EU-Geothermie: Fast die Hälfte des Fossilstroms ist ersetzbar

Geothermie gilt als Nischentechnologie: teuer, langsam, ortsgebunden. Eine neue Studie kommt zu einem anderen Befund und warnt, dass Europa das Potenzial der Geothermie verschläft.

Image by <a href="https://pixabay.com/users/zsandor-2873005/?utm_source=link-attribution&utm_medium=referral&utm_campaign=image&utm_content=1901122">zsandor</a> from <a href="https://pixabay.com//?utm_source=link-attribution&utm_medium=referral&utm_campaign=image&utm_content=1901122">Pixabay</a>

Ein Geysir zeigt, was in der Tiefe steckt: Heißes Wasser, das unter Druck an die Oberfläche schießt. Ein sichtbares Zeichen nutzbarer geothermischer Energie.      
Foto: zsandor

Europa sitzt auf heißem Gestein und nutzt es kaum. Eine neue Studie des Energieforschungsinstituts Ember zeigt erstmals systematisch, welches Potenzial wirtschaftlich erschließbar wäre. Das Ergebnis ist beachtlich: Die zusätzlich gewinnbare Menge an Geothermie-Strom könnte rund 42 Prozent der gesamten Stromerzeugung aus Kohle und Gas in der EU ersetzen.

Die Schlüsseltechnologie dafür heißt Enhanced Geothermal Systems (EGS). Das Prinzip ist folgendes: Wasser wird in heißes Tiefengestein gepresst, dort erhitzt und zur Stromerzeugung wieder nach oben geleitet. Im Gegensatz zur klassischen Geothermie benötigt EGS keine natürlichen Heißwasserquellen. EGS funktioniert überall dort, wo in der Tiefe genug Hitze vorhanden ist. Und das ist in Europa vielerorts der Fall.
Das größte Potenzial liegt laut Ember in Ungarn. Dort befindet sich heißes Gestein vergleichsweise nah unter der Oberfläche, sodass die Bohrungen kürzer sind und die Kosten niedriger ausfallen. Aber auch in Polen, Deutschland und Frankreich rechnen sich Projekte. In Deutschland sind tiefere Bohrungen nötig, das Potenzial ist dennoch erheblich. Der entscheidende Vorteil gegenüber Wind- und Solarenergie: Geothermiekraftwerke liefern Strom rund um die Uhr. Es gibt kein Nachtproblem und kein Windproblem. Für ein Stromsystem, das zunehmend auf wetterabhängige Quellen setzt, ist das sehr wertvoll. Geothermie könnte die Lücke füllen, wenn Sonne und Wind es nicht tun.

Der entscheidende Vorteil gegenüber Wind und Solar: Geothermiekraftwerke liefern Strom rund um die Uhr. Kein Nachtproblem, kein Windproblem. Für ein Stromsystem, das zunehmend auf wetterabhängige Quellen setzt, ist das wertvoll. Geothermie könnte liefern, wenn Sonne und Wind es nicht tun. Besonders im Winter, wenn die Solarerträge einbrechen und der Heizbedarf steigt. Die Tiefenwärme liefert unabhängig von Wetter und Tageszeit, ist also eine verlässliche Grundlast, die das Stromnetz stabilisiert.
Lange scheiterte Geothermie an den hohen Bohrkosten. Das hat sich inzwischen geändert. Denn in den USA Bohrungen gezeigt, dass neue Methoden aus der Öl- und Gasindustrie die Kosten drastisch senken können.
Doch zwischen Potenzial und Realität klafft eine Lücke. Die Ember-Studie benennt strukturelle Hindernisse: Genehmigungsverfahren dauern zu lange. Es fehlen skalierbare EU-Finanzierungsinstrumente. Ein strategisches Rahmenwerk, das Investoren Planungssicherheit gibt, existiert nicht. Ohne diese Voraussetzungen wird das Potenzial nicht gehoben. Die EU könnte sogar eine technologische Führungsposition in einem Bereich gewinnen, der weltweit an Bedeutung gewinnt.

Quelle: