Bis zu 94 Prozent einer Windel will Kopenhagen künftig verwerten. Wie viel davon als neues Material zurückgewonnen werden kann, hängt davon ab, woraus eine gebrauchte Windel besteht.

Außen Folie, innen Zellstoff und Superabsorber, fest miteinander verbunden: Ab Februar zerlegt eine eigene Anlage bei Kopenhagen gebrauchte Windeln. Foto: Mahesh Patel
In den Kopenhagener Hinterhöfen stehen neue Tonnen. Sie sind für gebrauchte Windeln gedacht und sind dort platziert, wo mindestens sechs Kinder unter vier Jahren wohnen, sowie an den städtischen Kitas. Die Tüte wird verknotet und einmal pro Woche geleert. Bisher verbrennt die dänische Hauptstadt jedes Jahr rund 50 Millionen Windeln mit dem Restmüll. Ab Februar 2027 folgen nach und nach auch Pflegeheime und Seniorenwohnungen. Wenn das System im Jahr 2029 vollständig läuft, will die Stadt 5.000 Tonnen pro Jahr sammeln.
Die Verwertung der Windeln übernimmt das Entsorgungsunternehmen Verdis. Dafür hat es im Vorort die erste Windel-Recyclinganlage gebaut, die auf eine Kapazität von rund 8.000 Tonnen im Jahr ausgelegt ist. Das Verfahren stützt sich auf Erfahrungen aus den Niederlanden, wo der Entsorger ARN bei Nijmegen seit Jahren Windeln verarbeitet. In der Anlage werden die Windeln sterilisiert und zerlegt. Der Kunststoff wird zu neuem Plastik, die Stadt nennt als Beispiele Kugelschreiber, Rohre und Innenraumteile für Autos. Zellstoff und Inhalt werden zu einer Biofaser, die vergoren wird und als Biogas, Strom, Fernwärme und Dünger endet. Die Superabsorber, also die Körnchen, die in der Windel die Flüssigkeit binden, sollen als Bindemittel in der Bauindustrie verwendet werden. Mit dem abgetrennten Wasser will die Stadt die Müllwagen waschen.
So würden bis zu 94 Prozent einer Windel verwertet, schreibt die Stadt. In diese Quote werden das Wasser und das Biogas eingerechnet. Eine gebrauchte Windel besteht laut der Stadtverwaltung zu 60 bis 70 Prozent aus Urin und Kot. Kunststoff und Superabsorber machen zusammen höchstens ein Fünftel aus. Nur diese beiden werden wieder zu Werkstoffen. Schon das gelingt nur in eigens gebauten Anlagen: Folie, Zellstoff, Kleber und Gummibänder sind fest miteinander verbunden, Zellstoff und Superabsorber bilden zusammen eine Masse, die sich kaum trennen lässt. Als Kopenhagen die Verwertung zum ersten Mal ausschrieb, verlangte die Stadt mindestens 20 Prozent Recycling. Den Firmen war das zu viel, und die Menge war ihnen zu klein.
Gegenüber der Verbrennung rechnet die Stadt mit bis zu 4.500 Tonnen CO2 weniger im Jahr. „Es gibt einen großen Klimagewinn, wenn wir die Windeln recyceln, statt sie zu verbrennen“, sagt Line Barfod, Kopenhagens Bürgermeisterin für Klima, Umwelt und Technik. Die Sammlung wird über die Wertstoffgebühr finanziert, die alle Haushalte zahlen. Im benachbarten Frederiksberg, das sich an der Anlage beteiligt, gab es darüber eine Debatte: Die Kommune sammelt nur in Kitas und Pflegeheimen und rechnet mit 250 statt der ausgeschriebenen 650 Tonnen.
Quellen:
- Københavns Kommune: Jetzt sortieren die Kopenhagener ihre Windeln fürs Recycling
- Københavns Kommune: (2026): So sortierst du Windelabfall
- Københavns Kommune: Diaper recycling in the City of Copenhagen
- CleanTechWatch: Der Vertrag ist unterschrieben: Verdis baut 2026 eine Windelanlage
- Solarify: Windel-Recycling gab es bisher kaum. Das könnte sich bald ändern
Titel übersetzt mit DeepL