Altöl: Deutschlands stiller Recycling-Erfolg

Es ist eine der ältesten Formen der industriellen Wiederverwertung und zugleich eine der unbekanntesten. Seit über hundert Jahren wird gebrauchtes Motoröl wieder aufbereitet. Deutschland ist dabei europäisches Zentrum. Doch die Rohstoffbasis verändert sich.

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Gebrauchtes Motoröl lässt sich im Kreislauf führen. Das spart Rohstoffe und Emissionen. Foto: Jimmy Nilsson Masth

Im Jahr 2024 erreichte die Recyclingquote bei den hochwertigen Altölen 91 Prozent. Das ist ein Anstieg um 20 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr und die erste Steigerung seit 2021. Von den rund 516.000 Tonnen Altöl, die im Land anfielen, flossen etwa 228.500 Tonnen in die Reraffination.
Dabei werden Ruß und Metallabrieb aus dem Altöl entfernt, es wird im Vakuum entwässert, destilliert und mit Wasserstoff behandelt. Am Ende steht wieder ein klares Grundöl, also genau der Stoff, der den Hauptbestandteil jedes Schmieröls ausmacht. Mit Additiven gemischt, entsteht daraus neues Motor- oder Hydrauliköl. So entsteht aus altem Öl wieder vollwertiges Schmieröl und kein minderwertiger Brennstoff. Im Gegensatz zur Verbrennung bleibt das Ölmolekül erhalten und der Vorgang lässt sich mehrfach wiederholen.
Die Umweltbilanz fällt deutlich aus. Laut einer Ökobilanz des ifeu-Instituts spart die Aufbereitung zu neuem Grundöl rund 71 Prozent CO2 gegenüber der Herstellung aus Rohöl ein und immer noch 47 Prozent gegenüber der Verbrennung des Altöls in Zementwerken oder Stahlöfen. Reraffination ist somit nicht nur Recycling, sondern auch die klimafreundlichste Art, mit Altöl umzugehen.

Europa verarbeitet jährlich über 1,1 Millionen Tonnen aufbereitetes Altöl und Deutschland ist dabei ein zentraler Knotenpunkt. Die Aufbereitungskapazität im Land ist jedoch so groß, dass sie das heimische Aufkommen übersteigt: Knapp 196.000 Tonnen Altöl importiert Deutschland netto, um die Anlagen auszulasten. Unternehmen wie AVISTA OIL im niedersächsischen Dollbergen betreiben die Reraffination im industriellen Maßstab, Händler wie BayWa bringen die recycelten Schmierstoffe bis zum Endkunden. Für die Betreiber ist Altöl somit kein lästiger Abfall, sondern ein knapper Rohstoff, um den konkurriert wird.

Zugleich verändert sich die Rohstoffbasis. So ging das Altöl-Potenzial aus dem Schmierstoffrücklauf zuletzt zurück. Längere Ölwechselintervalle sind heute üblich. Während früher alle 15 000 Kilometer ein Wechsel erforderlich war, sind heute oft 30 000 Kilometer oder mehr üblich. Dazu kommt der Umstieg auf E-Autos, was die Mengen, aus denen sich der Kreislauf speist, schrumpfen lässt. Und ein großes Problem, das der Bundesverband Altöl seit Jahren beklagt: Rund 100.000 Tonnen Altöl werden keiner hochwertigen Aufbereitung zugeführt, sondern überwiegend verbrannt oder tauchen in keiner amtlichen Statistik auf.

Damit steht die Branche vor einem strukturellen Wandel. Das Recycling selbst funktioniert – besser als bei vielen anderen Stoffen. Unter Druck gerät die klimafreundliche Aufbereitung gleich von zwei Seiten: Langfristig schrumpft mit jedem Verbrennerfahrzeug, das von der Straße verschwindet, die Quelle, aus der sich der Kreislauf speist. Und schon heute geht ein erheblicher Teil des vorhandenen Altöls verloren, weil er verbrannt wird, statt zu neuem Grundöl aufbereitet zu werden. Beides zusammen entscheidet darüber, wie viel von diesem Wertstoff sich künftig überhaupt im Kreis führen lässt.

Quellen: