Flaschen und Gläser, die im Restmüll landen, waren bisher für den Kreislauf verloren. In Österreich holt eine Anlage das Glas nach der Müllverbrennung aus der Asche zurück und führt es der Glasproduktion wieder zu.

Nach dem Feuer liegt Glas als Scherben in der Asche. In Österreich wird es zurück in die Glasproduktion gebracht, in Deutschland landet es meist auf der Deponie. Foto: Marc Pascual
Glas verbrennt nicht. Was an Flaschen und Gläsern im Restmüll landet, liegt nach dem Verbrennen als Scherben in der Asche. Das Entsorgungsunternehmen Brantner holt diese wieder heraus. Laut Brantner beträgt der Glasanteil bei manchen Aschen bis zu 30 Prozent. Bisher kam dieses Glas mit der Asche auf die Deponie, da es für die Herstellung neuer Flaschen zu verschmutzt war.
Deshalb hat Brantner die Anlage „Glasy“ gebaut. Dort wird die glasreiche Asche zerkleinert, gewaschen und gesiebt. In mehreren Sortierschritten wird das Glas geröntgt und von Metallen und anderen Resten getrennt. Die Anlage ist auf die Gewinnung von rund 20.000 Tonnen Glas pro Jahr ausgelegt. 15.000 Tonnen davon sind für die Glasindustrie bestimmt. Aus weißen Scherben entstehen erneut Marmeladengläser, aus braunen Bierflaschen und aus grünen Weinflaschen. Der Rest wird zu Schaumglas verarbeitet, das als Dämmstoff genutzt wird.
Damit Glashütten Altglas einschmelzen können, darf es pro Tonne höchstens 25 Gramm Keramik, Steine und Porzellan enthalten. Diese Stoffe stören die Schmelze. Brantner gibt für sein Glas eine Reinheit von 99,9999 Prozent an. Es kann demnach direkt in der Schmelzwanne eingesetzt werden. Dort ersetzt es Rohstoffe wie Quarzsand. Da Altglas leichter schmilzt, sinkt zudem der Energiebedarf.
Dass dies in Österreich funktioniert, liegt laut Forschenden der TU Wien auch an den Öfen. Fünf der zwölf österreichischen Müllverbrennungsanlagen verbrennen den Müll in einem Bett aus heißem Sand. Dabei bleibt das Glas klar und die Asche kommt trocken heraus. In deutschen Anlagen verbrennt der Müll dagegen meist auf einem Rost. Dort schmilzt ein Teil des Glases mit anderen Resten zusammen. Anschließend wird die Asche in einem Wasserbad abgekühlt und es bilden sich Krusten auf den Scherben. Sensoren erkennen das Glas dann kaum noch.
Laut den Branchenverbänden holten Aufbereiter im Jahr 2024 rund 590.000 Tonnen Metall aus der Asche deutscher Anlagen. Danach blieben 4,6 Millionen Tonnen übrig. Mehr als 70 Prozent davon wurden mitsamt dem darin enthaltenen Glas auf Deponien gebracht. Die Wiener Forschenden schlagen als Nächstes vor, Asche vom Rost zu untersuchen, die trocken statt über ein Wasserbad aus dem Ofen kommt.
Quellen:
brantner: Weltweit erste Anlage: Glas aus der Müllverbrennung zurück in den Kreislauf
NÖ-Landesregierung: Brantner holt Glas aus Müllverbrennungsrückständen zurück