Tsunamis könnten Tourismusbranche teuer zu stehen kommen

Forscher entwickeln globalen Risiko-Index für Strandtourismus – 203 Mio. Euro Verlust jährlich

Geht es diesen Sommer wieder an den Strand? Immer häufiger reisen europäische Touristen an Orte mit erheblichem Tsunamirisiko – das fanden Forscher nun heraus. Bei der Jahreskonferenz der European Geosciences Union (EGU) 2018 in Wien haben sie  am 12.04.2018 einen Tsunami-Risikoindex für Reiseziele auf der ganzen Welt vorgestellt. Die von Andreas Schäfer vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) geleitete Studie untersuchte alle bedeutenden Reiseziele weltweit in Bezug auf mögliche Verluste für die Tourismusbranche in Folge von Tsunamis.

Andreas Schäfer, Ingenieursgeophysiker am Geophysikalischen Institut des KIT, präsentierte die Ergebnisse der Forschungsgruppe und zeigte, dass jährlich rund 200 Millionen Euro an Verlusten für die Tourismusbranche in Strandnähe zu erwarten sind. Basierend auf dem Simulationsmodell „TsuPy“ hat das Team mehr als 24.000 Strände und ihre wirtschaftliche Relevanz für mehr als 1.000 Reiseziele weltweit untersucht, um das Risiko für jedes Ziel in Bezug auf die strandbezogenen Geschäftsanteile zu berechnen.

„In absoluten Werten zeigt Hawaii das mit Abstand größte Risiko für den Tourismus durch Tsunamis. Dies liegt daran, dass Hawaii durch seine Lage mitten im Pazifik umringt ist von vielen möglichen Tsunamiquellen, etwa aus Richtung Japan, Alaska, Südamerika und anderen Regionen“, berichtet Schäfer. „Der Großteil der Schäden ist allerdings dank ausreichender Frühwarnsysteme vor Ort rein wirtschaftlich.“ Den berühmten Strandorten von Hawaii bereiteten vor allem Schäden an Infrastruktur und Erosion enorme Probleme. Der letzte größere Tsunami erreichte Hawaii 1960, in Folge eines gewaltigen Erdbebens vor der Küste von Chile, und führte zu über 60 Todesfällen und etwa 500 Millionen US-Dollar an Schäden, gemessen an heutigen Werten.

[note Beispiele simulierter Tsunamis und ihre maximalen Wellenhöhen. – Foto © Andreas Schäfer, KIT]

Tausende Todesopfer und Milliarden Dollar Schäden innerhalb kürzester Zeit möglichEs gebe allerdings viele andere Orte auf der Welt, wo zerstörerische Tsunamiwellen die Strände und Küstenortschaften innerhalb von Minuten erreichen könnten, erläutert Schäfer. In Folge des Tsunamis im Indischen Ozean von 2004 starben mehr als 226.000 Menschen, unter ihnen auch 2000 Europäer, davon mehr als 550 Deutsche. Darüber hinaus hatte der Tsunami mehr als zehn Milliarden US-Dollar an Schäden zur Folge. Der Tsunami 2011 in Japan forderte trotz Frühwarnsystemen und Tsunamischutzmauern ca. 22.000 Menschenleben.Auch im Mittelmeerraum um Griechenland und die Türkei gab es schon größere Tsunamis, wie in den Jahren 365 oder 1303 vor Kreta und Rhodos. Dort sind allerdings deutlich seltener als etwa in Chile. Dennoch finden sich mehrere Reiseziele in der Region – wie Kreta oder Antalya – in der Top 100 des Risikoindexes wider.

Mit dem von Schäfer entwickelten Simulationsmodell ließen die Wissenschaftler des KIT mehrere tausend mögliche Tsunamis auf die 24.000 Strände los. So konnten sie auch Tsunamis analysieren, die zwar historisch nicht auftraten, aber möglicherweise in Zukunft auftreten können. So konnte die Forschungsgruppe die Folgen von Tsunamis auf Strände und die lokale Wirtschaft untersuchen. Schäfers Interesse an diesem Gebiet wurde beim Tsunami 2011 geweckt, als er noch Ingenieursstudent war, seither arbeitet er an Simulationen zur Katastrophenanalyse.

Die Top-10-Reiseziele – mögliche Verluste für den Strandtourismus durch Tsunamis

  1. Hawaii, USA
  2. Lima, Peru
  3. Valparaiso, Chile
  4. Guerrero, Mexico
  5. Bali, Indonesien
  6. Großraum Los Angeles, USA
  7. Phuket, Thailand
  8. Südwestliche Türkei
  9. Bio-Bio, Chile
  10. Puntarenas, Costa Rica

[note Globaler Tsunami Risiko Index für Strandtourismus – Foto © Andreas Schäfer, KIT]

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