Wärmeplanung unter Druck: Fraunhofer warnt

Das Wärmeplanungsgesetz läuft in die heiße Phase: Bis Juni 2026 müssen große Städte verbindliche Wärmepläne vorlegen. Das heißt, viele Pläne werden gerade jetzt erstellt. Doch Fraunhofer IEG schlägt Alarm: Viele Kommunen stoßen dabei an ihre Grenzen, weil die politische Basis und die nötige Infrastruktur fehlen.

Fraunhofer IEG im Austausch mit Expertinnen und Experten zu echten Anwendungen mit nachhaltigem Nutzen.

Fraunhofer IEG im Austausch mit Expertinnen und Experten zu echten Anwendungen mit nachhaltigem Nutzen. Foto: Fraunhofer IEG/Mollwitz

Kommunen mit mehr als 100.000 Einwohnern müssen bis zum 30. Juni 2026 verbindliche Wärmepläne vorlegen, kleinere Gemeinden bis 2028. Ein Wärmeplan ist ein Fahrplan: Er erfasst, wie Gebäude heute beheizt werden, welche Gebiete künftig über Fernwärme versorgt werden können und wo dezentrale Lösungen wie Wärmepumpen sinnvoller sind. Kommunen, die diesen Plan noch nicht abgeschlossen haben, arbeiten gerade daran. Und genau hier liegt das Problem. Prof. Rolf Bracke vom Fraunhofer-Institut für Energieinfrastrukturen und Geotechnologien (IEG) warnt Politik und Branche gleichermaßen: Die nötigen Voraussetzungen für gute Pläne fehlen oft. Konkret mangelt es an Standardisierungen im Anlagenbau und an Ausbildungskapazitäten für Fachkräfte. Beides ist Voraussetzung dafür, dass die Klimaziele in der Wärmeversorgung erreichbar bleiben. Ohne diese Grundlagen drohen Wärmepläne, die zwar fristgerecht eingereicht werden, aber in der Umsetzung scheitern.

Das Potenzial ist riesig: Drei von vier Bestandsgebäuden in Deutschland könnten mit oberflächennaher Geothermie klimatisiert werden. Bis zu 25 Prozent des kommunalen Wärmebedarfs ließen sich aus Tiefengeothermie decken. „Erdwärme öffnet für Kommunen und Industrie ein riesiges Potenzial“, sagt Bracke. Doch zwischen technischem Potenzial und kommunaler Realität klafft eine Lücke. Viele Städte wissen nicht einmal, welche geothermischen Ressourcen unter ihren Straßen liegen. Neben dem strukturellen Defizit fehlt es Kommunen oft auch an digitalen Planungswerkzeugen. Das Fraunhofer IEG hat hierfür das Modul HEATOPIA entwickelt, das als digitaler Zwilling die Optimierung von Wärmenetzen ermöglicht. Das System koordiniert Erzeuger, Netze und Speicher in einem integrierten Modell, schätzt Investitionskosten und Standorteignung und erlaubt kontinuierliche Plananpassungen. Parallel präsentierte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit heatbrAIn ein System, das den Wärmebedarf für Gebäude berechnet und fehlende Daten per KI ergänzt. Beide Werkzeuge werden auf der GeoTHERM-Messe vom 26. bis 27. Februar 2026 in Offenburg vorgestellt.

Solche Tools können helfen, aber sie lösen das Kernproblem nicht. Viele Kommunen verfügen weder über ausreichende Daten noch über die personellen Kapazitäten für eine komplexe Wärmesystemplanung. Kleinere Gemeinden sind besonders betroffen: Sie haben oft nur einen Bauamtsleiter, der nebenbei auch für Klimaschutz zuständig ist. Die Frist bis 2028 klingt komfortabel, ist es aber nicht. Wer heute nicht anfängt, wird die Deadline reißen. Die Weichenstellung für die Energiewende hängt genau an dieser Stelle. Das 2026 das Gebäudeenergiegesetz ablösende Gebäudemodernisierungsgesetz wird die Anforderungen weiter erhöhen. Im Jahr 2025 wurden in mehr als zwei Dritteln aller Neubauten Wärmepumpen installiert. Derartige Veränderungen müssen in der kommunalen Wärmeplanung abgebildet werden. Denn wer heute ein Fernwärmegebiet ausweist, in dem morgen niemand mehr Fernwärme braucht, plant am Bedarf vorbei.

Was gerade passiert, ist unsichtbar, aber folgenreich. In Rathäusern und Planungsbüros werden Entscheidungen getroffen, die für Jahrzehnte festlegen, wie Stadtteile beheizt werden. Diese Pläne bestimmen, ob Hausbesitzer in zehn Jahren noch einen Gasanschluss bekommen oder ob ihr Viertel an ein Wärmenetz angeschlossen wird. Sie entscheiden über Milliarden an Infrastrukturinvestitionen. Die Botschaft aus der Forschung ist deutlich: Die Technologien existieren und ihr Potenzial ist belegt. Was fehlt, sind Fachkräfte, Standards und handlungsfähige Kommunen. Digitale Planungstools können die Vorbereitung erleichtern, aber sie können die strukturpolitischen Entscheidungen, auf die Bracke dringt, nicht ersetzen. Das Fraunhofer IEG legt nah: Wer die Wärmewende will, muss jetzt in kommunale Planungskapazitäten investieren. Die Qualität der gerade entstehenden Pläne wird entscheiden, ob die Energiewende im Gebäudesektor gelingt oder an bürokratischer Überforderung scheitert.

 

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