Weiger zu Merkel-Rede – Leinen und Fischedick optinistisch

„Ambivalent“

BUND-Vorsitzender  Hubert Weiger sah in Merkels Rede beim Weltklimagipfel in Paris lauter Ambivalenzen. „Die von Merkel wiederholte Vision einer Dekarbonisierung der Weltwirtschaft im Laufe dieses Jahrhunderts bleibt hinter den Forderungen von Klimawissenschaftlern zurück. Bis 2050 müssen wir in einer Welt mit 100 Prozent erneuerbaren Energien leben, damit wir den Temperaturanstieg mindestens unter 2 Grad halten können. Gut ist, dass die Kanzlerin die besondere Verantwortung der Industriestaaten beim Klimaschutz betont. Die Klimaschutzpläne der meisten Staaten hält sie zu Recht für unzureichend und befürwortet deren regelmäßige Nachbesserung. Aber auch Deutschland muss mehr tun, um sein Klimaziel einer 40-prozentigen Verringerung der CO2-Emissionen bis 2020 zu schaffen“, so Weiger, der die Glaubwürdigkeit Deutschlands in der Klimapolitik für angeschlagen hält. „Nicht nur, dass die Bundesregierung der deutschen Autoindustrie jedes Mal beispringt, wenn diese eine Aufweichung der CO2-Grenzwerte verlangt. Ein Fehler der Kanzlerin war auch ihre Weigerung, die klimaschädlichsten Braunkohlekraftwerke in Deutschland abzuschalten. Diese Chance, Deutschland wieder auf Klimakurs zu bringen, hat sie verpasst“, kritisierte Weiger.

Umweltschützer nennen Pläne unzureichend

Weiger nannte die Klimaschutzpläne der Industriestaaten „völlig unzureichend“. „Kanada setzt wie Japan auf die klimaschädliche Kohleverstromung, die EU hat zu schwache Ziele beim Ausbau erneuerbarer Energien und bei der Steigerung der Energieeffizienz.“Entscheidend für den Erfolg des Weltklimagipfels seien auch Finanzierungsfragen, sagte Weiger. „Ärmere Länder müssen Schutzmaßnahmen gegen die Folgen des Klimawandels finanzieren und eine Energieversorgung mit erneuerbaren Energien aufbauen. Dabei müssen die reicheren Länder ihnen helfen.“ Ohne eine gerechte Aufgabenverteilung werde es keinen Klimavertrag geben.

Jo Leinen: „Klimaschutz wird Wettrennen um neue Technologien auslösen“

Der EU-Abgeordnete Jo Leinen forderte vom Klimagipfel das Signal, „bis zur Mitte des Jahrhunderts aus fossilen Energien auszusteigen“. Europa müsse für die Verbreitung klimafreundlicher Technologien sorgen. „Der Klimaschutz wird ein Wettrennen um neue Technologien zwischen Amerika, China und Europa auslösen.“ Die EU-Staaten müssten dabei ihre Chance nutzen, sagte der frühere saarländische Umweltminister.

In einer YouGov-Umfrage in Deutschland für die Umweltorganisationen WWF und das Energieunternehmen LichtBlick nannten 89 Prozent das Thema Klimaschutz äußerst wichtig bis wichtig. Fast 40 Prozent erklärten, häufig oder sehr häufig über die globalen Folgen des Klimawandels nachzudenken. 44 Prozent gaben sogar an, im Interesse des Klimas weniger Auto zu fahren. Erstrebenswert erschienen den Befragten ein Klimaschutz-Abkommen, der weltweite Ausbau erneuerbarer Energien und die Senkung des Energieverbrauchs. An der Umfrage nahmen zwischen dem 13. und 16. November 2056 Personen teil.

Fischedick hofft auf Abkommen bei UN-Klimakonferenz

Manfred Fischedick, Chef  des Wuppertal-Instituts, stimmten die Signale in WDR5 „durchaus optimistisch“. Das gelte „auch für die Signale, die wir über die letzten Monate immer schon von verschiedenen Anlässen bekommen haben, ob das jetzt der G7-Gipfel im bayerischen Elmau gewesen ist oder auch Verlautbarungen von US-Präsident Obama oder auch dem chinesischen Staatschef. Das sind alles Signale gewesen, die einen diesmal durchaus positiver gestimmt in Richtung Paris schauen lassen, (so dass) die Hoffnung durchaus berechtigt ist, dass ein Abkommen rauskommt, was zumindest die Signale in die richtige Richtung setzt und die zumindest in die Richtung deuten, dass wir ernst machen mit einer signifikanten Reduktion.“

Dass bei der Umsetzung die Kontrolle extrem schwer sei, räumte Fischedick ein: „Auf der anderen Seite haben wir jetzt, glaube ich, eine andere Ausgangssituation als bei den letzten internationalen Klimaverhandlungen. Denn es gebe jetzt „kein Abkommen, wo die Staaten gezwungen werden, etwas zu tun, was sie gar nicht tun wollen, sondern dieses Mal sind ja freiwillige Maßnahmen der Staaten gesammelt worden… Und der zweite Punkt ist, glaube ich, dass zunehmend die Staatengemeinschaft erkannt hat, dass sie, glaube ich, agieren muss, weil sie zunehmend betroffen ist von Wetterextremen. Und der dritte, ganz wesentliche Unterscheid zu früheren Verhandlungen ist, glaube ich, dass heute die Technologien, die man braucht, um Klimaschutz zu betreiben, deutlich kostengünstiger sind.“

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