IPCC-Sonderbericht kommt

Thema: Erderwärmung auf 1,5 Grad begrenzen

Beim UN-Klimagipfel 2015 in Paris formulierten die Staaten das Ziel, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius und möglichst unter 1,5 Grad Celsius zu beschränken. Sie luden den Weltklimarat ein, zur angestrebten 1,5-Grad-Grenze einen Sonderbericht zu verfassen. Am 08.10.2018 wird dieser Sonderbericht des IPCC veröffentlicht – er fasst auf mehr als 200 Seiten den Forschungsstand zu politisch wie wissenschaftlich komplexen Fragen rund um die 1,5-Grad-Grenze zusammen. Im Rahmen eines Pressegesprächs am 26.09.2018 in Berlin informierten Fachleute über Entstehungsbedingungen und Bedeutung des Sonderberichts.

„Grob ein Grad Erwärmung haben wir bereits erreicht und die Folgen werden immer spürbarer, das zeigte nicht zuletzt dieser Sommer“, sagte  Katja Frieler vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung im Blick auf die Veröffentlichung des Berichts beim Deutschen Klima-Konsortium (DKK). „Die Treibhausgasemissionen haben Hitzewellen wie die in den vergangenen Monaten bereits deutlich häufiger gemacht und werden sie in Zukunft noch häufiger machen. Mit der globalen Erwärmung steigt das Risiko von Dürren und Ernteeinbrüchen. Der Meeresspiegelanstieg hat bereits heute das Risiko von Sturmfluten an New Yorks Küsten deutlich verstärkt. Ein weiterer Anstieg der globalen Temperatur bedeutet eine weitere Verschärfung der Risiken und wird die New Yorker zu erheblichen Maßnahmen zwingen“, fasste die Expertin für Klimafolgen, die selbst nicht am Sonderbericht über 1,5 Grad Celsius globale Erwärmung (SR1.5) beteiligt ist, den wissenschaftlichen Sachstand zusammen.

„Der neue Bericht wird mit harten Fakten untermauern, dass schon eine Erwärmung um 1,5 Grad gravierende und unumkehrbare Folgen hat. Deshalb ist er wissenschaftlich wichtig“, sagte sie weiter. „In der Politik aber sehen wir, dass wahrscheinlich nicht mal das Zwei-Grad-Ziel eingehalten wird –  wir sind auf dem Weg zu drei oder vier Grad Erwärmung bis Ende des Jahrhunderts mit all ihren Folgen, wenn man die bisher geplanten Maßnahmen zur Reduktion der CO2-Emissionen hochrechnet. Wenn wir die Klimaschutzziele einhalten wollen, müssen wir konsequenter handeln. Je länger wir warten, desto stärker wachsen die Risiken, und desto teurer wird es.“

„Aufgrund der großen Lücke zwischen Wissen und Handeln rechnen Klimaforschende in den Modellen inzwischen teilweise mit sogenannten negativen Emissionen. Damit sind Maßnahmen gemeint, die der Atmosphäre vorhandenes Kohlendioxid wieder entziehen. Und die sind bei dem äußerst ambitionierten 1,5-Grad-Ziel noch relevanter – auch um derzeit unvermeidbare Emissionen aus der Landwirtschaft, der Industrie oder dem Flugverkehr auszugleichen“, sagte Oliver Geden, der gerade Gastwissenschaftler am Max-Planck-Institut für Meteorologie und am Centrum für Globalisierung und Governance der Universität Hamburg ist. Um Missverständnisse zu vermeiden, fügte der Sozialwissenschaftler hinzu: „Der weitaus größte Anteil an Emissionsreduktion muss und kann durch klassischen Klimaschutz erreicht werden.“ Geden ging im Anschluss auf die unterschiedlichen Möglichkeiten ein, die in der Wissenschaft unter dem Begriff negative Emissionen diskutiert werden: Dies könnte zum einen durch den Ausbau natürlicher Senken – wie etwa der Aufforstung – umgesetzt werden. Zum anderen wird die ingenieurtechnische CO2-Entnahme aus der Atmosphäre diskutiert. Sogenanntes Solar-Radiation-Management gehört nicht zum Bereich der negativen Emissionen und wird in der Wissenschaft aufgrund der hohen Risiken als nicht anwendbar abgelehnt.

Mit dem Sonderbericht kommt der Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC oder Weltklimarat) erstmals der direkten Bitte der Klimarahmenkonvention nach, sich einem Thema zu widmen, für das aktueller Klärungsbedarf besteht. Die Frage, wie die ehrgeizige Beschränkung – die Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad und möglichst auf 1,5 Grad zu beschränken – gelingen könnte und welche Risiken dadurch vermieden würden, löste in der Forschungswelt intensive Aktivitäten aus. Nur Studien, die noch vor dem 15.05.2018 von wissenschaftlichen Zeitschriften angenommen wurden, konnten im neuen Sonderbericht berücksichtigt werden. „Die IPCC-Berichte haben in der Klimapolitik ein so hohes Gewicht, weil sie politisch relevante Themen behandeln und ihre wissenschaftliche Unabhängigkeit bereits 30 Jahre lang bewiesen haben. Die Ausgewogenheit, Verlässlichkeit und Vollständigkeit der Aussagen wird durch detaillierte Verfahrensregeln mit einem mehrstufigen Begutachtungsverfahren und einer weltweiten Expertenbeteiligung gewährleistet“, sagte die Leiterin der Deutschen IPCC-Koordinierungsstelle Christiane Textor.

Das Deutsche Klima-Konsortium (DKK) vertritt als Wissenschaftsverband führende Akteure der deutschen Klimaforschung und Klimafolgenforschung. Dazu gehören Universitäten, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und Bundesbehörden. Das DKK steht für wissenschaftsbasierte Politikberatung, greift aktuelle Themen auf und liefert Hintergründe aus Expertensicht.

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