Der geplünderte Planet

Neuer Bericht an den Club of Rome: Ugo Bardi warnt

Nach „Ein Planet wird geplündert“ von Herbert Gruhl (1975) kehrt der Buchtitel wieder – in kaum veränderter Form. Nur: Die Situation hat sich seitdem kaum verbessert . Aus der Verlagsankündigung (Oekom):“Wir pumpen Millionen Liter mit giftigen Chemikalien und Bioziden versetztes Wasser in unsere Böden, um ihnen auch die letzten Gasvorkommen zu entziehen, nennen es Fracking und erklären es zur fortschrittlichen Methode. Wir führen Kriege um die sogenannten ‚Seltenen Erden‘, damit wir uns jedes Jahr ein neues Smartphone leisten können, sehen darin die Zukunft und denken doch nicht daran, was sein wird. Hier wiederholen sich – an neuen Orten, mit neuen Protagonisten – alte Handlungsmuster: seit Jahrhunderten führt der Mensch einen Raubzug gegen die Erde ohne dessen Folgen im Blick zu haben. Der Chemiker Ugo Bardi erzählt die Geschichte dieser Plünderung und liefert zugleich eine umfassende Bestandsaufnahme der Rohstoffsituation unseres Planeten.“ In „Der geplünderte Planet. Die Zukunft des Menschen im Zeitalter schwindender Ressourcen“, dem neuen Bericht an den „Club of Rome“, der am 06.06.2013 in Berlin vorgestellt wurde.

Unser Planet liefert uns eine Fülle von Rohstoffen, die der Mensch seit jeher abbaut und nutzt. Anfangs in moderatem Maß; doch bald geht es um Gold, Geld und Macht: auf Edelmetallen werden Weltreiche errichtet. Wenig später bilden fossile Brennstoffe die Basis dieser Imperien – auch hier wiederholt sich Geschichte. Doch am Ende scheitert der Mensch immer wieder an zwei Problemen, die sich wechselseitig bedingen: an der Ressourcenverknappung durch Wachstumsgrenzen sowie der Zerstörung des Ökosystems durch permanente Abfallproduktion.

„Ein Krieg gegen den Planeten, den wir nicht gewinnen“

Ugo Bardi blickt zurück an den Anfang: wie sind die Rohstoffvorkommen entstanden, warum hat der Mensch begonnen sie zu nutzen, welche Konflikte gab es? Er erläutert die gegenwärtige Situation, diskutiert Verknappungskonzepte und bewertet Alternativen. Aber er wagt vor allem auch den Blick nach vorne: welche zukünftigen Szenarien sind vorstellbar, wie können wir zu einem nachhaltigen Umgang mit unserem Planeten kommen? Flankiert werde seine Betrachtungen durch mehrere Ausblicke: Einschätzungen von Experten zu besonders relevanten Ressourcen, wie etwa Öl, Kohle, Kupfer oder Lithium, sowie zu mit dem Ressourcenmanagement verknüpften Problemen und Lösungsansätzen, beispielsweise Fracking oder Upcycling.

Auch wenn der Ideenreichtum nahezu unerschöpflich scheint – das Auswaschen von Mineralien aus dem Meerwasser, das Anzapfen des Tiefseebodens oder gar der Abbau von Helium 3 auf dem Mond – „in Wirklichkeit ist das ein Krieg gegen den Planeten, ein erbarmungsloser Krieg. Es ist aber auch ein Krieg, den man nicht gewinnen kann. Auf lange Sicht wird sich der Planet vom Angriff der die Bodenschätze ausbeutenden Menschheit erholen, und die einzig möglichen Opfer sind am Ende wir selber“, so Ugo Bardi.

Ugo Bardi zählt zu den weltweit führenden Rohstoffexperten. Er lehrt Chemie an der Universität Florenz, ist Mitglied der NGO Association for the Study of Peak Oil (ASPO) und betreibt ein Blog namens Cassandra’s Legacy.

Ugo Bardi: Der geplünderte Planet. Die Zukunft des Menschen im Zeitalter schwindender Ressourcen
oekom verlag, München 2013, 360 Seiten, 22.95 €, ISBN 978-3-86581-410-4
->Quelle: oekom.de