Altholz: der Rohstoff, der im Ofen landet

In Deutschland landen jährlich vier von fünf Tonnen Altholz in der Verbrennung, obwohl ein großer Teil davon zu neuem Material verarbeitet werden könnte. Ein Berliner Projekt nutzt jetzt Sensoren, um das Material auszusortieren, das zu schade fürs Feuer ist.

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Verleimt, lackiert, beschlagen: Solches Altholz gilt bislang vor allem als Brennstoff. Dabei steckt darin Material für neue Platten, wenn man es sortenrein trennt. Foto: MaxMijagi

Von den rund acht Millionen Tonnen Altholz, die in Deutschland jährlich anfallen, werden etwa 80 Prozent verbrannt. Ein Berliner Projekt von IKEA, dem Sortiertechnik-Hersteller TOMRA und der Holztechnologiefirma Tretorg zeigt jedoch, dass sich dieses Verhältnis verändern ließe. Sensoren erkennen im gemischten Altholzstrom, welche Stücke sauber genug sind, um als Werkstoff weiterverarbeitet zu werden.
Altholz kommt selten sortenrein an. Im Sperrmüll ist es verleimt, lackiert und beschichtet, mit Schrauben und Scharnieren versehen und oft von Jahrzehnten Gebrauch gezeichnet. Die Altholzverordnung sortiert den Strom grob nach Belastung: von sauberen Paletten bis zu imprägniertem Holz, das nur noch in den Ofen darf. Das saubere Holz aus dem Gemisch zu lösen und auf Schadstoffe zu prüfen, war bisher teuer und ungenau. Ein Kostenvorteil gegenüber frischem Holz sprang dabei selten heraus.

Doch das könnte die neue Sensortechnik jetzt ändern: An einer Demonstrationsanlage im Berliner Stadtteil Spandau liest eine Kombination aus Kamera, Nahinfrarot-Spektroskopie und Metalldetektion jedes Stück auf dem Förderband. Sie unterscheidet unbehandeltes Vollholz von beschichteten Faserplatten und schleust Metallteile aus. Übrig bleibt sauberes Holz und wiederverwertbares Material. Letzteres kann die Holzwerkstoffindustrie direkt einsetzen. Für Ikea, das Spanplatten in großen Mengen verbaut, ist ein solcher Rücklauf sehr interessant.
Dass die Trennung inzwischen genau genug funktioniert, zeigt auch ein Forschungsverbund unter der Leitung des Fraunhofer-Instituts IOSB. Mit Infrarot-, Wärme- und Terahertz-Kameras erreicht er eine Treffergenauigkeit von über 95 Prozent, wo Altholz aus Sperrmüll bislang meist von Hand getrennt wird. Die Technik allein dreht das Verhältnis jedoch nicht um. Die deutsche Altholzverordnung stellt die stoffliche und die energetische Verwertung für die meisten Altholzklassen als gleichrangig nebeneinander. Wer sauberes Holz verbrennt, erfüllt die Vorgaben ebenso wie jemand, der es zu Platten verarbeitet. Die europäische Abfallhierarchie sieht das anders: Dort steht das Recycling über der Verbrennung. Eine Novelle, die genau diesen Vorrang in die Altholzverordnung überträgt und die stoffliche Quote anheben soll, kommt seit Jahren nicht voran.

Das Holz ist vorhanden, ebenso die Technik, die es retten könnte. Trotzdem lohnt sich das Verbrennen weiterhin, denn die Regelung sieht es genauso vor wie das Recycling. Für das Gesetz ist beides Verwertung: das neue Brett ebenso wie die Wärme aus dem Ofen. Ob aus dem Altholz ein Kreislauf wird oder Rauch entsteht, hängt nicht vom Sensor ab, sondern davon, welche Nutzung Vorrang bekommt. Dabei zählt jedes Brett, das weiterverwendet wird, doppelt: Es bindet seinen Kohlenstoff länger und spart frisches Holz. Beim Verbrennen ist beides sofort weg.

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