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Veröffentlicht am24. Dezember 202010. Februar 2021Autorgh

Das Solarify-Team wünscht frohe Weihnachten und ein besseres neues Jahr als es 2020 in Bezug auf das Virus war!

KategorienKolumnen

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– Energie für die Zukunft –

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Erneuerbare Energien, Klimawandel und Energiewende.

Verwandte Themen

  • Speicher boomen, der Staat baut Gaskraftwerke

    Der deutsche Speichermarkt läuft heiß. Die Bundesnetzagentur hat einen neuen Höchstwert registriert: Im März 2026 kam fast eine Gigawattstunde Batteriekapazität hinzu. Dieser Boom wird vom Markt getragen, nicht von einer staatlichen Strategie. Das liegt daran, dass Batteriespeicher  inzwischen billiger als Gaskraftwerke sind. Sie lassen sich schneller bauen, und trotzdem setzt die Bundesregierung mit dem aktuellen Ausschreibungsdesign weiterhin vor allem auf Gas. Wie stark der Markt zieht, zeigt das Projekt in Förderstedt bei Staßfurt. Dort entsteht derzeit Deutschlands größter Batteriespeicher. Seit Ende April rollen die Transporte und bis Ende Juni sollen rund 300 vormontierte Batteriesysteme angeliefert sein. Am Ende stehen hier 716 Megawattstunden Kapazität und über 600.000 Batteriezellen. Betreiber ist die Eco Power Three GmbH. Das Projekt wird nicht vom Staat, sondern von der Santander Bank und der NORD/LB finanziert. Insgesamt sind in Deutschland inzwischen über 27 Gigawattstunden Speicher installiert, verteilt auf 2,4 Millionen Anlagen. Den Großteil davon machen weiterhin Heimspeicher aus. Doch die Großspeicher holen auf. Ihre Kapazität wuchs im Jahr 2025 um 60 Prozent und die Projektpipeline für dieses Jahr ist prall gefüllt. Der Antrieb kommt aus dem Markt. Wer Strom speichert, wenn er im Überfluss vorhanden ist, und ihn abends verkauft, wenn er knapp wird, kann die Preisdifferenz nutzen. Speicher rechnen sich auch ohne Subventionen. Die Politik setzt dennoch auf andere Lösungen. Im Mai brachte das Kabinett die Kraftwerksstrategie auf den Weg: Rund neun Gigawatt neue, steuerbare Reservekapazität – in der Sache etwa zwanzig große Gaskraftwerke – sollen für mindestens 15 Jahre gebunden werden und werden über eine Umlage auf die Stromrechnung finanziert. Erst ab 2045 sollen die Anlagen klimaneutral laufen. Der Haken liegt im Kleingedruckten. Wer mitbieten will, muss zehn Stunden am Stück volle Leistung liefern. Ein Kriterium, das auf Gas zugeschnitten ist und Batteriespeicher praktisch ausschließt. Erst bei einer kleineren Ausschreibung im Jahr 2027 dürfen sie überhaupt antreten. Eine Analyse des Beratungshauses LCP Delta vom April zeigt, dass es auch anders ginge. Demnach könnten Langzeit-Speicher zwei Gigawatt der geplanten Gaskraftwerke ersetzen – bei gleicher Versorgungssicherheit, aber mit 166 Millionen Euro geringeren jährlichen Subventionen. Pro Kilowatt gesicherter Leistung kostet ein Zehn-Stunden-Speicher demnach knapp ein Drittel eines vergleichbaren Gaskraftwerks. Der Widerspruch bleibt bestehen. Während Investoren Milliarden in Speicher stecken, baut der Staat parallel fossile Infrastruktur mit Jahrzehnte-Bindung. Abgeordnete, der BUND e.V. und der Energieversorger Naturstrom kritisieren diese Festlegung als planwirtschaftlich. Quellen: LCP Delta: Germany’s power plant strategy Internationales Wirtschaftsforum Regenerative Energien: Batteriespeicher-Markt wächst im ersten Quartal 2026 – Bundesregierung ohne Speicherstrategie pv-Magazin.de: Knapp eine Gigawattstunde Batteriespeicher-Kapazität im März zugebaut ecostor: Projekt Fördersted, Deutschlands größtes Batteriespeicherprojekt



  • Kaum bekannt: Axialflussmotor ohne Seltene Erden

    Mercedes baut seit Anfang Juni den Axialflussmotor in Großserie: flach, kompakt, stark, aber angewiesen auf Magnete aus Seltenen Erden. Dass dieselbe Bauform auch ohne Neodym funktioniert, zeigt ein Münchner Startup. Ein Elektromotor mit 330 Kilowatt, der ohne Seltene Erden auskommt: Daran arbeitet das Münchner Start-up Emil Motors von Maximilian Güttinger und Johannes Unhold. Der Antrieb nutzt die derzeit sehr gefragte, flache, scheibenförmige Bauform des Axialflussmotors. Er liefert bei einem Drittel des Gewichts rund die dreifache Leistung eines herkömmlichen Motors. Mercedes hat genau diese Technik Anfang Juni in Berlin in Großserie gebracht – allerdings mit Permanentmagneten aus Neodym. Emil Motors zeigt, dass dieselbe Bauform auch ohne Seltene Erden funktioniert. Der Trick steckt im Rotor. Anstelle fester Magnete nutzt der Motor das Prinzip der Asynchronmaschine: Der Wechselstrom im Stator erzeugt ein wanderndes Magnetfeld. Als Leiter genügt ein Käfig aus Aluminium. Während in einem klassischen Antrieb rund zwei Kilogramm Magnete verbaut sind, sind es hier etwa drei Kilogramm Aluminium, ein billiges und in Europa verfügbares Allerweltsmetall. In den Magneten von E-Motoren stecken Seltene Erden, vor allem Neodym und Dysprosium. Rund 90 Prozent davon kommen aus China. Seit Peking im April 2025 Exportkontrollen verhängte, haben sich die Preise für Neodym-Magnete etwa verdoppelt. Lange galten Asynchronmotoren als zu schwer und ineffizient für sportliche Elektroautos. Emil Motors widerspricht mit Zahlen: Der „Segmented Axial Flux Asynchronous Motor“ leistet 330 Kilowatt und 450 Newtonmeter bei einem Gewicht von 35 Kilogramm und einem Wirkungsgrad von über 97 Prozent, was mit Permanentmagnet-Motoren vergleichbar ist. Der Motor ist als direkter Ersatz für bestehende Antriebe konzipiert: gleiche Einbaumaße, andere Materialien. Die Frage ist, ob die Autohersteller zugreifen werden. Mercedes produziert diesen Motortyp ab sofort in Serie. Emil Motors arbeitet derweil an einem Prototypen ohne chinesische Abhängigkeit. Ein Motor ohne Seltene Erden ist ein Motor, den Europa ohne Genehmigung aus Peking bauen kann. In einer Branche, die ihre Lieferketten gerade neu sortiert, könnte dies wichtiger sein als die eine oder zwei Sekunden, die der Motor für die Tempo-100-Beschleunigung braucht.   Quellen: Emil Motors:  The Future of Electric Motors Mercedes-Benz Group: Großserienproduktion des elektrischen Axial-Fluss-Motors IEA: With new export controls on critical minerals, supply concentration risks become reality IEEE Spectrum: How to Build EV Motors Without Rare Earth Elements  



  • Altöl: Deutschlands stiller Recycling-Erfolg

    Es ist eine der ältesten Formen der industriellen Wiederverwertung und zugleich eine der unbekanntesten. Seit über hundert Jahren wird gebrauchtes Motoröl wieder aufbereitet. Deutschland ist dabei europäisches Zentrum. Doch die Rohstoffbasis verändert sich. Im Jahr 2024 erreichte die Recyclingquote bei den hochwertigen Altölen 91 Prozent. Das ist ein Anstieg um 20 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr und die erste Steigerung seit 2021. Von den rund 516.000 Tonnen Altöl, die im Land anfielen, flossen etwa 228.500 Tonnen in die Reraffination. Dabei werden Ruß und Metallabrieb aus dem Altöl entfernt, es wird im Vakuum entwässert, destilliert und mit Wasserstoff behandelt. Am Ende steht wieder ein klares Grundöl, also genau der Stoff, der den Hauptbestandteil jedes Schmieröls ausmacht. Mit Additiven gemischt, entsteht daraus neues Motor- oder Hydrauliköl. So entsteht aus altem Öl wieder vollwertiges Schmieröl und kein minderwertiger Brennstoff. Im Gegensatz zur Verbrennung bleibt das Ölmolekül erhalten und der Vorgang lässt sich mehrfach wiederholen. Die Umweltbilanz fällt deutlich aus. Laut einer Ökobilanz des ifeu-Instituts spart die Aufbereitung zu neuem Grundöl rund 71 Prozent CO2 gegenüber der Herstellung aus Rohöl ein und immer noch 47 Prozent gegenüber der Verbrennung des Altöls in Zementwerken oder Stahlöfen. Reraffination ist somit nicht nur Recycling, sondern auch die klimafreundlichste Art, mit Altöl umzugehen. Europa verarbeitet jährlich über 1,1 Millionen Tonnen aufbereitetes Altöl und Deutschland ist dabei ein zentraler Knotenpunkt. Die Aufbereitungskapazität im Land ist jedoch so groß, dass sie das heimische Aufkommen übersteigt: Knapp 196.000 Tonnen Altöl importiert Deutschland netto, um die Anlagen auszulasten. Unternehmen wie AVISTA OIL im niedersächsischen Dollbergen betreiben die Reraffination im industriellen Maßstab, Händler wie BayWa bringen die recycelten Schmierstoffe bis zum Endkunden. Für die Betreiber ist Altöl somit kein lästiger Abfall, sondern ein knapper Rohstoff, um den konkurriert wird. Zugleich verändert sich die Rohstoffbasis. So ging das Altöl-Potenzial aus dem Schmierstoffrücklauf zuletzt zurück. Längere Ölwechselintervalle sind heute üblich. Während früher alle 15 000 Kilometer ein Wechsel erforderlich war, sind heute oft 30 000 Kilometer oder mehr üblich. Dazu kommt der Umstieg auf E-Autos, was die Mengen, aus denen sich der Kreislauf speist, schrumpfen lässt. Und ein großes Problem, das der Bundesverband Altöl seit Jahren beklagt: Rund 100.000 Tonnen Altöl werden keiner hochwertigen Aufbereitung zugeführt, sondern überwiegend verbrannt oder tauchen in keiner amtlichen Statistik auf. Damit steht die Branche vor einem strukturellen Wandel. Das Recycling selbst funktioniert – besser als bei vielen anderen Stoffen. Unter Druck gerät die klimafreundliche Aufbereitung gleich von zwei Seiten: Langfristig schrumpft mit jedem Verbrennerfahrzeug, das von der Straße verschwindet, die Quelle, aus der sich der Kreislauf speist. Und schon heute geht ein erheblicher Teil des vorhandenen Altöls verloren, weil er verbrannt wird, statt zu neuem Grundöl aufbereitet zu werden. Beides zusammen entscheidet darüber, wie viel von diesem Wertstoff sich künftig überhaupt im Kreis führen lässt. Quellen: Bundesverband Altöl: CO2-Einsparung Avista Oil: Nachhaltig in jedem Prozess



  • Künstliches Blatt: Solar-Methanol im Labor gewonnen

    Die Yale University hat ein künstliches „Blatt“ gebaut, das aus Sonnenlicht, Wasser und CO2 flüssigen Kraftstoff macht. Vermarktet wird es als 32-mal effizienter als der bisherige Rekord. In absoluten Werten bedeutet das: 0,8 Prozent des Sonnenlichts landen als Methanol im Tank. Das im Journal of the American Chemical Society vorgestellte Gerät ist bemerkenswert, denn es produziert den Kraftstoff von allein, ohne Kabel und ohne externen Strom. Es ist die erste eigenständige solare Methanolproduktion dieser Art. Das Vorbild ist die Photosynthese. Ein echtes Blatt fängt Licht ein und schiebt Elektronen Stück für Stück auf das CO2-Molekül, bis daraus etwas Energiereiches entsteht. Der Trick der Yale-Gruppe liegt in der Anzahl dieser Elektronen. Es müssen sechs sein, damit Methanol entsteht. Frühere Versuche mit künstlichen Blättern konnten nur zwei dieser Elektronen bewegen und blieben bei Kohlenmonoxid stecken. Einem weniger nützlichen und energiereichen Gas. Wie das funktioniert, lässt sich auch ohne Chemiestudium nachvollziehen: Das Herzstück ist eine fingernagelgroße Siliziumplatte, die mit mikroskopischen Säulen übersät ist. Diese fangen das Licht besser ein als eine glatte Fläche. Darauf sitzt ein Katalysator, dessen Moleküle auf winzigen Kohlenstoffröhrchen aufgereiht sind. Die Forschenden vergleichen es mit einer Autobahn, über die der Strom an Elektronen einfacher ans Ziel kommt. Den nötigen Schub liefert eine zweite, daraufgesetzte Mini-Solarzelle aus Perowskit. Dieser Stapel ist der Trick, dank dem das „Blatt“ eigenständig Methanol produzieren kann. Bleibt die Frage, ob 0,8 Prozent es wert sind. Zur Einordnung: Eine Nutzpflanze speichert übers Jahr verteilt ebenfalls nur rund ein Prozent des Sonnenlichts. Das Blatt arbeitet also auf Augenhöhe mit der Natur. Das ist eine gute Nachricht, die zugleich das Problem benennt. Denn damit solares Methanol mit Erdöl konkurrieren kann, müsste der Wirkungsgrad Studien zufolge eher bei sieben Prozent liegen. Der heutige Standardweg, also Solarstrom, Elektrolyse und CO2-Synthese in getrennten Anlagen, kommt in solchen Rechnungen längst in den zweistelligen Bereich. Genau dieses E-Methanol stellt der Konzern European Energy in Dänemark seit 2025 kommerziell her: zwei- bis dreimal teurer als fossiles, aber im Schiffstank einsetzbar. Der Aufpreis ist dabei weniger ein technisches Hindernis als ein wirtschaftliches. Solares Methanol läuft im geschlossenen Kreislauf, lässt sich aus Sonne und zurückgewonnenem CO2 endlos reproduzieren und gibt nur frei, was es zuvor gebunden hat. Teurer ist es allein gegenüber den derzeit billigeren fossilen Quellen. Das ist eine Frage der Opportunitätskosten, nicht der Machbarkeit. Der Reiz der Idee liegt in ihrer Schlichtheit: ein Blatt statt einer Fabrik, das den Umweg über Wasserstoff und Syntheseanlage überspringt. Bisher gelang Kraftstoff aus Sonnenlicht nur über genau diesen Umweg. Der eigentliche Konkurrent des Blatts ist deshalb nicht das Erdöl, sondern die unscheinbare Kombination aus Solarpanel und Elektrolyseur, die heute schon liefert, was das Blatt erst verspricht. Yale hat keinen Treibstoff der Zukunft gebaut, sondern den Beweis, dass ein einziges Bauteil ihn herstellen kann. Quellen: Yale-News: Growing a new ‘leaf’ that harnesses sun, water and CO2 to make liquid fuel  Journal of the American Chemical Society: . „A Monolithic Artificial Leaf for Solar Methanol Production from COCO2 and HCO2O



  • Wird die Energiewende kleingeredet? Die Studie, die kaum jemand kennt

    Eine Studie im Auftrag des Wirtschaftsministeriums zeigt: Erneuerbare könnten Kommunen-Einnahmen bis 2033 verdoppeln. Eine Pressemitteilung des Ministeriums dazu gab es nicht. Wenn Deutschlands Kommunen ihre Ausbauziele für Wind- und Solarenergie erreichen, könnte sich der Teil der Wertschöpfung, der tatsächlich in den Regionen bleibt, bis 2033 mehr als verdoppeln – von 5,5 auf 12,4 Milliarden Euro pro Jahr. Das ist Geld, das nicht abwandert, sondern als Gewerbesteuer, Pacht und lokale Aufträge vor Ort ankommt. Hinter diesen Milliarden stehen konkrete Arbeitsplätze – Monteure, Planerinnen und Wartungsfirmen –, die nicht in einer Konzernzentrale, sondern in der Gemeinde nebenan entstehen. Besonders für strukturschwache ländliche Räume ist das kein Nebeneffekt, sondern ein entscheidender Faktor: In Regionen mit geringer industrieller Präsenz kann ein Windpark zur Einkommensquelle des kommunalen Haushalts werden. Rund 45 Prozent der Betreibergewinne fließen an externe Investoren ab – an Fonds und Konzerne ohne Bindung an die Region. Das Geld wird vor Ort erzeugt, aber andernorts verbucht. Genau hier setzen die Forscher an: Bürgerenergiegesellschaften, kommunale Beteiligungen und eine Förderung, die auf regionale Wertschöpfung abzielt, könnten mehr der Gewinne vor Ort halten. „Finanzielle Beteiligungsmodelle, Bürgerenergiegesellschaften und kommunale Investitionen könnten dafür sorgen, dass mehr Wertschöpfung vor Ort bleibt”, sagt Steven Salecki, Forscher am IÖW. Es sind politische Stellschrauben, keine Naturgesetze. Bekannt wurde die Studie allerdings weniger wegen ihrer Zahlen als wegen des Umgangs mit ihr: So warf das Portal t-online dem Ministerium vor, die Untersuchung „verschwinden“ zu lassen: Sie war schon Ende Februar fertiggestellt, wurde aber erst Mitte April hochgeladen. Und trotz des bemerkenswerten Ergebnisses ohne Pressemitteilung und ohne ein Wort der Ministerin. Das IÖW selbst trat dem schärfsten Teil des Vorwurfs entgegen. Denn die Ergebnisse seien 2025 bereits zweimal auf Fachtagungen präsentiert worden. Doch was bleibt, ist das, was sich nicht wegrelativieren lässt: das Schweigen zur Energiewende. Eine Pressemitteilung des Bundesministeriums zur eigenen Studie gab es nicht, eine Einordnung durch das Haus ebenso wenig. Für Ministerin Katherina Reiche (CDU) steht der konsequente Ausbau der erneuerbaren Energien nicht an erster Stelle – eine Untersuchung, die genau diesem Ausbau Einnahmen, Jobs und Wachstum zuschreibt, scheint nicht interessant für die Bundesministerin zu sein. Damit verschiebt sich die eigentliche Frage. Nicht die Frage, ob die Studie unterdrückt wurde – das war sie nach Lage der Dinge nicht. Sondern warum ein Haus, das Wertschöpfung im ländlichen Raum in Aussicht stellt, die entsprechenden Werkzeuge weder laut kommuniziert noch beherzt in die Hand nimmt. Die Zahlen liegen vor. Das legt den Eindruck nahe, es fehle der Wille. Quellen: IÖW: Ausbau erneuerbarer Energien: Wertschöpfung in den Regionen könnte sich bis 2033 verdoppeln IÖW: Stärkung der regionalen Wertschöpfung durch Erneuerbare Energien BMWE: Stärkung der regionalen Wertschöpfung durch Erneuerbare Energien top agrar: „Verschwiegene Energiewende-Studie“: Forscher stellen einige Fakten klar t-online: Wirtschaftswachstum: „Reiche lässt Studie zu Wind und Solar verschwinden“



  • NKWS-Aktionsprogramm: Online-Plattform ja, Markt nein

    Wenn Wirtschaft und Umweltschützer dasselbe vermissen, fehlt etwas Grundsätzliches. Die Reaktionen auf das Aktionsprogramm zur Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) fallen quer durch alle Lager gleich aus: vom Industrieverband bis zum WWF lautet der Befund „zu unambitioniert“. 500 Milliarden für Verteidigung. Für die Kreislaufwirtschaft: 0,5 Milliarden. Am 3. Juni hat das Bundeskabinett das lange verzögerte Aktionsprogramm beschlossen. Das eine verbindliche Instrument  wurde jedoch vorher herausgestrichen. Im Herbst startet eine Umsetzungsplattform, das Förderprogramm „Zukunft Kreislaufwirtschaft“ folgt Ende 2026. Eine Digitalisierungsinitiative soll digitale Produktpässe und Datenräume voranbringen. Das erklärte Ziel lautet, 25 Prozent des Bedarfs an kritischen Rohstoffen bis 2030 durch Recycling zu decken und den Ressourcenverbrauch von derzeit 16 Tonnen pro Kopf langfristig auf 6 bis 8 Tonnen zu senken. „Kreislaufwirtschaft macht unsere Wirtschaft unabhängiger“, sagt Umweltminister Schneider. Doch genau hier klafft die Lücke. Das eine Instrument, das tatsächlich Nachfrage geschaffen hätte – ein Vorrang für recyceltes Material in der öffentlichen Beschaffung – wurde in der Ressortabstimmung aus dem Entwurf gestrichen. Geblieben ist eine freiwillige Empfehlung, die der Staat über die Aufsichtsräte seiner Betriebe einwirken lassen will. Auch ein Klagerecht fiel weg. Damit verzichtet der größte Einzelnachfrager des Landes auf seinen stärksten Hebel – und das nicht aus Geldmangel: Der zweimonatige Tankrabatt 2026 kostet mit 1,6 Milliarden Euro fast dreimal so viel wie das gesamte NKWS-Programm. Vom Industrieverband bis zur Umweltorganisation lautet das Urteil: hört sich gut an, dürfte aber kaum etwas bewirken. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) nennt das Programm „zu unambitioniert“, es setze „kaum neue wirtschaftspolitische Impulse“. Der Umweltverband WWF kommt zum selben Schluss: Das Programm setze zu einseitig aufs Recycling, dabei hätten Vermeidung und Reparatur noch größere Wirkung – „ohne verbindliche Ziele und einen klaren Rahmen verpuffen die Maßnahmen“. Was beide eint, bringt der Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft auf den Punkt: Es fehlten „politische Rahmenbedingungen, in denen zirkuläre Produkte fair konkurrieren können“. Hinter der Kritik steht eine Branche unter Druck. Seit 2021 sind Umsatz und Aufträge der Recyclingwirtschaft um mehr als 20 Prozent gesunken. Trotz riesiger Materialströme laufen die Anlagen nur zu gut 75 Prozent. Das ist unterhalb der Schwelle, ab der sich der Betrieb rechnet. Die Entsorgerverbände BDE und bvse begrüßen zwar den „Schwung in die Umsetzung“, warnen aber beide, dass ohne bindende Rezyklatquoten und einen Genehmigungsturbo Recyclingkapazitäten in Deutschland „unwiederbringlich verloren gehen“. Dabei läge hier eine doppelte Chance, die das Programm übersieht. Wer Rohstoffe im Land behält, macht sich unabhängig von Importen. Dazu kommt, dass Deutschland die Maschinen baut, mit denen auch anderswo recycelt wird. Umwelttechnik „Made in Germany“ ging 2025 für 14,5 Milliarden Euro in den Export, fast zwei Drittel davon in die EU. Je wertvoller Sekundärrohstoffe werden, desto größer der Markt für Sortier- und Recyclinganlagen, in Europa und darüber hinaus. Ein verbindlicher Heimatmarkt wäre damit auch zukunftsorientierte Industriepolitik: ein Leitmarkt, an dem die eigene Exportbranche ihre Technik zeigt, bevor andere nachziehen. Ende 2026 legt die EU-Kommission den Circular Economy Act vor. Voraussichtlich mit verbindlichen Quoten für Sekundärrohstoffe. Kommen sie, muss man in Berlin ohnehin nachsteuern. Deutschland könnte die Weiche früher stellen und sich einen Vorsprung sichern.   Quellen: Bundesumweltministerium: Bundesregierung beschließt Aktionsprogramm zur Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie BDI: Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS): Aktionsprogramm zu unambitioniert WWF: Mehr Recycling reicht nicht TÜV-Verband: NKWS-Aktionsprogramm endlich beschlossen – jetzt Kreislaufwirtschaft konsequent umsetzen bvse: Aktionsprogramm zur Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie bleibt hinter den Erwartungen zurück Recycling Magazin: Europa gewinnt für Umwelttechnik an Bedeutung Deutscher Bundestag: Bundestag beschließt Tank­rabatt und freiwillige Entlastungsprämie  



  • Solarmodul-Recycling gegen den Schredder

    Kreislaufwirtschaft für Solarmodule? Das ist im Aufbau: Die erste industrielle Recyclinglinie des Landes schafft 14.000 Tonnen im Jahr. Bis 2030 werden in Deutschland jährlich rund 400.000 Tonnen Altmodule erwartet. Wenn ein Solarmodul nach Jahrzehnten vom Dach genommen wird, landet es  oft im Schredder. Dabei gehen die wertvollen Bestandteile wie Silber, Silizium und ein Großteil des Glases verloren. Das Magdeburger Unternehmen Solar Materials will das ändern und gibt an, 98 Prozent des Modulgewichts zurückzugewinnen. Und: ohne den Einsatz von Chemikalien. Das 2021 gegründete Start-up betreibt seit April 2025 die erste industrielle Recyclinglinie für Photovoltaikmodule in Deutschland. Zuvor hatte das Unternehmen eine Pilotanlage mit einer Jahreskapazität von 3.000 Tonnen in Betrieb. In diesem Jahr erhöhte es die Kapazität auf 14.000 Tonnen und kündigte weitere Ausbauschritte sowie neue Standorte in Italien und Großbritannien an. Anstatt das Modul wie üblich zu zerkleinern, zerlegt eine robotergestützte Linie es schrittweise. Zunächst wird der Aluminiumrahmen abgenommen, dann wird die Glasscheibe gelöst, die rund zwei Drittel des Gewichts ausmacht. Übrig bleibt der Zellverbund, aus dem sich Silizium, Silber und Kupfer trennen lassen. Damit die Maschine weiß, wie sie ein bestimmtes Modul behandeln muss, gleicht sie dessen Barcode mit einer Datenbank des Fraunhofer-Centers für Silizium-Photovoltaik ab. Der Prozess wird automatisch angepasst. Die Bilanz fällt laut Unternehmen deutlich aus: Gegenüber der Gewinnung aus Primärrohstoffen spart das Verfahren bis zu 95 Prozent Energie und senkt den CO2-Ausstoß um bis zu 80 Prozent. Geschäftsführer Dr. Jan-Philipp Mai begründet den Ansatz auch geopolitisch: Jede Tonne, die in Europa recycelt wird, hält wertvolle Materialien auf dem Kontinent – Rohstoffe, die sonst importiert werden müssten. Das Vorhaben wird unter anderem von der landeseigenen IBG Beteiligungsgesellschaft Sachsen-Anhalt sowie privaten Kapitalgebern finanziert. Mehr als 6,5 Millionen Euro flossen als Förderung, darunter Unterstützung aus dem EIC-Accelerator der EU. Dass zurückgewonnene Rohstoffe industriell weiterverwendet werden können, zeigt nicht nur der chinesische Hersteller Trina Solar, der sie bereits im industriellen Maßstab in neuen Modulen einsetzt. Auch das aufbereitete Solarglas von Solar Materials selbst findet Abnehmer: Der deutsche Glasrecycler Reiling übernimmt die Scherben direkt in seine Produktion. Die Frage der Größenordnung bleibt. Den bis 2030 allein in Deutschland erwarteten 400.000 Tonnen Altmodulen steht eine Anlage mit einer Kapazität von 14.000 Tonnen gegenüber. Global rechnet die Branche mit acht Millionen Tonnen pro Jahr. Der modulare Aufbau der Technik soll schnelles Wachstum ermöglichen. Die Massen ausgedienter Module, die in den kommenden Jahren anfallen, lassen als sinnvolle Alternative zum Schredder nur eines: Kreislaufwirtschaft für Solarmodule.   Quellen: AGC-Glass: AGC Glass Europe and SOLAR MATERIALS announce a strategic partnership to advance on PV flat glass circularity solar materials: Solarpaneel Recycling-Revolutionfür wirklich grüne Energie KFW Gründer: Silber statt Schrott bvse: Solar Materials und Reiling schließen gemeinsam Kreislauf für Solarglas



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