Biomasse liefert chemische Rohstoffe

Holzabfälle und Stroh bergen Schätze für die chemische Industrie, die Chemiker des Max-Planck-Instituts für Kohlenforschung in Mülheim an der Ruhr und des Max-Planck-Instituts für Dynamik komplexer technischer Systeme in Magdeburg heben wollen. Die Forscher suchen nach Mitteln, aus Biomasse wertvolle chemische Verbindungen zu gewinnen und diese als Energieträger und Rohstoffe zu nutzen.

Text: Catarina Pietschmann

© Frank Vinken

Lignin lässt sich einfach isolieren: Holz wird fein gehäckselt und dann in einem Autoklaven mit 50prozentigem Alkohol ausgekocht. Wird das Lösungsmittel entfernt, bleibt Lignin als zähe braune Masse übrig.
© Frank Vinken

Noch wird Erdöl nicht zu Preisen eines Olivenöls extra vergine gehandelt. Doch dass die Lagerstätten bald erschöpft sein werden ist absehbar. Erdgas und Kohle reichen auch nicht ewig – und dem Klima schaden alle fossilen Brennstoffe miteinander. Höchste Zeit also, sich Gedanken über nachhaltige und klimaneutrale Energieträger zu machen.

Wind- und Sonnenenergie wären ideal um Strom und Wärme zu erzeugen. Oder Fahrzeuge von A nach B zu bewegen. Ein Teil der Saharafläche reicht aus, um über Solarzellen die gesamte Welt mit Elektrizität zu versorgen. Perfekt. Doch es gibt da ein Problem. Strom lässt sich weder als Hautcreme verstreichen noch in Schmerztabletten umwandeln. Man kann keine Computergehäuse oder Plastikflaschen daraus pressen. Und kein Flugzeug hebt damit ab. Elektrischer Strom ist die gerichtete Bewegung von Ladungsträgern. Mehr nicht. Keine Materie, kein einziges Molekül.

Erdöl hat dagegen weit mehr zu bieten als seinen Energieinhalt. Es ist zugleich universeller Rohstoff für ungezählte Dinge, die das Leben erleichtern oder einfach schöner machen. Die dunkle, schmierige Brühe, entstanden über Jahrmillionen aus abgestorbenen Meereslebewesen, ist die Basis von Medikamenten, Kosmetik, Kunststoffen, Farben und Lacken, Dünge- und Pflanzenschutzmitteln, Dämmstoffen, Waschmitteln und anderem mehr.

„Die Energie- und die Rohstoffsituation für die Industrie zu lösen – das sind mit die brennendsten Fragen für die nächsten 30 Jahren“, sagt Ferdi Schüth. Für den Chemiker ist klar, dass es langfristig nur zwei Ersatzquellen geben kann. „Biomasse – wobei man darin einen Teil der Syntheseleistung der Natur erhalten könnte. Und C1-Bausteine.“ In solche Kleinstmoleküle mit einem Kohlenstoffatom ließe sich auch Biomasse zerlegen. Am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mülheim an der Ruhr leitet Schüth die Abteilung Heterogene Katalyse. Sein Team sucht nach Wegen, Biomasse effizient nutzbar zu machen. 28. März 2012

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