„Kreislaufwirtschaft ist kein Nischenthema“, sagte Münchens Bürgermeister bei der Verabschiedung. „Sie ist die Grundlage, um München fit für die Zukunft zu machen.” Als deutsche EU-Pilotstadt beschloss München eine verbindliche Strategie mit fünf messbaren Zielen bis 2045. Ob die ambitionierten Ziele bei einem aktuellen Rohstoffverbrauch von 32 Tonnen pro Kopf und Jahr erreicht werden können, bleibt fraglich.

Hier im Neuen Rathaus in München fiel der Beschluss zur Münchner Kreislaufwirtschaftsstrategie (MKWS). Foto: Michael Nagy/Presse- und Informationsamt München
Der Münchner Stadtrat hat im Dezember 2025 einen Beschluss mit Signalwirkung über die Stadtgrenzen hinaus gefasst: Die Münchner Kreislaufwirtschaftsstrategie (MKWS) ist die erste verbindliche Roadmap einer deutschen Großstadt zur Kreislaufwirtschaft. Mit fünf messbaren Zielen bis 2045, einem eigenen Maßnahmenplan für den Bausektor und einer städtischen Bauteilbörse macht München ernst. Das Timing ist kein Zufall. München ist die deutsche Stadt, die als Pilotstandort der EU-Initiative „Circular Cities and Regions Initiative” (CCRI) ausgewählt wurde. Berlin und Südostniedersachsen nehmen lediglich als sogenannte Fellows teil, was eine andere Kategorie mit weniger intensiver Betreuung darstellt. Was München in den kommenden Jahren umsetzt, wird in Brüssel genau beobachtet. Der größte Hebel liegt im Bauwesen. Hier fließen etwa 60 Prozent aller Materialien, weshalb die Stadt hier konkret ansetzt: Eine städtische Bauteilbörse soll dafür sorgen, dass Abbruchbeton, Fenster oder Stahlträger künftig direkt in neue Projekte wandern, statt auf der Deponie zu landen. Für kommunale Bauvorhaben werden Recyclingquoten zur Pflicht. Die Stadtverwaltung selbst soll mit einem nachhaltigen Beschaffungswesen vorangehen.
Wirtschaftlich gilt München bereits als Hotspot der Kreislaufwirtschaft. In der Stadt hat sich in den vergangenen Jahren ein aktives Start-up-Ökosystem rund um zirkuläre Geschäftsmodelle entwickelt, das auch bei Investorinnen und Investoren auf Interesse stößt. Die Strategie soll dieses Umfeld weiter stärken und mindestens 2.000 Unternehmen und Organisationen aktiv einbinden. Parallel dazu läuft seit 2020 das Programm „Zero Waste City”. Das Motto lautet: Abfallvermeidung statt Entsorgung. Konkret bedeutet das weniger Verpackungsmüll in Kantinen, Mehrwegsysteme im Handel und eine Reparaturförderung für Haushaltsgeräte. Die Stadt will damit auch die Bürgerinnen und Bürger erreichen und nicht nur die Unternehmen. „Kreislaufwirtschaft ist kein Nischenthema“, sagte Bürgermeister Dominik Krause bei der Verabschiedung. „Sie ist die Grundlage, um München fit für die Zukunft zu machen.” An der Strategie haben über 100 Experten aus Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft mitgearbeitet.
Die Ausgangslage ist allerdings schwierig. München verbraucht pro Kopf deutlich mehr Rohstoffe als der deutsche Durchschnitt und recycelt nur einen Bruchteil davon. Fast alles muss importiert werden. Die Ziele sind ambitioniert: Bis 2035 soll der Material-Fußabdruck um 30 Prozent sinken und bis 2045 um die Hälfte. Ob das gelingt, hängt davon ab, wie konsequent die Maßnahmen umgesetzt werden.
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