulation: Wir bauen Österreichs erste Recyclinganlage für Mineralwolle Rockwool: Steinwolle entsorgen: Abfallrücknahme-Service Rockcycle ABCO: Recyclinganlage von Knauf Insulation



  • Alte Solarmodule: Wenn kein Kreislauf entsteht

    Das Lebensende der Solarmodule wird zum Testfall für die Kreislaufwirtschaft. Die erste große Rücklaufwelle rollt an, und die Verwertungsquote ist hoch. Doch genau das ist ein Problem. Bereits 2021 betrug die insgesamt installierte Menge an PV-Modulen in Deutschland ungefähr fünf Millionen Tonnen, mit einem Siliziumanteil von 150.000 Tonnen. Diese erreichen nun ihr Lebensende. Durch das Auslaufen der EEG-Vergütung wird das beschleunigt. Prognosen für 2030 reichen von rund 400.000 Tonnen bis zu einer Million Tonnen Altmodule pro Jahr. Aktuell werden von Altmodulen nur das Aluminium, Glas und Kupfer neu aufbereitet, nicht aber die Silizium-Solarzellen. Auf dem Papier ist der Kreis geschlossen. Hersteller müssen sie seit 2015 zurücknehmen und eine Verwertungsquote erreichen. Doch die Quote misst nur, dass das Material irgendwie weiterverwendet wird, nicht, ob es tatsächlich im Kreis läuft. Ein Modul besteht zu über zwei Dritteln aus Glas, hinzu kommt der Aluminiumrahmen. Wird es geschreddert, zählen Glas und Aluminium und die Quote ist aufgrund des Gewichts erreicht. Nicht beachtet wird, dass strategisch wichtige Rohstoffe hier massenhaft verloren gehen. In den Zellen steckt Silizium, dessen Herstellung sehr energieintensiv ist. Pro Modul sind es nur wenige Gramm Silizium und Silber. Doch bei dem Volumen an Altmodulen, das jedes Jahr anfallen wird, reden wir hier von erheblichen Mengen. Das Glas wird meist downgecycelt, also zu Dämmmaterial verarbeitet, statt zu neuem Solarglas. Dass es auch hochwertig geht, zeigen mehrere Beispiele: So hat das Fraunhofer-Zentrum für Silizium-Photovoltaik mit dem größten deutschen Modulrecycler Reiling ein nasschemisches Verfahren entwickelt, das Silizium und Silber aus den Zellen herauslöst. Aus dem zurückgewonnenen Silizium ließen sich neue Solarzellen mit einem Wirkungsgrad von fast 20 Prozent fertigen, also kaum weniger als bei der Neuware. Das Dresdner Unternehmen Flaxres sprengt Solarmodule mit kurzen, energiereichen Lichtblitzen, statt sie zu zermahlen, und holt nach eigenen Angaben aus 7,5 Tonnen Modulen über 200 Kilogramm Silizium, vier Kilogramm Silber und knapp fünf Tonnen sauberes Glas. Diese beiden Beispiele verarbeiten heute etwa tausende Tonnen im Jahr, während die Rücklaufmengen voraussichtlich bald das Hundertfache übersteigen. Außerdem fehlen aktuell Anreize, das Material überhaupt im Kreislauf zu führen. Für Prüfung, Bearbeitung und das Organisieren der Materialflüsse fehlen die nötigen Strukturen. Die Technik, die Ressourcen aus alten Modulen zu gewinnen, und sogar die Möglichkeit, sie wieder zu Solarzellen zu machen, existieren. Was fehlt, ist, dass die Quote oder Vorgaben den Kreislauf belohnen statt den Glasbruch. Solange die Verwertung die kritischen Rohstoffe nicht berücksichtigt, werden hunderte Tonnen Silizium und Silber mit dem  Altglas in Baustoffen landen. Quellen: Flaxres: Der Blitz erledigt die Arbeit pv magazine: Flaxres gelingt Industrialisierung seiner Recyclinganlagen für Solarmodule Fraunhofer ISE: PERC-Solarzellen aus 100 Prozent recyceltem Silizium Deutsche Umwelthilfe:  Alte Solarmodule für Klima- und Ressourcenschutz nutzen  Umweltbundesamt: Photovoltaik



  • Neues Verpackungsrecht ab 12. August: Was sich ändert

    Für Hersteller und Handel ändert sich einiges, vor allem beim Recycling: strengere Vorgaben, mehr Pflichten, Bußgelder bis 200.000 €. Doch beim Mehrweg, dem eigentlichen Kreislauf, geht es rückwärts.   Das Verpackungsgesetz von 2019 wird durch das Verpackungsrecht-Durchführungsgesetz (VerpackDG) ersetzt, mit dem die EU ihre Verpackungsverordnung PPWR europaweit einheitlich in Kraft setzt. Für Hersteller, Importeure und den Handel bedeutet das neue Pflichten: Sie müssen sich registrieren und genehmigen lassen, Geld für Abfallvermeidung zurücklegen und dafür sorgen, dass ihre Verpackungen recyclingfähiger werden und mehr Altmaterial verwenden. Wer die Vorgaben verletzt, riskiert Bußgelder von bis zu 200.000 €. Das Gesetz übt somit einen erheblichen Druck für mehr Recycling aus. Das volle Potenzial der Kreislauflogik nutzt es leider nicht: Es setzt auf Recycling und keine Wieder- oder Weiterverwendung. Wie bei der Mehrwegflasche. Sie wird nicht geschreddert und neu gegossen, sondern gereinigt und je nach Flasche 25 bis 50 Mal wieder befüllt. So bleibt das Produkt im Kreislauf, nicht nur der Rohstoff, und das spart so massiv an Material, Energie und Abfall. Seit über zwanzig Jahren ist das Ziel von 70 Prozent Mehrwegverpackungen im Gesetz. Erreicht wird jedoch nur gut ein Drittel. Seit der Einführung des Einwegpfands im Jahr 2003 ist der Anteil sogar gefallen. Im Regal dominiert die Einweg-Plastik-Pfandflasche. Für die ganze EU macht das neue Gesetz Mehrweg bei Getränken erstmals zur Pflicht, aber auf niedrigem Niveau: zehn Prozent ab 2030, weniger als Deutschland heute schon erreicht. Ursprünglich war beim Gesetzentwurf geplant, dass die Hersteller von Einwegverpackungen verpflichtend in einen Topf einzahlen, aus dem Mehrwegsysteme gefördert werden. Im beschlossenen Gesetz wurde daraus jedoch eine freiwillige Ausgabe nach eigenem Ermessen. Die Deutsche Umwelthilfe nennt das eine „Rolle rückwärts“. Auch der Verband Pro Mehrweg vermisst das Vorhandensein jeglicher Instrumente, um Mehrwegziele zu erreichen. Frankreich zeigt, dass so etwas funktioniert: Dort fließen per Gesetz jedes Jahr Millionen in Mehrwegsysteme. Solange so etwas fehlt, bleibt Mehrweg eine Frage des guten Willens im Regal.   Quellen: IHK Schleswig-Holstein: Pflichten der EU-Verpackungsverordnung (PPWR) ab 12. August 2026 Umweltbundesamt: Anteil von Getränken in Mehrwegverpackungen leicht gesunken Frischeingeschenkt: Neues Verpackungsgesetz: Chancen zur Mehrwegförderung bleiben aus Sicht von Pro Mehrweg ungenutzt packaging Journal: VerpackDG: What will change with the new Packaging Act getränke-news: Kabinett hält an 70-Prozent-Mehrwegquote fest Deutsche Umwelthilfe: Bundeskabinett beschließt Verpackungsgesetz     



  • Kohleausstieg 2030: Rückwärtsgang mitten in der Klimakrise?

    Ernteausfälle, Waldbrände und Niedrigwasser. Während wir neue Negativrekorde erleben, scheint es dass der Bund ausgerechnet jetzt den beschleunigten Kohleausstieg zurücknehmen wird. Zum 15. August 2026 läuft eine Frist ab, die 2020 im Kohleausstiegsgesetz festgelegt wurde. Bis dahin muss die Bundesregierung über die Zukunft von drei Braunkohleblöcken im Rheinischen Revier entscheiden. Ursprünglich war ihre endgültige Abschaltung Ende März 2030 vereinbart, doch nun zeichnet sich ab, dass sie stattdessen mindestens bis 2033  in Reserve gehen. Das „Kohleverstromungsbeendigungsgesetz“ sieht Überprüfungen zum 15. August der Jahre 2022, 2026, 2029 und 2032 vor. Diese Termine waren als Prüfsteine gedacht, um zu sehen, ob sich der Ausstieg vorziehen lässt. Der Bewertungsbericht, auf dem die Entscheidung beruhen soll, liegt bisher nicht vor. Doch wird erwartet, dass die Regierung von Friedrich Merz diesen Paragrafen nutzen wird, um den Kohleausstieg zu bremsen. 2022 zogen die vorige Bundesregierung zusammen mit dem Land NRW und RWE den Ausstieg im Rheinischen Revier um acht Jahre vor: von 2038 auf 2030. Rund 280 Millionen Tonnen Braunkohle sollten dadurch dauerhaft im Boden bleiben und ebenso viele Tonnen CO2 nicht in die Luft gelangen. „Reserve” bedeutet in diesem Fall, dass die Blöcke keinen Strom mehr am Markt verkaufen, aber betriebsbereit bleiben und bei Engpässen hochgefahren werden können. Es hört sich aber neutraler an, als es ist. Denn solange die Kraftwerke bereitstehen, laufen auch die Bagger. Dieser Schritt steht jedoch nicht für sich allein: Dieselbe Regierung hat mit der jüngsten EEG-Novelle die feste Einspeisevergütung für neue Solaranlagen gestrichen und damit den Ausbau ausgebremst. Die Kohle wird verlängert, die erneuerbare Alternative geschwächt. „Ich bin nicht bereit, den Kern unserer Energieversorgung aufs Spiel zu setzen, bloß weil wir vor Jahren Ausstiegsdaten beschlossen haben“, sagte Friedrich Merz im März 2026 auf dem FAZ-Kongress. Die Gaskraftwerke, die die Kohle ersetzen sollen, wurden bislang kaum in Auftrag gegeben. Damit legt sich die Regierung gleich doppelt auf fossile Verbrennung fest. Selbst wenn das Gas rechtzeitig käme, bliebe die Antwort fossil: Es verbrennt zwar sauberer als Braunkohle, ersetzt diese aber lediglich durch einen anderen fossilen Brennstoff statt durch Wind- und Sonnenenergie. Und bis die Gaskraftwerke stehen, muss die Lücke vorerst die Kohle füllen. Vom Ende des Kohleausstiegs zu sprechen, wäre falsch. Der gesetzliche Schlusspunkt im Jahr 2038 steht  fest. Es geht um das Tempo, also den beschleunigten Ausstieg bis 2030, der für die Klimaziele im Stromsektor nötig ist. In diesem Sommer sind in Deutschland bis Ende Juli rund 11.900 Menschen an der Hitze gestorben, so schätzt es das Robert Koch-Institut. Die Flüsse führen Niedrigwasser, die Böden sind ausgetrocknet, die Ernte fällt aus. Und die Antwort der Bundesregierung lautet: Kohle länger, Gas dazu, Energiewende bremsen. Quellen: Aachener Zeitung: NRW bereitet sich auf Scheitern des Kohleausstiegs vor RKI: Wochenbericht zur hitze­bedingten Morta­lität UFZ Helmholtz: Dürremonitor Deutschland t-online: Merz stellt Fahrplan für Kohleausstieg infrage



  • EEG 2027: Feste Vergütung fällt und Einspeisung wird gedeckelt

    Wer ab 2027 eine Solaranlage aufs Dach setzt, bekommt keine feste Vergütung mehr. Das Kabinett hat die größte EEG-Reform seit Jahren beschlossen. Sie verschiebt vor allem eines: das Risiko. Das Bundeskabinett hat am 29. Juli den Entwurf für ein neues Erneuerbare-Energien-Gesetz beschlossen, dazu ein Netzpaket zur Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche bezeichnet es als Paradigmenwechsel: „Erstmals berücksichtigen wir beim Zubau systematisch, wo neue Anlagen netzsinnvoll sind.“ Übersetzt bedeutet das: Künftig entscheidet auch die Standortwahl über die Wirtschaftlichkeit einer Anlage. Für die Planung von Dachanlagen ist das ein Bruch. Die feste Einspeisevergütung für Neuanlagen entfällt. An ihre Stelle tritt für höchstens 36 Monate eine Übergangszahlung. Danach muss der Strom am Markt verkauft werden. Der Zugang schrumpft dabei schrittweise: Ab 2027 gilt die Übergangszahlung nur noch für Anlagen unter 50 Kilowatt, ab 2028 für Anlagen unter 25 Kilowatt und ab 2029 für Anlagen unter sieben Kilowatt. Wer ab 2030 in Betrieb geht, muss seinen Strom von Anfang an selbst vermarkten. Parallel dazu sinken die Sätze. Der Fördersatz wird einheitlich auf 6,2 Cent je Kilowattstunde festgelegt. Die höheren Werte für Gebäudeanlagen entfallen und die Übergangszahlung liegt noch einen Cent darunter. Heute bekommt eine kleine Dachanlage knapp acht Cent. Wer bis Ende 2026 ans Netz geht, behält seine Konditionen über die volle Laufzeit. Bei kleinen und mittleren Dachanlagen wird die Einspeisung am Netzverknüpfungspunkt dauerhaft auf 50 Prozent der Anlagenleistung begrenzt. Wer 30 Kilowatt auf dem Dach hat, darf nur 15 Kilowatt ins Netz geben; der Rest muss im Haus verbraucht oder gespeichert werden. Ein Batteriespeicher wird damit zur Bedingung. Außerdem dürfen Netzbetreiber Bereiche als kapazitätsbegrenzt ausweisen, wenn dort im Vorjahr mehr als fünf Prozent der Strommenge abgeregelt werden mussten. Neue Wind- und Solarparks bekommen dort nur einen Anschluss, wenn sie auf einen teil ihrer Entschädigung verzichten: bis zu 20 Prozent ihres Jahresertrags. Das Ministerium begründet dies mit den Kosten des Netzengpassmanagements von rund drei Milliarden Euro im Jahr. Diese Zahl trägt das Argument jedoch nur zum Teil, denn auf abgeregelte Erneuerbare entfiel zuletzt nur gut ein Fünftel. Der größere Teil geht auf konventionelle, fossile Kraftwerke zurück: Sie werden vor dem Engpass gedrosselt und danach wieder hochgefahren, und weitere Kraftwerke werden allein dafür bezahlt, dass sie bereitstehen. Der Großteil der Kosten wird durch Reservekraftwerke verursacht. Der Bundesverband Solarwirtschaft erwartet nach eigenen Umfragen einen Nachfrageeinbruch von mehr als zwei Dritteln bei Privathaushalten und Kleingewerbe. Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft, hält die Vermarktung an der Börse für kleine Anlagen für „weder technisch noch wirtschaftlich darstellbar”. BEE-Präsidentin Ursula Heinen-Esser bezeichnet die Netzregeln als „potenziell existenzbedrohend”. Zustimmung findet dagegen die neue Vergabelogik: Thüga-Chef Constantin Alsheimer bezeichnet sie als „Korrektur eines zentralen Fehlers der Energiewende: Thüga-Chef Constantin Alsheimer bezeichnet diesen Schritt als „Korrektur eines zentralen Fehlers der Energiewende”. Widerspruch kommt auch aus der Koalition selbst. Die SPD-Energiepolitikerin Nina Scheer warnt, die Direktvermarktungspflicht werde zum K.-o.-Kriterium für viele Projekte. Das aktuelle EEG ist von der EU-Kommission nur bis Ende 2026 genehmigt, danach fehlt die Rechtsgrundlage für die Förderung. Der Bundestag befasst sich erst ab September damit, danach müssen Bundesrat und EU-Kommission zustimmen. Wer die Reform entschärfen will, arbeitet damit gegen dieselbe Frist, die sie erzwungen hat. Es ist zeitlich also knapp, was bedeutet, dass kaum Zeit für Diskussionen, Verhandlungen oder Entschärfungen bleibt. Quellen: • Bundesministerium für Wirtschaft und Energie: EEG-Novelle und Netzanschlusspaket im Bundeskabinett beschlossen pv magazine: Kabinett beschließt Entwürfe zu EEG 2027 und Netzpaket pv magazine: Von „Korrektur eines zentralen Fehlers“ bis „erhebliche Verschlechterungen“: Reaktionen zu EEG und Netzpaket Solarserver: EEG-Novelle und Netzpaket: Breite Kritik an den Regierungsplänen Bundesverband Solarwirtschaft e. V.: EEG-Novelle und Netzpaket gefährden Solarausbau CleanThinking: Faktencheck: Wird wirklich Strom für drei Mrd. Euro pro Jahr weggeworfen?



  • Niedrigwasser: Wenn der Schrott nicht zum Ofen kommt

    Aktueller Engpass für die Kreislaufwirtschaft ist in diesem Sommer die Klimakrise. Warum die Wassertiefe im Rhein ein riesiges Problem ist. Am Pegel Kaub in Rheinland-Pfalz maß die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung am Freitagmittag 26 Zentimeter. Das ist ein Zentimeter mehr als der historische Tiefstand vom Oktober 2018. Der Pegelstand ist keine Wassertiefe, sondern die Zahl, nach der die Schiffer ihre Ladung berechnen. Je tiefer er fällt, desto weniger darf an Bord. Unter rund 40 Zentimetern lohnt sich die Fahrt kaum noch. Das hat Folgen für den Transport und die Rohstoffversorgung der Recyclingbetriebe. Die Auswirkungen haben die Recyclingverbände BDSV, bvse und VDM am 29. Juli in einer gemeinsamen Mitteilung festgehalten. Binnenschiffe auf Rhein, Donau und Oder transportieren nur noch ein Drittel bis die Hälfte ihrer üblichen Ladung, auf Teilen der Oder steht die Frachtschifffahrt still. Die Frachtsätze haben sich auf einzelnen Strecken verdrei- bis vervierfacht, dazu kommen Kosten für Verzögerungen. „Wenn die Transportkapazität auf ein Drittel sinkt, lassen sich diese Mengen nicht einfach auf andere Verkehrsträger verlagern“, sagt BDSV-Geschäftsführer Guido Lipinski. Straße und Schiene haben die Kapazität nicht. Die Mehrkosten bleiben zunächst bei den Recyclingbetrieben, die den Schrott ankaufen, aufbereiten und ausliefern. Dass sie dort dauerhaft hängen bleiben, ist der zweite Punkt, den die Verbände kritisieren. Wie schnell sich das in der Produktion bemerkbar macht, zeigt sich aktuell in Duisburg. Thyssenkrupp Steel hat Mitte Juli die eigenen Schiffe aus dem Verkehr gezogen, da die Fahrrinne nicht mehr tief genug ist. Zudem wurden die Hochöfen vorsorglich etwas gedrosselt. Rund 50.000 Tonnen Einsatzstoffe benötigt das Werk eigenen Angaben zufolge pro Tag. Ersatz kommt nun von gemieteten Schiffen mit geringerem Tiefgang, zu höheren Kosten. Für die Kreislaufwirtschaft ist das ein ungewohnter Befund, denn an Material mangelt es nicht. Stahlschrott ist der größte Sekundärrohstoffstrom des Landes. Laut BDSV und bvse kauften die deutschen Werke 2025 zwölf Millionen Tonnen Schrott, während 7,7 Millionen Tonnen ins Ausland gingen. Der Engpass liegt also im Transport. Was Niedrigwasser kostet, hat das Kieler Institut für Weltwirtschaft nach dem Trockensommer 2018 durchgerechnet. Bleibt der Messwert 30 Tage unter 78 Zentimetern, sinkt die deutsche Industrieproduktion um etwa ein Prozent. Die Verbände fordern eine Sanierung der Bundeswasserstraßen sowie eine Niedrigwasserstrategie, während NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur eine durchgehende Vertiefung ablehnt und auf flachgehende Schiffe setzt. Quellen: BDSV: PM von BDSV, bvse und VDM: Niedrigwasser gefährdet Rohstoffversorgung der Stahlindustrie RecyclingPortal: Niedrigwasser gefährdet Rohstoffversorgung der Stahlindustrie bvse: Schrottbedarf deutscher Stahlindustrie könnte bis 2045 zunehmen  Kiel Institut: Niedrigwasser: Vor allem Rohstoffe und Güter am Anfang der Produktionskette verzögert Handelsblatt: Niedrigwasser am Rhein belastet die Industrie Pegel Kaub: Wasserstand Koblenz



  • Alte Rotorblätter: Rohstoff statt Brennstoff

    Ein Rotorblatt hält zwanzig Jahre Sturm stand. Danach wird es geschreddert und verbrannt. Eine Kooperation soll das nun ändern. Zwei Projekte wurden nun vorgestellt, die den Flügel als Rohstoff behandeln: Bauteil statt Brennstoff. Am Ende seiner Laufzeit wird ein Rotorblatt zersägt und geschreddert. Obwohl es ein extrem robustes Material ist, landet es immer noch in der Verbrennung. Metallteile gehen zwar ins Metallrecycling. Der Rest wird mit Papier und anderen Abfällen zu Ersatzbrennstoff gemischt und im Zementwerk verbrannt. Die Asche der Glasfasern bleibt als Sandersatz im Zement. Das ist Downcycling: Aus einem Bauteil, das Orkane durchgestanden hat, werden Brennstoff und Sand. Und es ist viel Material. Allein die Bremer Firma Neocomp verarbeitet laut Bundesverband WindEnergie rund 30.000 Tonnen davon im Jahr. Ende 2025 waren in Deutschland 29.230 Windräder in Betrieb, ein Drittel davon ist älter als zwanzig Jahre. Dass das Material verbrannt wird, ist viel zu schade. Als es  vor Jahrzehnten entworfen wurde, dachte man nicht an Kreislauf oder Recycling. Wichtig war allein, dass es zwanzig Jahre Sturm, Frost und UV-Strahlung übersteht. Genau diese Haltbarkeit sorgt dafür, dass am Ende der Laufzeit noch tragfähiges Material übrig ist. Was bisher für die weitere Verwendung fehlte, war eine Methode, nachzurechnen, wie viel Kraft ein altes Stück noch trägt. Wer das nicht weiß, darf daraus nichts bauen, das halten muss. Diese Lücke schließt jetzt das EU-Forschungsprojekt REWIND mit 14 Partnern aus sieben Ländern, koordiniert vom spanischen Kunststoffzentrum Aimplas. Das französische Institut IPC hat ein Rechenmodell entwickelt, das die verbliebene Tragkraft vorhersagt. Und der Entsorger Suez hat beim Rückbau unbeschädigte Stücke von zusammen mehr als 20 Quadratmetern beschafft. Darauf bauen die Anwendungen auf. Das spanische Technologiezentrum Tekniker optimiert die Weiterverarbeitung  und schneidet die Blätter in handliche Platten. Der italienische Hersteller Alke baut die gewonnenen Platten unverändert in die Ladeflächen seiner Elektro-Nutzfahrzeuge ein. Das dänische Unternehmen Miljøskærm baut seit rund zehn Jahren Lärmschutzwände mit einem Kern aus geschredderten Rotorblättern und entwickelte daraus einen Dämmstoff, der Wärme hält und Schall schluckt. Die Deutschen Institute für Textil- und Faserforschung in Denkendorf spinnen aus den zurückgewonnenen Fasern Garne und legen sie zu Bahnen, in denen alle Fasern in eine Richtung laufen: Material für neue Bauteile und für Reparaturen an Blättern, die noch in Betrieb sind. Doch all das arbeitet mit einem Material, das für den Kreislauf nie gedacht war. Das eigentliche Problem sitzt schon bei der Herstellung. Wer künftig recyceln will, muss anders bauen. Genau das versucht eine Zusammenarbeit um das nordhessische Start-up Voodin Blade Technology, gefördert mit gut 48 Millionen Euro aus dem EU-Innovationsfonds. Es baut Rotorblätter aus dünnen Holzschichten, verleimt und in Form gepresst. So ein Blatt soll genauso tragen wie eines aus Glasfaser. Erste Holzblätter drehen sich seit 2024 an einer Anlage bei Kassel, die erste Fabrik entsteht im spanischen Navarra und soll ab 2031 produzieren. Quellen: Voodin Blade Technology: A first-of-a-kind factory for fully recyclable wood blades. Deutsche Institute für Textil- und Faserforschung: Recycling end-of-life wind turbine blades: DITF are partner in the REWIND project Miljøskærm: NOISE BARRIERS REDUCE TRAFFIC NOISE AND INCREASE QUALITY OF LIFE IN URBAN AREAS Wind Europe: Where do wind turbine blades go after decommissioning Fachagentur Wind und Solar: Rückbau und Recycling von Windenergieanlagen    



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