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Veröffentlicht am24. Dezember 202010. Februar 2021Autorgh

Das Solarify-Team wünscht frohe Weihnachten und ein besseres neues Jahr als es 2020 in Bezug auf das Virus war!

KategorienKolumnen

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Verwandte Themen

  • Warum der Staat Offshore-Wind wieder fördert

    Offshore-Windpark „He Dreiht“ nimmt den vollen Betrieb auf und kann 1,1 Mio. Haushalte versorgen. Er wurde ohne Förderung gebaut. Warum Deutschland ausgerechnet jetzt zur Offshore-Subvention zurückkehrt. Rund 90 Kilometer nordwestlich von Borkum drehen sich 64 Windräder mit einer Gesamtleistung von 960 Megawatt. Am 17. September wird Bundesumweltminister Carsten Schneider die Anlage offiziell einweihen. Der Verzicht auf Förderung geht auf das Jahr 2017 zurück: In der ersten deutschen Offshore-Ausschreibung bot der Betreiber EnBW null Cent je Kilowattstunde und sicherte sich damit die Netzanbindung, aber keinen garantierten Vergütungssatz nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz. Der Staat, der Offshore-Projekte jahrelang mit festen Abnahmepreisen finanzierbar gemacht hatte, gab diesmal keine solche Garantie. Statt des Staates ist hier die Wirtschaft eingesprungen: Neben Google und der Deutschen Bahn haben sich auch Bosch, Salzgitter, Fraport, Evonik und eine Tochter der Telekom über langfristige Lieferverträge jeweils zwischen 20 und 150 Megawatt zu festen Preisen gesichert. Diese Verträge liefern die Planungssicherheit, die sonst der Fördersatz gibt. Ohne sie wäre die Investition von rund 2,4 Milliarden Euro wohl nicht möglich gewesen. Förderfrei heißt allerdings nicht risikofrei. Damit die Rechnung aufging, mussten verschiedene Faktoren zusammenkommen: kapitalkräftige Miteigentümer, denen EnBW knapp die Hälfte des Parks verkaufte, ein Kredit der Europäischen Investitionsbank über 600 Millionen Euro und das neue 15-Megawatt-Windrad von Vestas, dessen Rotoren mit einem Durchmesser von 236 Metern eine Fläche von sechs Fußballfeldern überstreicht. Je größer die Anlage, desto niedriger die Kosten je Kilowattstunde. 2017 galt das Gebot als Beweis dafür, dass die Offshore-Windenergie erwachsen geworden ist und ohne Förderungen auskommen kann. Die Ausschreibungen von 2023 bis 2025 gehen sogar noch weiter: Wer eine Fläche wollte, musste dafür zahlen, und die höchsten Gebote spülten Milliarden in den Bundeshaushalt. Doch gestiegene Zinsen, teurere Lieferketten und dieser Aufschlag verteuerten die Projekte so stark, dass die Branche vor einem Stillstand warnt. Eine am 14. September vorgestellte Befragung der IG Metall Küste zeichnet für die gesamte Windindustrie ein angespanntes Bild. Betriebe bauen Personal ab, verlagern Teile ins Ausland und die Zuversicht sinkt. Die Bundesregierung hat reagiert: Anfang September brachte das Kabinett eine Novelle des Windenergie-auf-See-Gesetzes auf den Weg, die sogenannte „Contracts for Difference“ einführt. Bei diesem Vertrag schießt der Staat zu, wenn der Marktpreis unter eine vereinbarte Schwelle fällt, und kassiert ab, wenn er darüber liegt. Das gibt den Betreibern Planbarkeit. Es ist eine Rückkehr der Förderung in neuer Form. Der Branchenverband BWO fordert sogar, dieses Instrument zum alleinigen Ausschreibungsmodell zu machen. Ob der Nullpreis  bei „He Dreiht“ von 2017 je mehr war als ein Sonderfall aus billigem Geld und abnahmehungriger Industrie, lässt sich schwer sagen. Sicher ist nur, dass die nächsten Parks wieder mit staatlicher Absicherung entstehen werden. Quellen:  EnBW: Windpark He Dreiht Bundesumweltministerium: Carsten Schneider bei der Einweihung des Offshore-Windparks „He dreiht“ BWO Offshorewind: BWO zur WindSeeG-Novelle: Ausschreibungsdesign muss Offshore-Wind-Projekte realisierbar machen IG Metall Bezirk Küste: Windumfrage 2026  



  • Grüner Stahl ist da, doch der größte Bauherr kauft ihn nicht

    In Duisburg und Salzgitter laufen milliardenschwere Anlagen an, die Stahl mit Wasserstoff statt Kokskohle erzeugen. Nur fehlt der Markt für ihr Produkt. Grüner Stahl kostet rund 100 bis 200 Euro mehr je Tonne, und den Aufpreis will kaum ein Kunde zahlen. Klimafreundlicher Stahl und Zement sind bereits serienreif. Nur kauft sie kaum jemand. Am 3. September legte das Kompetenzzentrum Klimaschutz in energieintensiven Industrien (KEI) ein Diskussionspapier vor, in dem der größte mögliche Abnehmer beim Namen genannt wird: der Staat selbst. Die Forderung: Wer öffentlich baut, soll klimafreundliche Grundstoffe verbindlich einplanen und nicht nur den niedrigsten Preis berücksichtigen. In Duisburg und Salzgitter laufen milliardenschwere Anlagen an, die Stahl künftig mit Wasserstoff statt Kokskohle erzeugen. Die erste zertifizierte Ware wird noch dieses Jahr auf den Markt kommen. Sie ist jedoch rund 100 bis 200 Euro je Tonne teurer, was kaum ein Kunde zahlen will. Die Werke stehen also da, bevor Nachfrage, Wasserstoff und klare Regeln nachkommen. Beim Zement ist es dieselbe Problematik: Die Technik senkt den CO2-Ausstoß, doch der Mehrpreis bleibt am Hersteller hängen. Bund, Länder und Kommunen geben zusammen rund ein Siebtel der Wirtschaftsleistung aus, und mehr als die Hälfte aller öffentlichen Aufträge entfällt auf Bau und Infrastruktur. Auf die Baubranche entfallen etwa 35 Prozent des deutschen Stahlbedarfs. Wer Brücken saniert oder Schienen erneuert, bestellt in großen, planbaren Mengen. Genau diese Verlässlichkeit benötigen die Hersteller, um ihre Investitionen zu rechtfertigen. Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft könnte allein der öffentliche Bau ab 2030 bis zu 3,7 Millionen Tonnen Stahl pro Jahr abrufen. Das KEI setzt an drei Stellen an: Erstens sollen einheitliche Standards eingeführt werden, um einen vergleichbaren CO2-Fußabdruck zu ermöglichen. Zweitens sollen Vergaberegeln neben dem Preis auch die Emissionen werten und nicht automatisch das billigste Angebot wählen. Drittens soll ein europäischer Rahmen klimafreundliche Waren zur Norm machen. Dass dies funktioniert, zeigt die U-Bahn-Linie U5 in Hamburg: Durch den Einsatz klimafreundlicher Materialien konnte der CO2-Ausstoß der Bauteile um 70 Prozent gesenkt werden. Es ist wie beim Kunststoff. Dort scheitert der Kreislauf nicht an der Technik, sondern am Absatz: Neuware ist billiger, weshalb die Käufer zu ihr greifen. Bei grünem Stahl und Zement ist es genauso. Was fehlt, ist die Nachfrage. Und die kann der Staat schaffen. Er baut schließlich mehr als jeder andere. Das Klimaschutzprogramm 2026 sieht grüne Leitmärkte für die öffentliche Beschaffung vor und das geplante Sondervermögen soll die Nachfrage planbarer machen. Ein konkreter Vorschlag ist, dass öffentliche Infrastrukturprojekte ab 2026 mindestens 25 Prozent emissionsreduzierten Stahl verbauen sollen. Verbindlich ist das bisher jedoch nicht. Am Ende steht die Frage, ob der Staat bereit ist, für sauberere Grundstoffe den Preis zu zahlen, den er von der Industrie verlangt. Quellen: KEI: Leitmärkte. Die Rolle von Labels für klimafreundliche Grundstoffe iwd: Chance für emissionsarmes Bauen durch staatliche Nachfrage Agora Industrie: Startschuss für grüne Leitmärkte Industrie Magazin: Thyssenkrupp und Salzgitter: Europas grüne Stahlwette hat ein Marktproblem Handelsblatt: Sondervermögen soll Nachfrage nach grünem Stahl planbarer machen  



  • Batterien erben den Atom-Anschluss

    Das Wertvollste am alten Atomkraftwerk Brunsbüttel ist sein Netzanschluss. Vattenfall nutzt diesen nun für einen riesigen Batteriespeicher, anstatt andernorts jahrelang auf eine Anbindung zu warten. Am 10. September 2026 hat Vattenfall die finale Investitionsentscheidung getroffen. Auf dem Gelände des stillgelegten Kernkraftwerks entsteht ein Speicher mit 254 Megawatt Leistung und einer Kapazität von rund einer Gigawattstunde. Wo bis 2007 ein Reaktor Strom ins Netz einspeiste, sollen ab Ende 2028 Wind- und Sonnenenergie zwischengelagert werden. Über Jahrzehnte speiste ein Atomkraftwerk 771 Megawatt hier ins Netz ein. Dieser Zugang zum Höchstspannungs-Übertragungsnetz bleibt bestehen, auch wenn der Meiler längst abgeschaltet ist. Genau solche Anschlusspunkte sind heute knapp: Wer einen Großspeicher bauen will, wartet oft jahrelang auf eine Netzanbindung. In Brunsbüttel sind Fläche und Netzzugang vorhanden, Vattenfall muss nur ein neues Umspannwerk dazwischensetzen. Für den Konzern ist es das bislang größte Batterieprojekt und einer der größten Speicher Deutschlands. Er verdoppelt fast das eigene Portfolio von rund 270 Megawatt Speicherleistung. Bis 2029 will Vattenfall auf bis zu 1,5 Gigawatt  kommen. Ausgelegt ist die Anlage als Vier-Stunden-Speicher: Sie kann vier Stunden lang 254 Megawatt abgeben, so viel wie ein mittelgroßes Kraftwerk, und dabei rund eine Million Kilowattstunden puffern. „Je stärker Wind- und Solarenergie ausgebaut werden, desto wichtiger werden leistungsfähige Speicher“, sagt Claus Wattendrup, der bei Vattenfall für Solar und Batterien zuständig ist. Vom Atomkraftwerk Brunsbüttel, das einst für seine Pannen berüchtigt war, überdauert nicht der Reaktor, sondern das Kabel. Der Rückbau des Meilers wird noch bis in die 2030er Jahre dauern, während nebenan schon die nächste Stromgeneration arbeitet Erst vor wenigen Tagen meldete das Statistische Bundesamt für das erste Halbjahr 2026 einen Rekord: 59,1 Prozent des erzeugten Stroms stammten aus erneuerbaren Quellen. Je höher dieser Anteil, desto häufiger gibt es Stunden mit zu viel Strom, in denen Windräder abgeregelt werden und die Börsenpreise ins Minus rutschen. Speicher fangen diese Überschüsse auf und geben sie ab, wenn Flaute herrscht. Der Markt reagiert bereits: Im ersten Quartal 2026 wurde mit 2,2 Gigawattstunden so viel Speicherkapazität wie nie zuvor zugebaut. Großspeicher liefern inzwischen mehr Kapazität als alle neuen Heimspeicher zusammen. Für das Gesamtjahr rechnet die Branche mit acht bis zehn Gigawattstunden. Die Netzentwicklungsplanung rechnet für die kommenden Jahrzehnte mit einem Vielfachen der heutigen Speicherleistung. Und trotzdem steht der Boom auf wackeligem Grund. Der Bundesverband Solarwirtschaft warnt, dass der Ausbau nach 2029 ins Stocken geraten könnte, da Netzentgelte und Marktregeln Speicher benachteiligen. Der neue Kapazitätsmarkt etwa prämiert vor allem Gaskraftwerke. Quellen: Vattenfall: Vattenfall trifft finale Investitionsentscheidung für 254 Megawatt Batterie in Brunsbüttel DESTATIS: Stromerzeugung im 1. Halbjahr 2026: 6,5 % mehr Strom aus erneuerbaren Energien Bundesverband Solarwirtschaft: Batteriespeicher wachsen rasant – Ausbau bis 2029 dennoch unsicher



  • Textilgesetz: Hersteller sollen für die Altkleiderkrise zahlen

    Mitte September will Umweltminister Carsten Schneider den Entwurf für ein Textilgesetz vorlegen. Dieses soll die Hersteller für die wachsenden Berge an Altkleidern zahlen lassen. Der Zeitpunkt ist heikel, denn die Branche, die diese Berge sortiert, steckt selbst in der Krise. Wie tief die Krise reicht, zeigt eine aktuelle Studie des Recyclingverbands bvse. Demnach stieg die gesammelte Menge zwischen 2018 und 2023 um rund 50.000 auf 1,3 Millionen Tonnen im Jahr. Mehr Menge bedeutet jedoch nicht mehr Wert. Der Anteil der Kleidung, die als Secondhandware weiterverwendet werden kann, ist auf 44 Prozent gesunken. Was sich nicht weiterverwenden lässt, wird zu Putzlappen oder Dämmstoff verarbeitet oder verbrannt. Echtes Faser-zu-Faser-Recycling ist bislang die Ausnahme. Der Grund dafür liegt im Regal: Fast Fashion ist billiger und kurzlebiger geworden. Für die Sortierbetriebe sind Altkleider ein Verlustgeschäft. Die Preise für Sammelware sind in den vergangenen Jahren um etwa ein Fünftel gefallen, die Lager sind voll und der Weltmarkt für gebrauchte Kleidung ist teilweise weggebrochen. Seit 2025 müssen Textilien EU-weit getrennt gesammelt werden, doch für die zusätzliche Menge fehlt der Absatz. Große Namen geraten ins Wanken: Soex, einer der größten Textilrecycler Europas, meldete Insolvenz an, Texaid leitete für zwei deutsche Tochtergesellschaften ein Sanierungsverfahren ein. Das kommende Gesetz sieht voraussichtlich vor, dass Hersteller in eine gemeinsame Organisation einzahlen, die die Sammlung, Sortierung und Verwertung finanziert. Der Beitrag richtet sich nach dem Produkt: Wer langlebige, reparierbare Kleidung verkauft, zahlt weniger. Wer Wegwerfware auf den Markt bringt, zahlt mehr. „Fast-Fashion-Kleidung wird nur kurz getragen, aber macht lange Ärger“, sagt Umweltminister Carsten Schneider. Vorgesehen sind feste Ziele, darunter eine Sammelquote von 70 Prozent und eine Recyclingquote von 85 Prozent des Gesammelten. Der bvse warnt vor einem „Systembruch“. Sein Einwand: Die geplante Pflichtorganisation würde den bestehenden Wettbewerb durch zentrale Zuteilung ersetzen. Während gemeinnützige Sammler wie Kleiderkammern freiwillig mitmachen, müssen sich gewerbliche der Organisation anschließen. Genau darin sieht der Verband eine Schieflage: Bevorzugt würden ausgerechnet diejenigen, die nur einen kleinen Teil der Infrastruktur betreiben. Der Entsorgerverband BDE befürchtet zudem, dass öffentliche Träger sich die gut verkäuflichen Stücke sichern und den Rest der Branche überlassen. Der bvse fordert Übergangsregeln und eine Finanzierungsbrücke, bis das neue System trägt. Der Streit dreht sich also um die Frage: Wer sammelt, wer zahlt und wer bekommt die guten Stücke? Dem Ministerium liegen bereits rund 90 Stellungnahmen vor. Das deutsche Gesetz muss bis Juni 2027 verabschiedet sein. Die Herstellerabgabe wird dann voraussichtlich die Sammlung finanzieren. Das eigentliche Ziel müsste aber weitergehen: eine Nachfrage nach dem recycelten Material zu schaffen, damit am Ende ein echter Stoffkreislauf entsteht. Quellen: BMUKN: Mehr Verantwortung für Textilhersteller bvse-Textilstudie 2026: Mehr Alttextilien, weniger Qualität – Textilrecycling am Kipp-Punkt Lebensmittel Zeitung: Textilgesetz rückt näher Fashion Network: Textilrecycler Soex meldet Insolvenz an



  • Godzilla-El-Niño: was man davon in Deutschland spürt

    Der Super-El-Niño ist so gut wie sicher. Fast 70 Prozent sprechen für einen neuen Rekord. In Deutschland ist das Wetter davon nicht betroffen. Seine Folgen aber wandern um die halbe Welt, durch Ernten, Gesundheit und Stromnetze, und erreichen am Ende auch uns. Dass El Niño unser Wetter kaum beeinflusst, liegt an der Nordatlantischen Oszillation, die den europäischen Winter dominiert. Umso härter trifft das Ereignis die Tropen, und diesmal mit außergewöhnlicher Wucht. Super-El-Niños, bei denen die Oberflächentemperatur des Ostpazifiks um mehr als zwei Grad über dem Mittel liegt, gab es seit Beginn der Aufzeichnungen erst dreimal. Der Spitzname „Godzilla“ aus dem Jahr 2015 ist zurück, diesmal mit der Aussicht, alle Vorgänger zu übertreffen. Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO), eine Behörde der Vereinten Nationen, warnt in ungewohnt drastischer Sprache vor extremem Wetter bis 2027. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mahnt, dass El Niño die Ausbreitung von Cholera, Dengue und Malaria befeuern und über Ernteausfälle vor allem Kinder in die Mangelernährung treiben könnte. Wo El Niño den Regen verschiebt, verdorren die Anbaugürtel. Die FAO nennt Süd- und Südostasien als Regionen mit einer Dürrewahrscheinlichkeit von über 50 Prozent. Ein zweiter Ozean-Effekt im Indik verstärkt die Trockenheit über Indonesien und Australien zusätzlich. Reis, Palmöl und Robusta-Kaffee aus Vietnam geraten unter Druck. In Westafrika, woher rund drei Viertel des weltweiten Kakaos stammen, führten die Ereignisse von 2015/16 bereits zu kranken Schoten und schwächeren Ernten. Deutschland verarbeitet Kakao im großen Stil. Die Bohnen kommen vor allem von der Elfenbeinküste. Wie empfindlich diese Lieferkette ist, zeigte sich, als der Kakaopreis 2024 auf ein Rekordhoch schoss. Die Weltbank warnt, ein starkes El-Niño-Ereignis könne die Lebensmittelpreise im Jahr 2026 spürbar über die bisherigen Prognosen hinaus treiben. Nicht nur trocknen Felder aus, sondern es senkt auch den Wasserspiegel des Panamakanals. Da der Gatúnsee die Schleusen speist, verringert jede längere Dürre die Transportkapazität. Weniger Tiefgang bedeutet weniger Ladung pro Schiff. Wer nicht warten will, nimmt den Umweg um das Kap oder durch Suez, was Tage und Kosten aufschlägt. Was an dieser Engstelle klemmt, verteuert die Fracht weltweit. Eine schwerwiegendste Folge zeigt sich in den Stromnetzen Asiens. El Niño schwächt den Monsun. In Indien lag der kumulierte Regen Ende Juni rund 40 Prozent unter dem Mittelwert. Die Wasserkraft brach um gut sechs Gigawatt gegenüber dem Vorjahr ein, während die Klimaanlagen mehr Strom zogen. Die Lücke wurde mit Kohle gefüllt. Laut Analysen fehlen Indien im Jahr 2026 rund 18 Terawattstunden, die mit etwa 17 Millionen Tonnen zusätzlicher Emissionen Kohle gedeckt werden müssen. Dasselbe warme Meer, das den Panamakanal leert, lässt Asien mehr Kohle verbrennen. Quellen: World Meterological Organization: El Niño set to become very strong, raising risks of extreme weather into 2027 FAO: El Niño is coming. Here is where the risks to agriculture are highest PAHO (WHO): PAHO publishes analysis on the potential health impacts of the El Niño phenomenon in the Americas DownToEarth: Asian hydropower output fell in June 2026, raising reliance on coal and LNG gcaptain: Panama Canal to Tighten Draft Limits Again as Water Levels Continue to Fall World Bank Blogs: When risks stack up: Threats to global food markets in 2026    



  • Lateinamerika macht Rezyklat zur Pflicht

    Während in Europa der Markt für recyceltes Plastik wegbricht, weil Neuware billiger ist, schreiben Chile, Kolumbien und Brasilien Rezyklat per Gesetz vor. Der Unterschied liegt nicht in der Technik, sondern darin, wer den Absatz garantiert. In Brasilien müssen neue Kunststoffverpackungen seit Januar aus mindestens 22 Prozent Altplastik bestehen. In Kolumbien müssen PET-Trinkwasserflaschen zur Hälfte aus Rezyklat bestehen und bis 2030 zu 90 Prozent. Was in Europa erst ab 2030 gilt, ist in Lateinamerika bereits Realität. Wie schnell aus einer Gesetzesänderung eine Investitionsmöglichkeit wird, zeigt der chilenische Entsorger Recupac. Das seit 35 Jahren am Markt etablierte Unternehmen hat im Werk San Bernardo eine neue Linie für Polyethylenfolie in Betrieb genommen. 500 Tonnen Rezyklat verlassen sie pro Monat. Das Altplastik wird geschreddert, gewaschen, getrocknet und zu Granulat verarbeitet. Dieses Granulat kann rund 40 Prozent des Neumaterials in neuer Folie ersetzen. Die Verpackung, die sonst frisch aus Erdöl entstünde, besteht damit zu großen Teilen aus gebrauchtem Plastik. „Wir haben die Chance ergriffen, einen Schritt weiterzugehen und einen Sekundärrohstoff zu produzieren“, sagt Macarena Hadad aus der Geschäftsentwicklung. Dahinter stehen zwei grundverschiedene Arten von Quoten und der Unterschied zwischen ihnen entscheidet darüber, ob sich ein Kreislauf schließt. Die eine misst, wie viel Abfall eingesammelt und verwertet wird. So verlangt Chile beispielsweise, dass 2026 rund 32 Prozent des gewerblichen Verpackungskunststoffs in die Verwertung zurückgehen. Das füllt die Sortieranlagen, sagt aber nichts darüber aus, ob das sortierte Material am Ende abgenommen wird. Die andere Art setzt genau dort an: Sie schreibt vor, wie viel Rezyklat in einem neuen Produkt stecken muss. Kolumbien und Brasilien verpflichten die Hersteller, recyceltes Material wieder einzubauen und schaffen so die Nachfrage, die dem Kreislauf sonst fehlt. In Europa läuft die Entwicklung derzeit andersherum: Der Rezyklatmarkt bricht weg, weil Neuware aus Öl billiger ist als recyceltes Material. Es wird zur günstigeren Neuware gegriffen, während Sortier- und Recyclingbetriebe auf ihrem Rezyklat sitzen bleiben. Schon etwa eine Million Tonnen Kapazität sind in Europa bereits verloren, weil Recycling-Anlagen schließen müssen. Zwar hat die EU mit ihrer Verpackungsverordnung eigene Rezyklateinsatzquoten beschlossen, doch diese greifen erst ab 2030, sodass bis dahin der Absatz fehlt, den Kolumbien und Brasilien heute schon vorschreiben. Ob das Modell trägt, hängt an zwei Dingen: genug Rezyklat in verlässlicher Qualität, und eine Vorgabe, die durchgesetzt wird. Brasilien droht säumigen Herstellern mit Strafen bis zu 50 Millionen Reais. Für Europa stellt sich die Frage anders: nicht, ob die Nachfrage wirkt, sondern ob sie kommt, bevor die letzten Recycler aufgeben. Quellen: Lindner: Recupac and Lindner Demonstrate a Successful Path Forward Umweltwirtschaft.com: Neue Recyclingquoten in Lateinamerika: Chancen für Verwerter Solarify: Offener Brief an Berlin: Rezyklate gehören ins Produkt



  • Urban Mining: München fördert Wiederverwendung von Bauteilen

    München zahlt ab September bis zu 400.000 Euro für Bauprojekte, die alte Bauteile wiederverwenden. Nicht recyceln, wiederverwenden. Dieser Unterschied ist entscheidend dafür, ob die Kreislaufwirtschaft im Bau funktioniert. Die Stadt München stellt zwei Millionen Euro für zirkuläres Bauen in einem neuen Fördertopf bereit. Gefördert wird nicht das Recycling von Abbruchmaterial, sondern die Stufe darüber: dass ein Fenster ein Fenster bleibt, ein Stahlträger ein Stahlträger und ein Ziegel ein Ziegel. Bauprojekte, die alte Bauteile wiederverwenden, statt neue zu kaufen, bekommen  20 bis 60 Prozent der Kosten erstattet. Der Bausektor ist der größte Abfallproduzent des Landes. „In Deutschland gehen bis zu 60 Prozent der gesamten Rohstoffgewinnung sowie mehr als die Hälfte der Abfälle auf das Konto des Bausektors”, sagt Christine Kugler, Münchens Referentin für Klima- und Umweltschutz. Auf dem Papier sieht das Problem nicht so groß aus: Über 90 Prozent der mineralischen Bauabfälle werden verwertet. Allerdings landet der Großteil davon zerkleinert als Schotter unter neuen Straßen oder in Baugruben. Die Quote wird schon deshalb erfüllt, weil das Füllen von Löchern als Verwertung zählt. Ein Betonträger wird zu Splitt und damit wie Kies behandelt. Einen echten Kreislauf, der den Rohstoff des Trägers wieder als Baustoff nutzt, gibt es trotz der hohen Quote nicht. Eine wirkliche Wiederverwendung ändert das: Das Bauteil behält seine Form, seine Funktion und die Energie, die in seiner Herstellung steckte. Diese Energie muss nicht noch einmal aufgebracht werden, anders als beim Recycling, wo der alte Träger zu Kies zerfällt und ein neuer gegossen werden muss. Wie das funktioniert, zeigen Plattformen wie Concular. Rund ein Jahr vor dem Abriss wird ein Gebäude digital inventarisiert, jedes brauchbare Teil bekommt einen Materialpass und wird über einen Marktplatz an neue Projekte vermittelt. Anstelle der Abrissbirne kommt der selektive Rückbau zum Einsatz. In Berlin lagern Glasplatten in einem Urban-Mining-Hub und warten auf ihr zweites Leben. Andernorts wird eine Granitfassade zum Bodenbelag und alte Ziegel gehen in den nächsten Rohbau. Dass dies trotzdem eine Nische bleibt, liegt nicht an der Technik. Es fehlt die Gewährleistung: Wer haftet für einen tragenden Stahlträger, der seit vierzig Jahren im Einsatz war? Es fehlen Normen und Lagerfläche für Bauteile zwischen Ausbau und Wiedereinbau. In Ausschreibungen tauchen gebrauchte Produkte zudem kaum auf. Selektiver Rückbau kostet zudem mehr Zeit als der Einsatz eines Baggers. Ohne einen digitalen Produktpass, der die Herkunft und Eigenschaften eines Bauteils verlässlich dokumentiert, bleibt der Markt Stückwerk. Für Bauprodukte gilt diese Pflicht erst ab 2028, wie die EU festgelegt hat. Zwei Millionen Euro aus München ändern daran wenig. Der Zuschuss stößt Pilotprojekte an, doch die eigentlichen Hebel liegen woanders: bei Haftungsregeln, Normen und der Frage, ob eine Kommune die Wiederverwendung in ihren Bauaufträgen verlangt. Am Ende entscheidet über jeden Kreislauf im Bau eine einzige Frage: nicht wie viel Material ein Gebäude verlässt, sondern wie viel davon als Bauteil zurückkommt. Quellen: München: Pilotförderung für zirkuläres Bauen Concular: Wiederverwendung von Baumaterialien – Zirkularität im Bauwesen Umweltbundesamt: Verwertung von Bau- und Abbruchabfällen  



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