Stress an den deutschen Flüssen

Der Klimawandel setzt Umwelt und Wirtschaft unter Druck

Ende des Jahrhunderts (2071-2100) ist mit erheblichen Änderungen der Umwelt-und Wirtschaftsbedingungen an den großen Flüssen in Deutschland zu rechnen, wenn globale Klimaschutzmaßnahmen nur unzureichend ergriffen werden. Aktuelle Ergebnisse der Bundesanstalt für Gewässerkunde zeigen die besonders betroffenen Flussabschnitte und wo dringlicher Anpassungsbedarf besteht.

Höchste berechnete Auftrittshäufigkeiten pro Jahr von Niedrigwasserereignissen an Bundeswasserstraßen im Zeitraum 2071–2100 bei Annahme geringer Erfolge im Klimaschutz. – Ferne Zukunft – Grafik 1 © BfG; BMVI Expertennetzwerk

Die Bundesanstalt für Gewässerkunde hat in den vergangenen vier Jahren untersucht, wie sich die prognostizierten klimatischen Bedingungen auf die großen Flüsse in Deutschland auswirken. Hierfür hat sie mit den Partnerbehörden des BMVI-Expertennetzwerks detaillierte Modelle entwickelt und neueste Klimaszenarien genutzt.

Ein untersuchtes Szenario unterstellt, dass die globalen Klimaschutzmaßnahmen zu gering ausfallen, was bis zum Ende des 21. Jahrhunderts zu einem Anstieg der globalen Mitteltemperatur um bis zu fünf Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter führen würde.

Die Auswertungen legten nahe, wie wichtig die angestrebte weitere Reduktion der Treibhausgasemissionen auch für die Flüsse sei. Bei diesem Szenario könnten intensivere Hochwasserereignisse die Verkehre auf Schiene, Straße und Wasserstraße beeinträchtigten, so die Wissenschaftler vom BfG. Die Binnenschifffahrt hätte zudem unter längeren Niedrigwasserphasen zu leiden.

Am Rhein-Pegel Kaub würden beispielsweise kritische Schwellenwerte gegen Ende des Jahrhunderts an 22 bis 48 Tagen unterschritten. Aber auch die Lebewesen in den Gewässern gerieten öfter in Stress. Grund dafür seien steigende Wassertemperaturen, die ebenso erwartet würden.

„Die Zuspitzung von Niedrigwassersituationen am Mittel-und Niederrhein kann die Logistikbranche zukünftig vor beträchtliche Herausforderungen stellen,“ befürchtet BfG-Wissenschaftler Enno Nilson. „Deshalb ist die gemeinsame und einheitliche Erforschung der Klimawirkungen auf alle Verkehrsträger im BMVI-Expertennetzwerk so wichtig”. Basierend auf den neuen Erkenntnissen, könnten stimmige Anpassungsmaßnahmen für das Verkehrssystem abgeleitet werden.

Niedrigste berechnete Auftrittshäufigkeiten pro Jahr von Niedrigwasserereignissen an Bundeswasserstraßen im Zeitraum 2071–2100 bei Annahme geringer Erfolge im Klimaschutz. – Ferne Zukunft – Grafik 2 © BfG; BMVI Expertennetzwerk;

“Die Ergebnisse wurden auf der Homepage des BMVI-Expertennetzwerks veröffentlicht und wurden auf der interaktiven Veranstaltung „BMVI-Expertennetzwerk online -Forschungsergebnisse kompakt“ am 19.01.2021 der Fachöffentlichkeit präsentiert.

Die Forschungsarbeiten im Rahmen des BMVI-Expertennetzwerks bestätigten, präzisierten und erweiterten die Ergebnisse aus dem Jahr 2015, die vom Klimafolgenforschungsprogramm KLIWAS zu Auswirkungen des Klimawandels auf Wasserstraßen und Schifffahrt stammten. Diese Arbeiten würden seit 2016 im behördenübergreifenden BMVI-Expertennetzwerk fortgeführt. Neben der Verwendung von aktuellen Klimadaten und der Entwicklung von neuen Methoden ermöglichte das BMVI-Expertennetzwerk auch die gemeinsame Betrachtung von Klimawirkungen auf Straßen, Schienen und Wasserstraßen erklärt Nilson weiter. Die Erkenntnisse und Methoden würden künftig durch den DAS-Basisdienst „Klima und Wasser“ operationalisiert. So seien die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse der Öffentlichkeit und der Fachleute dauerhaft zugänglich und ermöglichten der Entscheidungsebene unter anderem eine Anpassung der Wasserwirtschaft und der Binnenschifffahrt an die Folgen des Klimawandels, heißt es abschließend.

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