50,5 Grad in der Türkei geknackt. Erstmals überhaupt erreichte eine Messstation in Europa die 50-Grad-Marke. Es war einer von vielen besorgniserregenden Rekorden, die der neue Copernicus-Bericht für 2025 dokumentiert.

Fast ganz Europa in Rot: 95 Prozent des Kontinents lagen 2025 über dem Temperaturmittel. Mit +0,5 °C Erwärmung pro Jahrzehnt ist Europa der sich am schnellsten erwärmende Kontinent der Erde. Credit: C3S/ECMWF1
Der europäische Kontinent erwärmt sich mehr als doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt. Das ist die Aussage des „European State of the Climate 2025“, den der EU-Klimadienst Copernicus gemeinsam mit der Weltorganisation für Meteorologie am 28. April vorgelegt hat. Fast der gesamte Kontinent verzeichnete überdurchschnittliche Temperaturen und der Sommer brachte die zweitschwerste Hitzewelle seit Beginn der Aufzeichnungen.
Die Zahlen, die der Bericht zusammenträgt, zeigen eine klar erkennbare Verschiebung. So kletterte das Thermometer im Südosten der Türkei auf 50,5 Grad – der erste je in Europa gemessene Wert oberhalb dieser Schwelle. Auch Zypern verzeichnete mit 44,7 Grad einen Rekord. Vom 7. bis zum 31. Juli, also 25 Tage am Stück, standen weite Teile Europas unter einer Hitzeglocke. Noch bemerkenswerter ist, dass es in Norwegen, Schweden und Finnland 21 aufeinanderfolgende Tage mit Temperaturen über 30 Grad gab – und das so weit nördlich innerhalb des Polarkreises.
Auch die Meere reagieren. Die Oberflächentemperatur der europäischen Meere erreichte zum vierten Jahr in Folge einen neuen Höchstwert. 86 Prozent der europäischen Meeresregionen erlebten im Jahr 2025 marine Hitzewellen, mehr als ein Drittel davon in der Kategorie „schwer” oder „extrem”, der höchste je gemessene Anteil. Im Mittelmeer wurde an jedem einzelnen Tag des Jahres eine Hitzewelle registriert. Drei Jahre in Folge war also die Temperatur wärmer als sonst. Was Anomalie war, ist nun Normalzustand.
Auf den Landflächen kippt der Wasserhaushalt in beide Richtungen. 70 Prozent der europäischen Flüsse führten weniger Wasser als im Mittel und im Mai galt mehr als die Hälfte des Kontinents als von Dürre betroffen. Gleichzeitig brannte Europa: Über eine Million Hektar verbrannten im Jahr 2025, was einen neuen Rekord darstellt. Die Brände in Spanien waren für rund die Hälfte der Brandemissionen verantwortlich. Im Norden schmolz der grönländische Eisschild um 139 Gigatonnen und die Gletscher Islands verzeichneten den zweitgrößten Massenverlust seit Beginn der Aufzeichnungen.
Nicht nur Negativ-Rekorde sind für 2025 festgehalten. Erneuerbare Energien deckten im Jahr 2025 erstmals 46,4 Prozent des EU-Stromverbrauchs; Solarenergie steuerte mit 12,5 Prozent einen Rekordanteil bei. Die EU-Treibhausgasemissionen sanken zwischen 2023 und 2024 um 2,5 Prozent. Diese Zahlen sind real. Sie sind jedoch nicht groß genug, um die physikalische Trägheit eines bereits eingespeicherten Wärmeüberschusses umzukehren.
Hier setzt die offene Frage des Berichts an: Anpassung, Hitzeschutz für Städte, Wassermanagement, Brandprävention sind keine Ergänzung zur Dekarbonisierung mehr, sondern eine eigene politische Aufgabe. Die Erwärmung des Kontinents folgt einer rasanten Dynamik, die sich immer schwerer bremsen lassen wird.
Quelle: