Batteriekreislauf Europa: Tozero startet Recycling ohne Säure

Europas Batteriekreislauf ist derzeit kein echter Kreislauf – er funktioniert wie eine Einbahnstraße. Doch das wird sich bald ändern: Recycelte Metalle sollen künftig verpflichtend in Batterien eingesetzt werden. Daraus entsteht eine neue Marktlücke, die ein bayerisches Start-up mit einem besonders umweltschonenden und hochwertigen Recyclingverfahren schließen will.

Die Gründerinnen: Die Ingenieurinnen Sarah Fleischer und Ksenija Milicevic Neumann Foto: tozero

Die Gründerinnen: die Ingenieurinnen Sarah Fleischer und Ksenija Milicevic Neumann. Foto: tozero

Europas Batteriekreislauf existiert derzeit nicht. Dass sich das ändern muss, hat Brüssel erkannt. Die EU-Batterienverordnung schreibt ab 2026 eine Recyclingeffizienz von 65 Prozent für Lithium-Ionen-Batterien vor. Und ab 2031 müssen neue Batterien einen Mindestanteil recycelter Rohstoffe enthalten: 6 Prozent Lithium, 6 Prozent Kobalt und 6 Prozent Nickel.
Eine neue Demonstrationsanlage in Oberbayern liefert den technischen Beweis, dass sich seltene Erden viel besser im Kreislauf halten lassen. Und mit der Verordnung entsteht erstmals eine planbare Nachfrage nach Sekundärrohstoffen mit Batteriequalität. Wer diese Materialien liefern kann, bedient bald keinen Nischenmarkt mehr, sondern steht vor einer großen Marktlücke.

Hier setzt das bayerische Start-up Tozero an. Ende März eröffnete das Unternehmen seine Demonstrationsanlage in Oberbayern. Das Verfahren kommt dabei ohne Säuren aus. Kein anderer Betrieb in Europa betreibt bisher dieses umweltverträgliche Verfahren im Industriemaßstab.
Der Unterschied ist erheblich: Bei herkömmlichen Recyclingverfahren wird mit Hochöfen gearbeitet, in denen Lithium als Schlacke verloren geht. Und bei Recycling mit Säure wird zwar auch viel Material zurückgewonnen, es entstehen jedoch chemische Abfälle.

Der Prozess von Tozeros vermeidet beides. Am Ende stehen reines Lithium, Graphit und ein Nickel-Kobalt-Gemisch. Genau die Materialien, die die Verordnung als Rezyklat-Anteil verlangt. Die Kapazität der Anlage liegt bei 1.500 Tonnen Batterieschrott pro Jahr. Das reicht für Batterien von rund 6.000 Elektroautos. Noch ist das ein kleiner Maßstab. Denn schon in wenigen Jahren werden allein aus der europäischen Batteriezellproduktion Zehntausende Tonnen dieser Rohstoffe als Rezyklate in den Stoffkreislauf zurückfließen. Bis 2030 möchte Tozero noch eine größere Recyclinganlage aufbauen, noch bevor die ersten E-Auto-Batterien ausgedient haben.

Noch ist offen, wie sich Tozeros Verfahren wirtschaftlich gegen herkömmliche Anlagen oder die säurebasierten Prozesse chinesischer Recycler behauptet. Diese punkten vor allem durch ihre Skalierbarkeit, die große Mengen verarbeiten lässt und dadurch profitabler ist.
Doch die neue EU-Regulierung verändert die Spielregeln: Ohne europäische Recyclingkapazitäten lassen sich die bald vorgeschriebenen Rezyklatquoten der Batterieverordnung nicht erfüllen. Die Demonstrationsanlage zeigt, dass Tozeros Ansatz funktioniert und hochwertiges, reines Material gewinnen kann. Also ein vielversprechender Schritt in einer Entwicklung, die Europas Batteriemarkt in den kommenden Jahren grundlegend prägen dürfte.

 

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