Zwei Großprojekte in Duisburg und Salzgitter lösen das Henne-Ei-Problem der Wasserstoffwirtschaft. In Duisburg und Salzgitter entstehen jetzt Stahlwerke, die ihn brauchen.

Projekt Rheinblick: In Duisburg baut thyssenkrupp eine Anlage für emissionsarmen Stahl. Foto: thyssenkrupp
Seit Februar 2026 wächst in Duisburg eine Anlage, die ab 2029 rund 143.000 Tonnen Wasserstoff pro Jahr abnehmen wird. Das ist etwa das Zehnfache dessen, was alle deutschen Elektrolyseure im Jahr 2025 zusammen produziert haben. Während die Wasserstoffwirtschaft bislang am Henne-Ei-Problem scheiterte – es gab keine Abnehmer, weshalb keine Investitionen in die Erzeugung getätigt wurden – schaffen die Stahlwerke nun Fakten. Sie sind Ankerabnehmer und machen die Infrastruktur wirtschaftlich.
Sieben Prozent der weltweiten CO2-Emissionen stammen aus der Stahlindustrie. In Deutschland ist dieser Sektor einer der größten industriellen Emittenten, was am Verfahren selbst liegt: Im klassischen Hochofen schmilzt Eisenerz mithilfe von Koks. Dieser Prozess lässt sich nicht elektrifizieren. Die Alternative heißt Direktreduktion. Dabei wird Eisenerz nicht erschmolzen, sondern mithilfe von Wasserstoff zu Eisenschwamm reduziert. Das einzige Nebenprodukt ist Wasser. Anschließend wandert der Eisenschwamm in einen Elektrolichtbogenofen, wo er zu Stahl weiterverarbeitet wird.
In Duisburg entsteht die größte Anlage dieser Art in Deutschland. Das Projekt trägt intern den Namen „tkH2Steel” und hat eine Kapazität von 2,5 Millionen Tonnen direkt reduziertem Eisen pro Jahr. Im Vollbetrieb mit grünem Wasserstoff spart die Anlage bis zu 3,5 Millionen Tonnen CO2 jährlich ein. Umgerechnet so viel, wie etwa 1,5 Millionen Pkw pro Jahr ausstoßen. Das Gesamtinvestitionsvolumen beläuft sich auf rund zwei Milliarden Euro. Knapp eine Milliarde davon trägt thyssenkrupp selbst, Bund, Land NRW und EU steuern den Rest bei. Der Baubeginn war im Februar 2026, die Inbetriebnahme ist für Ende des Jahres geplant.
Deutschland setzt jedoch nicht nur auf Duisburg. Parallel dazu läuft in Salzgitter das SALCOS-Programm der Salzgitter AG: eine Direktreduktionsanlage, ein Elektrolichtbogenofen und ein 100-Megawatt-Elektrolyseur im Paket. Im Februar 2026 hat die Bundesregierung zusätzliche Fördermittel von 322 Millionen Euro für das Vorhaben bestätigt. Das Ziel besteht darin, bis 2033 bis zu 95 Prozent der CO2-Emissionen des Standorts einzusparen.
Beide Projekte können übergangsweise mit Erdgas oder blauem Wasserstoff betrieben werden. Das Wasserstoff-Kernnetz soll ab 2027 schrittweise in Betrieb genommen werden. Die eigentliche Pointe liegt jedoch woanders: Diese Anlagen lösen ein zentrales Problem des Stromsystems. An windreichen Tagen produzieren Offshore-Parks mehr Strom, als das Netz aufnehmen kann. Die Folge sind Abregelungen und Negativpreise, was für die Betreiber teuer ist und eine Verschwendung für das System darstellt. Elektrolyseure können diesen Überschussstrom jedoch in Wasserstoff umwandeln. Sie laufen, wenn Strom billig ist, und pausieren, wenn er knapp ist. Für ein Stahlwerk mit Wasserstoff-Zwischenspeicher ist das ideal. Was heute ein Netzproblem darstellt, wird so zum Rohstoff. Die Stahlwerke in Duisburg und Salzgitter sind jedoch nicht auf von einer funktionierenden Wasserstoffwirtschaft abhängig. Sie sollen sie aufbauen. Die Stahlwerke in Duisburg und Salzgitter sind jedoch nicht von einer funktionierenden Wasserstoffwirtschaft abhängig. Sie sollen sie aufbauen. Ihre Nachfrage ist konkret, ihr Bedarf planbar und ihre Standorte sind ans Kernnetz angebunden. Wenn Elektrolyseur-Projekte heute wirtschaftlich werden, dann liegt das auch daran, dass hier Abnehmer gibt, die Verträge unterschreiben.
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