Weltweiter Aufwärtstrend für EE hält an

Zusammenfassung

Die erneuerbaren Energien befinden sich weltweit weiterhin deutlich im Aufwärtstrend. Nie zuvor wurde so viel in alternative Energieformen investiert wie 2015. Mit 285,9 Mrd. US-Dollar (= 273 Mrd. Euro) konnte der langjährige Rekord aus dem Jahr 2011 um über 7 Mrd. US-Dollar (6,7 Mrd. Euro) übertroffen werden. Auch bei der neu installierten Kapazität wurde ein Allzeithoch registriert: Mit 126,6 GW stieg die Stromerzeugungskapazität aus erneuerbaren Energien 2015 um 23% im Vergleich zum Vorjahresrekord von 102,7 GW. Dabei setzten sich mehrere Trends, die bereits seit einigen Jahren zu beobachten sind, fort. Insbesondere sind auf globaler Ebene eine technologische und eine geografische Konzentration innerhalb der Branche zu beobachten:

Wind und PV bei Bitterfeld - Foto © Gerhard Hofmann, Agentur Zukunft_20150418Einerseits verschieben sich Investitionen und Zubauvolumen weiter in Richtung Photovoltaik und Windenergie (on- und offshore), deren durchschnittliche Stromgestehungskosten – mit Ausnahme der Offshore-Windenergie – in den letzten Jahren deutlich gesunken sind. Die weltweiten Zubauzahlen für die Photovoltaik (47 GW), Onshore-Windenergie (60 GW) und Offshore-Windkraft (3,4GW) erhöhten sich 2015 deutlich und erreichten die mit Abstand höchsten je gemessenen Werte. Auch bei der Solarthermie war laut der aktuellsten Daten 2013 ein beispielloses Wachstum (105 GW) zu verzeichnen. Bei den meisten anderen Technologien ist die Zahl der Neuinstallationen hingegen rückläufig.

Andererseits steigen die Ausbautätigkeiten besonders stark in Entwicklungs- und Schwellenländern. Im Jahr 2015 waren die Investitionen in alternative Energien in dieser Ländergruppe erstmals höher als in den Industriestaaten. Vor allem China beweist sich hier abermals als Wachstumsmotor für die Erneuerbare-Energien-Branche. In neun der zwölf untersuchten Technologiebereiche wurde die Volksrepublik als Wachstumsmarkt eingestuft. Auf dem zweiten Platz folgt die Türkei mitacht Wachstumstechnologien, während die USA, die im Vorjahr mit elf Wachstumsmärkten noch den ersten Platz belegte, mit sieben stark wachsenden Technologien dieses Jahr auf den dritten Rang rutscht.

bio-wind-im-bau-foto-gerhard-hofmann-agentur-zukunft-fuer-solarify-020160502Aufgrund der positiven Lernkurve, technologischer Fortschritte und zunehmender Skaleneffekte sanken die Kosten der Erneuerbaren Energien in den vergangenen Jahren weiter. In vielen Bereichen (v. a. Biomasse, Geothermie, Photovoltaik, Onshore-Wind- und Wasserkraft) sind sie mittlerweile konkurrenzfähig mit konventionellen Kraftwerken. Dennoch zeigt sich empirisch, dass 2015 nach wie vor über 99% der neu installierten Leistung in Ländern mit vorhandener finanzieller Unterstützung für Erneuerbare hinzu gebaut wurde. Bei den Fördermechanismen für erneuerbare Energien setzte sich 2015 der Trend zur ausschreibungsbasierten Mengensteuerung fort. Unter anderem stellten die großen Märkte Deutschland, Frankreich und Großbritannien ihre Förderregime entsprechend um. Existierende Einspeisevergütungen wurden in vielen Ländern an die fallenden Stromgestehungskosten der Erneuerbaren-Energien-Technologien angepasst und entsprechend abgesenkt.

Immer noch besteht in allen Weltregionen signifikantes Wachstumspotenzial für die Erneuerbaren Energien. In Europa wurden Litauen und die Slowakei in acht bzw. sieben der zwölf analysierten Technologien als Zukunftsmärkte eingestuft. Auf den amerikanischen Kontinenten tun sich insbesondere Chile (sechs Mal als Zukunftsmarkt kategorisiert) und Argentinien (fünf) hervor. In Afrika dürfte in den nächsten Jahren unter anderem in Kenia und Tansania (je fünf) ein deutliches Wachstum zu beobachten sein. Auch in Asien könnten sich Aserbaidschan, Vietnam (je fünf) und zahlreiche weitere Länder mittelfristig zu dynamischen Wachstumsmärkten entwickeln. Dass sich der Ausbau nachhaltiger Energieformen 2015 trotz deutlich gesunkener Preise für fossile Brennstoffe (Diesel, Gas, Öl, Kohle) fortsetzte, unterstreicht die Bedeutung, die den erneuerbaren Energien weltweit beigemessen wird.

Da für die Stromversorgung in netzfernen Regionen überwiegend Dieselgeneratoren eingesetzt werden, führten die im weltweiten Schnitt um weitere 11% gesunkenen Dieselpreise in der diesjährigen Marktanalyse jedoch zu einer geringeren Zahl identifizierter Off-Grid-Märkte. Mit dem mittelfristig zu erwartenden Wiederanstieg der Dieselpreise und den weiter sinkenden Kosten für Erneuerbare-Energie-Technologien dürfte die Off-Grid-Versorgung durch alternative Energieformen jedoch in Zukunft erneut an Bedeutung gewinnen.

Auch das im Dezember 2015 ausgehandelte UN-Klimaabkommen von Paris lässt auf verstärkte Klimaschutzanstrengungen der einzelnen Staaten und somit auf eine weitere Forcierung des Ausbaus der erneuerbaren Energien hoffen. Zudem deuten auch die weiter steigenden Investitionen und sinkenden Kosten auf einen kontinuierlich starken Ausbau der Nutzung alternativer Energieformen hin, die so einen essentiellen Beitrag zur Begrenzung der Erderwärmung, zur Schonung fossiler Rohstoffe und zur weltweiten Strom- und Wärmeversorgung leisten können.

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