Eine Sortieranlage erfasst Kunststoffflakes im Sekundentakt. Cirrec in Duiven verarbeitet insgesamt 60.000 Tonnen Lebensmittelschalen pro Jahr und recycled verlässlich lebensmitteltaugliches Plastik.

Kunststoffflakes auf dem Förderband. Foto: TOMRA
Im niederländischen Duiven hat die Firma Cirrec geschafft, woran die Recyclingbranche seit Jahren arbeitet: Ein Werk verwandelt gebrauchte PET-Verpackungen in neue Lebensmittelschalen. Laut dem Unternehmen in derselben Qualität wie Neuware. Die im Dezember 2025 öffentlich gemachte Zusammenarbeit zwischen der Faerch-Gruppe und dem Sortiertechnik-Spezialisten TOMRA zeigt, dass lebensmitteltaugliches Plastikrecycling im industriellen Maßstab möglich ist. Die Partnerschaft zwischen der Faerch-Gruppe und dem norwegischen Sortiertechnologie-Spezialisten TOMRA markiert einen Wendepunkt für die Kreislaufwirtschaft bei Kunststoffverpackungen.
Plastik sortieren, das für Lebensmittel wiederverwendet werden kann. Was simpel klingt, ist technisch hochkomplex. Nur Plastik, das strenge Hygiene- und Qualitätsstandards erfüllt, darf erneut mit Lebensmitteln in Kontakt kommen. Herkömmliche optische Sensoren können jedoch nicht unterscheiden, ob eine Kunststoffflocke ursprünglich eine Shampoo-Flasche war oder ein Joghurtbecher. Anders als bei Getränkeflaschen, die in relativ sauberen Strömen gesammelt werden, sind Lebensmittelschalen stark und unterschiedlich kontaminiert – mit Essensresten, Fremdkunststoffen und anderen Materialien. Diese Verunreinigungen zuverlässig zu entfernen und gleichzeitig die Herkunft des Materials zu identifizieren, war bisher eines der größten Hindernisse für echte Kreislaufwirtschaft.
Dafür läuft das Material durch einen mehrstufigen Prozess aus Vorsortierung, Waschen, Trocknen und anschließender hochpräziser Flake-Sortierung. Cirrec hat vor kurzem mehrere TOMRA-Flake-Sortierlösungen installiert. Seitdem sind die Verunreinigungen in den Endströmen gesunken, die Anlage sortiert verlässlich lebensmitteltaugliche PET-Flakes. Das Ergebnis übertraf die Erwartungen: Die Verarbeitungs-Kapazität verdoppelte sich auf 60.000 Tonnen pro Jahr, während gleichzeitig die Qualität stieg. Die sortierten PET-Flocken werden vor Ort zu Granulat verarbeitet und fließen direkt in die Produktion neuer Lebensmittelschalen mit bis zu 70 Prozent Recyclinganteil. „Diese Zusammenarbeit hat klar gezeigt, dass hochwertiges Tray-to-Tray-Recycling möglich ist und bereits im industriellen Maßstab stattfindet“, erklärt Simone Tirelli, Projektleiterin bei Cirrec.
Der Kooperationspartner TOMRA entwickelt parallel KI-gestützte Sortierung. Eine Technik, die bei den Plastic Recycling Awards Europe 2025 als „Recycling Machinery Innovation of the Year“ ausgezeichnet wurde. Es soll unter anderem Food- von Non-Food-Verpackungen unterscheiden können, also praktisch: Joghurtbecher oder Shampoo-Flasche. Eine Fähigkeit, die mit bisherigen Sensoren unmöglich zu erreichen war. Für die Kreislaufwirtschaft ist das ein Durchbruch. Bisher endeten viele gebrauchte Lebensmittelverpackungen im Downcycling. Sie wurden zu minderwertigeren Produkten wie Fasern oder Folien verarbeitet. Mit der neuen Technologie können sie im Verpackungskreislauf bleiben. Das ist auch regulatorisch relevant, denn die EU-Verpackungsverordnung wird künftig hohe Recyclinganteile in Verpackungen vorschreiben.
Quellen:
- TOMRA: Recycling: Faerch Recycling Success: High-Quality Sorting Solutions
- GAINnext crowned Recycling Machinery Innovation of the Year